Entsagung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Entsagung · Nominativ Plural: Entsagungen
Aussprache
WorttrennungEnt-sa-gung (computergeneriert)
Wortzerlegungentsagen-ung
Wortbildung mit ›Entsagung‹ als Erstglied: ↗entsagungsreich · ↗entsagungsvoll  ·  mit ›Entsagung‹ als Letztglied: ↗Weltentsagung
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben freiwilliger Verzicht auf etw., was man bisher geschätzt hat
Beispiele:
ein Leben voller Entsagungen
er lebte in asketischer Entsagung
ein Ton wehmütiger Entsagung schwang in seinem Erzählen mit
das Schicksal verlangte von ihm große Entsagung
er verzichtete darauf mit bewundernswürdiger Entsagung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sagen · absagen · Absage · ansagen · Ansage · Ansager · aussagen · Aussage · besagen · entsagen · Entsagung · entsagungsvoll · untersagen · versagen · Versager · zusagen · Zusage · unsagbar · unsäglich
sagen Vb. ‘äußern, aussprechen, reden, behaupten, erklären’, (reflexiv) ‘sich überlegen’, ahd. sagēn (8. Jh.), mhd. sagen, mnl. sāghen (germ. *sagēn) stehen neben der (mit Umlaut bewirkendem j-Suffix gebildeten) Gruppe asächs. seggian, mnd. seggen, mnl. segghen, nl. zeggen, aengl. secgan, engl. to say, anord. segja, schwed. säga (germ. *sagjan). Außergerm. lassen sich vergleichen air. insce ‘Rede’, aithesc ‘Antwort’, lat. īnseque ‘sag an, erzähle’, inquit ‘er sagte’, griech. en(n)épein (ἐν(ν)έπειν) ‘ansagen, verkünden, erzählen’, dazu (Aorist) enispé͞in (ἐνισπεῖν), lit. sakýti (mundartlich noch sèkti) ‘sagen, erzählen’, sèkti ‘(nach)folgen, (nach)spüren’, lett. sekt ‘suchen, ausfindig machen’, aruss. sočiti ‘suchen, ausforschen’, russ. (älter) sočít’ (сочить) ‘suchen, aufspüren’. Für die daraus zu erschließende Wurzel ie. *seku̯- kann man eine Bedeutung ‘wittern, spüren’ (vom Hund bei der Jagd) voraussetzen, die sich einerseits zu ‘zeigen, ankündigen’ und ‘sagen’, andrerseits zu ‘folgen’, auch ‘mit den Augen folgen’ weiterentwickelt hat, so daß auch die unter ↗sehen (s. d.) genannten Formen als Verwandte heranzuziehen sind. absagen Vb. ‘Zugesagtes, Angekündigtes rückgängig machen, etw. aufgeben, darauf verzichten’, mhd. abesagen ‘mit Worten zurückweisen, aufkündigen, rückgängig machen’; Absage f. ‘Ablehnung, Zurücknahme, Verzicht’, mhd. abesage, frühnhd. auch ‘Aufkündigung der Freundschaft, Fehdebrief’; vgl. ahd. abasaga ‘verneinende Aussage’ (um 1000). ansagen Vb. ‘ankündigen, mitteilen’, ahd. anasagēn ‘einwenden, anklagen’ (10. Jh.), mhd. anesagen ‘eingestehen, mitteilen, zusagen, versprechen, anklagen’; Ansage f. ‘Verkündigung, Mitteilung’, ahd. anasaga ‘Aussage’ (10. Jh.), mhd. anesage ‘Aussage, Behauptung, Mitteilung’; Ansager m. ‘wer etw. mitteilt’, heute besonders ‘Sprecher’ (in Rundfunk und Fernsehen), ahd. anasagāri ‘Ankläger’ (10. Jh.), mhd. anesager. aussagen Vb. ‘mitteilen, erklären, ausdrücken’, besonders vor Gericht aussagen, spätmhd. ūʒsagen; Aussage f. ‘Erklärung, Mitteilung, Ausdruck’ (15. Jh.). besagen Vb. ‘bedeuten, ausdrücken’, ahd. bisagēn ‘zusprechen, zuerkennen, auslegen, erklären’ (9. Jh.), mhd. besagen ‘sagen, bezeugen, zusprechen, aussagen, anklagen’. entsagen Vb. ‘verzichten’, ahd. intsagēn ‘freisprechen, sich lossagen’ (8. Jh.), mhd. entsagen ‘Fehde ansagen, entschuldigen, verteidigen, lossagen, vorenthalten, leugnen, verheimlichen’; Entsagung f. ‘Verzicht’ (17. Jh.); entsagungsvoll Adj. ‘schmerzlich verzichtend’ (19. Jh.). untersagen Vb. ‘rügen, verbieten’, ahd. untarsagēn ‘mit Worten darlegen, besprechen, mitteilen’ (9. Jh.), mhd. undersagen, auch (unter dem Einfluß von lat. interdīcere) ‘verbieten’. versagen Vb. ‘abschlagen, verweigern, gestellte Erwartungen, Anforderungen nicht erfüllen, scheitern’, ahd. firsagēn ‘verweigern, verschmähen, leugnen, nicht zuerkennen, sich lossagen’ (9. Jh.), mhd. versagen ‘absagen, an-, aussagen (bis zum Ende), ableugnen, verweigern, abschlagen, sich lossagen’; Versager m. ‘wer Erwartungen, Anforderungen nicht erfüllt’, älter ‘Verleumder’ (16. Jh.). zusagen Vb. ‘zustimmen, versprechen, gefallen’, mhd. zuosagen; Zusage f. ‘Zustimmung, Versprechen’ (15. Jh.). unsagbar Adj. ‘unaussprechlich, unbeschreiblich’, mhd. unsagebære; auch verstärkend ‘in höchstem Maße’, vgl. unsagbar schlecht. unsäglich Adj. ‘unaussprechlich’, mhd. unsagelich, unsegelich.

