Entfremdung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Entfremdung · Nominativ Plural: Entfremdungen · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungEnt-frem-dung (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Entfremdung‹ als Letztglied: ↗Selbstentfremdung · ↗Zweckentfremdung
eWDG, 1967

Bedeutungen

entsprechend der Bedeutung von entfremden (1)
Beispiele:
zwischen ihr und der Mutter war eine Entfremdung eingetreten
die Entfremdung der Ehegatten hatte im Laufe der Zeit zugenommen
in ihrem Verhältnis war eine starke Entfremdung zu spüren
entsprechend der Bedeutung von entfremden (2)
Beispiel:
die Entfremdung von Wohnraum
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fremd · Fremder · Fremdling · Fremde · befremden · befremdlich · entfremden · Entfremdung · Fremdsprache · Fremdwort · Verfremdung · verfremden
fremd Adj. ‘von auswärts stammend, nicht heimisch, nicht zugehörig, unbekannt’. Das gemeingerm. Adjektiv ahd. fremidi (8. Jh.), mhd. vremede, vremde, vröm(e)de, asächs. fremiði, mnd. vrȫmede, mnl. vreemde, vremde, vreemt, nl. vreemd, aengl. frem(e)de, got. framaþeis ist mit dem (Bindevokal aufweisenden) Suffix germ. -iþja- / -iðja- (ie. -ti̯o-) gebildet zu (im Nhd. untergegangenem) germ. *fram, belegt in ahd. fram Adv. (8. Jh.), mhd. fram Adv. ‘vorwärts, fort, weiter, sogleich’, Präp. ‘fort von, von … her’, asächs. fram Adv. ‘hervor, weg, heraus’, aengl. fram, from Adv. ‘fort, vorwärts, weg’, Präp. ‘weg von, von … her’, anord. fram Adv. ‘vorwärts’, got. fram Adv. ‘weiter’, Präp. ‘von … her’, so daß eine Grundbedeutung ‘entfernt, fern’ angenommen werden kann. Germ. *fram ist wie anord. framr ‘tapfer, vorzüglich’, aengl. fram ‘stark, tüchtig, tapfer’ mit griech. prómos (πρόμος) ‘Vorderster, Vorkämpfer, Führer, Fürst’, umbr. promom ‘zuerst, anfangs’ eine m-Ableitung (s. auch verwandtes ↗fromm) von ie. *prō̌, einer der Varianten von ie. *per ‘das Hinausführen über’, womit vornehmlich Adverbien und Präpositionen gebildet werden (s. z. B. ↗für, ↗vor, ↗ver-). Aus dem Adjektiv substantiviert Fremder m. ‘Auswärtiger, Gast’, mhd. vremder. Dafür auch Fremdling m. mhd. vremdelinc. Fremde f. ‘Ort, wo man nicht heimisch ist’, mhd. vrem(e)de ‘Entfernung’. befremden Vb. ‘unangenehm berühren, fremdartig anmuten’ (15. Jh.); vgl. ahd. irfremiden ‘ausschließen, verstoßen’ (?; 8. Jh.), gifremiden ‘jmdm. etw. entziehen, sich von jmdm. abwenden’ (9. Jh.), mhd. vremeden ‘abfallen, meiden’; befremdlich Adj. ‘verwunderlich, unerfreulich’ (16. Jh.). entfremden Vb. ‘fremd machen, entziehen’, mhd. enphremden, entvremden; Entfremdung f. ‘Abkühlung, Lösung (einer Beziehung), Entfernung’ (15. Jh.). Fremdsprache f. (19. Jh.). Fremdwort n. (19. Jh.), älter dafür fremdes Wort (16. Jh.). Verfremdung f. Stilmittel des epischen Theaters (20. Jh., Brecht); dazu in entsprechendem Sinne verfremden Vb. zuvor ‘fremd machen, entfremden, enteignen’ (15. Jh.).

Thesaurus

Psychologie
Synonymgruppe
Entfremdung · ↗Entäußerung · Sich-Entfremden · Sich-Fremdwerden · Sympathieverlust · ↗Trennung  ●  ↗Abkühlung  fig. · Auseinandertriften  fig.

Typische Verbindungen zu ›Entfremdung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aufhebung Ausbeutung Einsamkeit Entwurzelung Gemeinschaftsleben Heimatlosigkeit Identitätsverlust Isolation Selbstentfremdung Symptom Verbitterung Verdinglichung Vereinsamung Vereinzelung Zerrissenheit eingetreten entgegenwirken fortschreiten fortschreitend gegenseitig politisch-kulturell schleichend tiefgreifend total transatlantisch wachsend wechselseitig zunehmend Überwindung überwinden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Entfremdung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Entfremdung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein Land, das der Politik ohnehin misstraut, droht in politischer Entfremdung zu versinken.
Die Zeit, 20.11.2000, Nr. 47
Vielleicht machen am Ende globale Gebräuche aller Entfremdung ein Ende.
Der Tagesspiegel, 26.06.2000
Es soll typisch sein für die Entfremdung in New York.
Johnson, Uwe: Jahrestage, Bd. 1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1970, S. 202
Änderungen im islamischen Ritual zeigen seine Entfremdung vom orthodoxen Islam.
Schimmel-Tari, A.: Akbar. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 699
Seit 1300 trat eine langsame Entfremdung dieser rheinischen Güter ein.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1936, S. 894
Zitationshilfe
„Entfremdung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Entfremdung>, abgerufen am 22.02.2020.

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