Erbe, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Erbes · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungEr-be
Wortbildung mit ›Erbe‹ als Erstglied: ↗-erbig · ↗Erblasser · ↗Erbwesen · ↗erbbedingt · ↗erbeigen · ↗erblos2 · ↗erbmäßig
 ·  mit ›Erbe‹ als Letztglied: ↗Gesamterbe · ↗Kulturerbe · ↗Nationalerbe · ↗Naturerbe
eWDG, 1967

Bedeutung

das, was jmd. von einem Verstorbenen als Eigentum erhalten hat, Erbschaft
Beispiele:
das väterliche Erbe
sein Erbe antreten
auf sein Erbe verzichten
An Winterabenden, wenn draußen sein Erb und Eigen verschneit ruhte [Th. MannFaustus6,20]
übertragen das auf die Gegenwart Überkommene
Beispiele:
das Werk Goethes ist uns lebendiges, verpflichtendes geistiges Erbe
die zerstörten Städte waren das traurige, unselige Erbe des letzten Krieges
das kulturelle, literarische, wissenschaftliche Erbe schätzen, pflegen, erhalten
das klassische, humanistische, nationale Erbe in der Kunst
daß unsere Zeitschrift Mittler zu dem großen künstlerischen Erbe der Vergangenheit werden möge [Bild. Kunst1955]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Erbe1 · Erbe2 · erben · beerben · vererben · Erbfeind · Erblasser · erblich · Erbschaft · Erbschleicher · Erbsünde
Erbe1 n. ‘Hinterlassenschaft eines Verstorbenen’. Die neutrale ja-Bildung (germ. *arbja-) ahd. erbi (9. Jh.), mhd. erbe ‘Hinterlassenschaft, Vererbung, Erbschaft’, asächs. erƀi, mnd. erve, arve, mnl. erve, nl. erf, afries. erve, aengl. ierfe, anord. erfi ‘Leichenfeier’, got. arbi ist wie das die gleiche Stammbildung (ie. -i̯o-) und Semantik aufweisende air. orb(b)e, orpe ‘das Erbe’, auch ‘der Erbe’, verwandt mit aind. árbhaḥ ‘klein, jung, schwach, Kind’, armen. orb ‘Waise’, griech. orphanós (ὀρφανός) ‘verwaist’, lat. orbus ‘einer Sache beraubt, verwaist’, aslaw. rabъ ‘Knecht, Diener, Sklave’, aruss. robъ ‘Diener, Sklave’, robja ‘Kind’, russ. (mit Vokalassimilation) rebënok (ребёнок) ‘kleines Kind’ und führt mit diesen auf ie. *orbh- ‘verwaist, Waise’ bzw. (für die schutzlose, sich verdingende Waise) ‘Knecht’ (dazu wohl auch ↗Arbeit und ↗arm, s. d.). Ausgangsbedeutung ist für das Germ. und Kelt. ‘das einer Waise Gehörige’, also ‘einer Waise rechtlich zufallendes Besitztum’. Daneben als maskuliner (j)an-Stamm Erbe2 m. ‘wer berechtigt ist, ein Erbe anzunehmen’, ahd. erbo (8. Jh.), mhd. erbe, mnd. mnl. erve, aengl. ierfa, anord. arfi, got. arbja. erben Vb. ‘Erbe sein, eine Hinterlassenschaft erhalten’, ahd. (8. Jh.), mhd. erben, mnd. mnl. nl. erven, aengl. ierfian, anord. erfa (germ. *arbjan). beerben Vb. ‘jmds. Hinterlassenschaft erhalten’, mhd. beerben. vererben Vb. ‘als Erbschaft übertragen, hinterlassen’, mhd. vererben. Erbfeind m. ‘über Generationen hinweg verhaßter Gegner’, mhd. erbevīnt ‘Teufel’, dann übertragen auf die als Nachfahren des Teufels angesehenen heidnischen Türken (15. Jh.), später auf die Franzosen (16. Jh.); wohl in Anlehnung an Erbsünde (s. unten) gebildet. Erblasser m. ‘wer ein Erbe hinterläßt’ (15. Jh.); vgl. mhd. daʒ erbe lān ‘hinterlassen’. erblich Adj. ‘sich vererbend, durch Erbfolge bestimmt, durch Vererbung übertragbar’ (15. Jh.), ahd. arblīh ‘erblich, vererbt’ (10. Jh.), mhd. erbelīchen Adv. Erbschaft f. ‘hinterlassenes Gut’, mhd. erbschaft, auch ‘Erbfolge, Teilnahme am Erbe, Erbanspruch’. Erbschleicher m. ‘wer auf unmoralische Weise oder widerrechtlich in den Besitz eines Erbes zu gelangen sucht’ (Ende 17. Jh.), Übersetzung von gleichbed. lat. hērēdipeta (zu lat. hērēdium ‘Erbgut’ und petere ‘zu erreichen suchen, streben, bitten, sich bewerben’). Erbsünde f. nach christlichem Glauben die dem Menschen durch den biblischen Sündenfall angeborene Sündhaftigkeit, mhd. erbesünde. Zum Komplex vgl. Grønvik The Words for ‘heir’, ‘inheritance’ and ‘funeral feast’ in Early Germanic (1982).