Thesaurus

Synonymgruppe
Abstinenz · ↗Askese · Aszese · ↗Enthaltsamkeit · ↗Enthaltung · Entsagung · ↗Mäßigung · ↗Zurückhaltung
Unterbegriffe
Assoziationen
  • (nur) wenn es (auch) geht · (nur) wenn es (auch) machbar ist · nicht mit aller Gewalt · nicht um jeden Preis
Synonymgruppe
Abkehr · Abschwören · Abschwörung · Entsagung

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abschied Akt Askese Demut Disziplin Entbehrung Enttäuschung Glück Hingabe Leid Leiden Liebe Maß Opfer Qual Schmerz Sehnsucht Verzicht erfordern schmerzlich sexuell still üben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Entsagung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch die Kunst der Entsagung feiert jetzt ihren größten Triumph.
Die Zeit, 04.04.2007, Nr. 14
Das heißt, allem entsagen zu können, einschließlich natürlich, wenn nötig, der Entsagung.
Süddeutsche Zeitung, 29.11.2003
Ein ganzes Leben der Entsagung war kein zu teurer Preis dafür!
Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 1422
Nach dieser Theorie kann ein Übermaß an Entsagung ebenso wie an Befriedigung eine Person auch später auf den Mund als Quelle von Stimulationen festlegen.
Schaub, Horst u. Zenke, Karl G.: orale Phase. In: dtv-Wörterbuch Pädagogik [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1995], S. 21896
Eine gewisse Entsagung gehört allerdings dazu, auf seine Bewegungsfreiheit zu verzichten.
Grotjahn, A.: Asylwesen. In: Grotjahn, Alfred u. Kaup, J. (Hgg.) Handwörterbuch der sozialen Hygiene, Leipzig: Vogel 1912, S. 95
Zitationshilfe
„Entsagung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Entsagung>, abgerufen am 20.11.2019.

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