Epistel, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Epistel · Nominativ Plural: Episteln
Aussprache 
Worttrennung Epis-tel (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›Epistel‹ als Erstglied: Epistelseite
Herkunft zu epistolḗgriech (ἐπιστολή) ‘Auftrag, Brief’ < epistélleingriech (ἐπιστέλλειν) ‘zusenden, beauftragen’
eWDG

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich (kunstvoller) längerer Brief
Beispiele:
eine lange, endlose, formvollendete, feierliche Epistel
jmdm. eine Epistel schreiben
eine Epistel verfassen
von Zeit zu Zeit schrieb er ihr eine überschwängliche Epistel
er, welcher der Mutter bogenlange Episteln bei jeder Trennung schrieb [ MusilDrei Frauen100]
2.
umgangssprachlich Strafpredigt
Beispiele:
eine Epistel über sich ergehen lassen
er hat mir gehörig die Epistel gelesen
3.
Religion Sendschreiben, Apostelbrief des Neuen Testaments
Beispiel:
die Epistel des Paulus an die Galater
sonntägliche Lesung aus den neutestamentlichen Briefen und der Apostelgeschichte
Beispiel:
Sie hören die Epistel des 5. Sonntags nach Trinitatis
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Epistel f. ‘Brief, Sendschreiben, neutestamentlicher Brief (als liturgischer Lesungstext)’ ahd. epistula ‘brieflicher Bericht’ (8. Jh.), mhd. epistole, mnd. epistel(e), Entlehnung von lat. epistula, griech. epistolḗ (ἐπιστολή) ‘Auftrag, Brief’, zu griech. epistéllein (ἐπιστέλλειν) ‘zusenden, beauftragen’; vgl. griech. stéllein (στέλλειν) ‘zum Reisen veranlassen, (ent)senden’ (s. Apostel) und s. epi-.

Thesaurus

Synonymgruppe
Ermahnungsrede · Moralpredigt · Schimpfkanonade · Strafrede  ●  Strafpredigt  Hauptform · Epistel  geh. · Exhorte  fachspr., veraltet, neulateinisch · Gardinenpredigt  ugs. · Leviten  ugs., Pluraletantum · Standpauke  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Brandrede · dramatische Warnung · flammende Anklage  ●  Philippika  geh.
  • (jemandem) die Leviten lesen · (jemandem) eine harte Rückmeldung geben · (jemandem) heimleuchten · ausschelten · ausschimpfen · ermahnen · rüffeln · rügen · scharf kritisieren · schelten · verwarnen · zur Ordnung rufen · zurechtweisen  ●  (jemandem etwas) ins Stammbuch schreiben  fig. · (jemandem) einen Verweis erteilen  Amtsdeutsch · tadeln  Hauptform · (jemandem) Bescheid stoßen  ugs. · (jemandem) aufs Dach steigen  ugs., fig. · (jemandem) den Arsch aufreißen  derb · (jemandem) den Kopf waschen  ugs., fig. · (jemandem) den Marsch blasen  ugs., veraltend · (jemandem) deutlich die Meinung sagen  ugs. · (jemandem) die Flötentöne beibringen  ugs., fig. · (jemandem) die Hammelbeine langziehen  ugs., fig. · (jemandem) die Meinung geigen  ugs. · (jemandem) die Schuhe aufpumpen  ugs., fig. · (jemandem) eine (deutliche) Ansage machen  ugs. · (jemandem) eine (dicke) Zigarre verpassen (möglicherweise veraltend)  ugs. · (jemandem) eins auf den Deckel geben  ugs. · (jemandem) zeigen, wo der Frosch die Locken hat  ugs., fig. · (jemandem) zeigen, wo der Hammer hängt  ugs., fig. · (jemandem) zeigen, wo es langgeht  ugs., fig. · (jemanden) Mores lehren  geh. · (jemanden) auf Linie bringen  ugs. · (jemanden) auf Vordermann bringen  ugs., fig. · (jemanden) frisch machen  ugs., fig. · (jemanden) lang machen  ugs. · (jemanden) zusammenfalten  ugs. · (sich jemanden) vorknöpfen  ugs. · abmahnen  fachspr., juristisch · admonieren  geh., veraltet · zurechtstutzen  ugs., fig. · zusammenstauchen  ugs., fig.
Synonymgruppe
Anschreiben · Schreiben · Zuschrift  ●  Brief  Hauptform · Epistel  geh., veraltet, bildungssprachlich · Liebesbrief  ugs., scherzhaft · Schrieb  ugs. · Wisch  derb
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Epistel‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Epistel‹.

Verwendungsbeispiele für ›Epistel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich schaute verwundert auf Brown, den Überbringer dieser seltsamen Epistel. [Keller, Paul: Ferien vom Ich, München: Bergstadtverl. Korn 1963 [1915], S. 118]
So nämlich unterschreibt Benn viele seiner Episteln an den „lieben Mor“. [Die Zeit, 14.05.1993, Nr. 20]
Dass es sich um eine fiktive Epistel handeln dürfte, legen schon die verwendeten Namen nahe. [C't, 2000, Nr. 8]
Doch sind die Briefe nichts weniger als bildungsgetragene literarische Episteln. [Die Zeit, 01.11.1996, Nr. 45]
Zu dem Zeitpunkt, an dem Dehler seine schwärmerische Epistel verfasst, nähern sich die Beratungen zwar ihrem Ende. [Die Zeit, 25.05.2009, Nr. 21]
Zitationshilfe
„Epistel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Epistel>.

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