Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Entbindung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Entbindung · Nominativ Plural: Entbindungen
Worttrennung Ent-bin-dung
Wortbildung  mit ›Entbindung‹ als Erstglied: Entbindungsabteilung · Entbindungsheim · Entbindungspfleger · Entbindungsstation
eWDG

Bedeutungen

1.
das Entbinden
entsprechend der Bedeutung von entbinden (2)
Beispiele:
die Frau kam zur Entbindung ins Krankenhaus
das Kind ist bei der Entbindung (= Geburt) gestorben
2.
entsprechend der Bedeutung von entbinden (1)
Beispiele:
die Entbindung von seinen bisherigen Funktionen
er bat um die Entbindung von seinen Pflichten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

binden · Binde · Binder · entbinden · Entbindung · verbinden · Verbindung · Verband
binden Vb. ‘durch Umwinden, Verknüpfen zusammenfügen’, insbesondere ‘fesseln’, auch allgemeiner ‘fest miteinander vereinigen’, ahd. bintan (8. Jh.), mhd. binden ‘umwinden, verknüpfen, fesseln’ führt wie die Entsprechungen asächs. aengl. got. bindan, afries anord. schwed. binda, mnd. mnl. nl. binden, engl. to bind auf germ. *bindan. Es läßt sich mit aind. badhnā́ti ‘bindet’, bandháḥ ‘Band, Fessel’, bándhuḥ ‘Verbindung, Verwandtschaft, Verwandter’, griech. pé͞isma (πεῖσμα) ‘Tau, Seil’, pentherós (πενθερός) ‘Schwiegervater’ (auf die durch Heirat entstehende Bindung bezogen), lat. offendīx ‘Kinnband der Priestermütze’ an ie. *bhendh- ‘binden’ anschließen (s. auch Band1 m. und Band3 n., Bande2, Bund). – Binde f. ‘um etw. herumgewundener Stoffstreifen’ (als Verband, Schmuck, Kennzeichen), ahd. binta (8./9. Jh.), mhd. binde ‘Binde, Verband’, aengl. binde, engl. bind ‘Binde, Band’. Binder m. ‘Böttcher’, ahd. bintāri (10. Jh.), mhd. binder ‘Faßbinder’, nhd. bis zur Gegenwart landschaftlich für Böttcher (s. d.). entbinden Vb. ‘lossprechen, befreien’, auch ‘gebären’, ahd. intbintan ‘aufbinden, lösen, befreien, einer Verpflichtung entheben’ (8. Jh.), mhd. enbinden ‘befreien, lösen, erklären’, asächs. antbindan, aengl. onbindan, engl. to unbind, got. andbindan. Das ursprünglich ‘losbinden, von Fesseln befreien’ bedeutende Verb kommt früh und im Nhd. überwiegend in metaphorischen Verwendungen vor; es bezeichnet bereits im 14. Jh. (wohl vom Trennen der Nabelschnur ausgehend) auch den Geburtsvorgang, wobei die Frau oder das Kind als Objekt des transitiven Verbs eintreten. Jung ist dagegen der intransitive Gebrauch ‘Mutter werden, gebären’ (um 1880); dazu Entbindung f. ‘Geburt’ und ‘Befreiung, Entlastung’, anfangs für unterschiedliche Vorgänge des Befreiens, Lösens, frühnhd. enpindung, en(t)pintung ‘Trennung. Auflösung, Erklärung’ (14. Jh.), dann namentlich ‘Absolution, Lossprechung von Sünden’, vgl. mnd. entbindinge ‘Zügellosigkeit’; im Sinne von ‘Niederkunft, Geburt’ seit dem 17. Jh. verbinden Vb. ‘mit einer Binde bedecken, verknüpfen, zusammenfügen’, übertragen ‘enge Beziehungen zwischen Personen herstellen’, ahd. firbintan ‘umwickeln, zubinden’ (um 1000), mhd. verbinden ‘zusammenfügen, zubinden, einschließen, verpflichten’; westgerm. Präfixbildung (vgl. mnd. vorbinden, nl. verbinden, aengl. forbindan), im Dt. die beiden Bedeutungsstränge ‘mit einer Binde bedecken’ (schon ahd.) und ‘fest zusammenfügen’ (mhd.) entwickelnd; in einigen der sich an die zweite Bedeutung anschließenden Verwendungen schwindet die Vorstellung des Umwindens, Verknüpfens völlig; dazu Verbindung f. ‘Zusammenhang, enge Beziehung’, auch ‘Vorgang des Verbindens’, zuerst (15. Jh.) ‘Verpflichtung’, vgl. mnd. vorbindinge ‘Verbindung, Bündnis’; Verband m. ‘eine Wunde bedeckende, schützende Binde’ (18. Jh.), ‘Gruppierung, Vereinigung, Organisation’ (19. Jh.).

Thesaurus

Medizin
Synonymgruppe
Entbindung · Geburt · Gebären · Niederkunft
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Befreiung · Entbindung  ●  Relevation  lat., juristisch, veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Entbindung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Entbindung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Entbindung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Evas Entbindung ging schwerer vor sich, als man erwartet hatte. [Meisel-Hess, Grete: Die Intellektuellen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 10964]
Kann aber die Kunst nicht auch selber von dieser Entbindung profitieren? [Die Zeit, 02.10.1997, Nr. 41]
Dabei hatten wir die Entbindung unserer Ältesten so gründlich vorbereitet. [Die Zeit, 24.01.2011, Nr. 04]
Der 64 Jahre alte Vater des Mädchens war bei der Entbindung nicht dabei. [Die Zeit, 05.12.2007 (online)]
Er diagnostiziert die nahende Entbindung, aber es bliebe genug Zeit. [Die Zeit, 07.08.1995, Nr. 32]
Zitationshilfe
„Entbindung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Entbindung>.

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