Enkel, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Enkels · Nominativ Plural: Enkel
Aussprache
WorttrennungEn-kel
Wortbildung mit ›Enkel‹ als Erstglied: ↗Enkelin · ↗Enkelkind · ↗Enkelsohn · ↗Enkeltochter · ↗Enkeltrick
 ·  mit ›Enkel‹ als Letztglied: ↗Großenkel · ↗Urenkel
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Kind des eigenen Kindes, Kindeskind
Beispiele:
er hat schon drei Enkel
die Geburt des ersten Enkels
das ist sein jüngstes Enkelchen
etw. seinen Enkeln vererben, hinterlassen
Will er genießen den Vatersegen, / Kinder und Enkelein um sich pflegen [SchillerWallenst. Lager11]
2.
Nachkomme
Beispiele:
unsere Enkel werden das nicht verstehen
Weh dir, daß du ein Enkel bist [GoetheFaustI 1977]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Enkel1 · Enkelin · Urenkel
Enkel1 m. ‘Sohn des Sohnes oder der Tochter’, in weiterem Sinne überhaupt ‘direkter Nachkomme in der dritten Generation’, im Plur. auch allgemein ‘künftige Geschlechter’. Ahd. eniklīn n. (Hs. 13. Jh.), mhd. eninklīn n. (12. Jh.), eninkel, enenkel m. ist eine Deminutivbildung zu ahd. ano ‘Vorfahre, Großvater’ (s. ↗Ahn) mit dem westgerm. Verkleinerungssuffix -(n)kl-, das im Ahd. stets zusammen mit ebenfalls deminutivem -ī(n) vorkommt; vgl. Kluge Stammbildungslehre 333 f. Offenbar wird bei den Germanen wie bei anderen ie. Völkern die Bindung zur übernächsten Generation als besonders stark angesehen, was oft auch in der Namengebung zum Ausdruck kommt. Vergleichbare Ableitungen außerhalb des Germ. sind lat. avunculus ‘Onkel’ von lat. avus ‘Großvater, Ahn’ (verwandt mit ↗Oheim, s. d.) und wahrscheinlich auch aslaw. vъnukъ, russ. vnuk (внук) ‘Enkel’, das sich von urslaw. *ъn-, wohl einer Ablautstufe der Wurzel ie. *an- ‘Vorfahre’ (s. ↗Ahn), herleitet. Im Dt. tritt Enkel seit dem 16. Jh. in der Literatursprache an die Stelle von ↗Neffe, ↗Kindeskind (s. d.) und landschaftlichem Diechter (s. ↗Dirne), die zuvor in gleicher Bedeutung gebräuchlich sind. Dabei setzt sich die heutige zweisilbige Form vom 16. Jh. an gegenüber einer Vielzahl frühnhd. Varianten (noch im 17. Jh. Enenckel, Enickel, Enencklein, Encklein) durch. Enkel, vereinzelt noch im 18. Jh. als Neutr. verwendet, gilt zunächst für die Nachkommen beiderlei Geschlechts in der dritten Generation; daneben wird seit dem 17. Jh. die Ableitung Enkelin f. üblich (ein vereinzelter Frühbeleg bereits 14. Jh.), die Adelung jedoch 1774 noch ablehnt. Urenkel m. ‘direkter Nachkomme in der vierten Generation’, spätmhd. ureniklīn (s. ↗ur-) nach dem Vorbild von mhd. urane (s. ↗Ahn). Vgl. Erben Festschr. Dam (1977) 101 ff.

Enkel2 m. ‘Fußgelenk, -knöchel’, ahd. enkil m. (10. Jh.), mhd. enkel m., mnd. enkel n., mnl. enkel, inkel, nl. enkel (germ. *ankila-), ahd. ank(a)la f. (9. Jh.; vgl. ahd. ankallīh ‘knöchellang’, 8. Jh.), mnl. ankel, anord. ǫkla n., ǫkli m. (germ. *ankula-). Die Formen stellen sich als l-Ableitungen (Deminutiva?) zu ahd. anka ‘Hinterkopf, Nacken’ (10. Jh.), mhd. anke, nhd. (schwäb., rhein.) Anke ‘Nacken, Genick’ und führen mit aind. áṅga- ‘Körperglied’, aṅgúri-, aṅgúli- ‘Finger’, lat. angulus ‘Ecke, Winkel’ auf die Wurzel ie. *ang- ‘biegen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Enkel · ↗Enkelkind · Kindeskind  ●  ↗Großkind  schweiz.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Synonymgruppe
Enkel · ↗Enkelsohn · Großsohn
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Blaubär Einwanderer Enkel Enkelin Firmengründer Generation Großeltern Großmutter Großvater Gründer Kaiser Kind Neffe Nichte Oma Opa Prophet Queen Schwiegersohn Schwiegertochter Sohn Tochter Unternehmensgründer Urenkel Ururenkel Verlagsgründer geboren hinterlassen schenken vererben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Enkel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Enkel konnte aus dem Wagen aussteigen, rief sofort seine Mutter an.
Bild, 29.03.2006
Er hat selbst Enkel und die Kinder sind schon lange unerreichbar fern.
Der Tagesspiegel, 04.01.2003
Seine Enkel sprangen um ihn herum wie drei junge Hunde.
Funke, Cornelia: Tintenherz, Hamburg: Cecilie Dressler Verlag 2003, S. 278
Noch einmal versucht der General, seinen Enkel zum Gehorsam zu zwingen.
Fath, Rolf: Werke - O. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 22186
Sie hat dort eine Tochter verheiratet, ihr Enkel ist zehn Jahre alt.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1942. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1942], S. 141
Zitationshilfe
„Enkel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Enkel>, abgerufen am 19.09.2019.

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