Thesaurus

Synonymgruppe
Erbe · ↗Erbgut · ↗Erbschaft · ↗Hinterlassenschaft · ↗Legat · ↗Nachlass · ↗Vermächtnis  ●  ↗Erbteil  schweiz. · ↗Hypothek  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
Erbe · ↗Nachlassempfänger
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bewahrung Menschheit Pflege Vater antik antreten architektonisch ausschlagen baulich bewahren christlich geistig gemeinsam hinterlassen historisch humanistisch jüdisch kolonial kulturell legitim literarisch national pflegen preußisch rechtmäßig reich schwer verwalten väterlich zurückgeben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Erbe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diese neue alte Generation wird das Erbe von New Labour vorerst weitertragen.
Die Zeit, 16.05.2011, Nr. 20
Heute haben sie drei Töchter und drei Enkel, aber, wie die meisten Bauern, keinen Erben für den Hof.
Süddeutsche Zeitung, 17.12.2004
Deswegen tragen wir gemeinsam das Erbe der deutschen Geschichte, im Guten wie im Bösen.
Der Spiegel, 21.01.1985
Und als Erben für sein ganzes Vermögen setzte er die Armen ein.
Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 3
Sie forderte ihr Erbe von jedermann, der älter war als sie.
Koeppen, Wolfgang: Tauben im Gras. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1951], S. 29
Zitationshilfe
„Erbe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Erbe#1>, abgerufen am 22.11.2019.

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Erbe, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Erben · Nominativ Plural: Erben
Aussprache
WorttrennungEr-be
Wortbildung mit ›Erbe‹ als Erstglied: ↗Erbengemeinschaft · ↗Erbenhaftung · ↗Erbin · ↗erbenlos · ↗erblos1 · ↗erbunwürdig
 ·  mit ›Erbe‹ als Letztglied: ↗Haupterbe · ↗Universalerbe
eWDG, 1967

Bedeutung

jmd., der eine Erbschaft erwarten kann oder erhält
Beispiele:
der alleinige, natürliche, leibliche, gesetzliche, zukünftige Erbe
umgangssprachlich, scherzhaftdie lachenden, glücklichen Erben
jmdn. als seinen, zu seinem Erben einsetzen, zu seinem Erben machen
die Erben des Verstorbenen suchen, benachrichtigen
Erbe eines großen Vermögens, Grundstückes sein
der Bauer hatte keinen Erben (= Sohn)
Gönnt' alles seinem Erben, / Den Becher nicht zugleich [GoetheKönig in Thule]
Nachfahren
Grammatik: nur im Plural
Beispiel:
dieses Problem werden unsere Erben einmal lösen müssen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Erbe1 · Erbe2 · erben · beerben · vererben · Erbfeind · Erblasser · erblich · Erbschaft · Erbschleicher · Erbsünde
Erbe1 n. ‘Hinterlassenschaft eines Verstorbenen’. Die neutrale ja-Bildung (germ. *arbja-) ahd. erbi (9. Jh.), mhd. erbe ‘Hinterlassenschaft, Vererbung, Erbschaft’, asächs. erƀi, mnd. erve, arve, mnl. erve, nl. erf, afries. erve, aengl. ierfe, anord. erfi ‘Leichenfeier’, got. arbi ist wie das die gleiche Stammbildung (ie. -i̯o-) und Semantik aufweisende air. orb(b)e, orpe ‘das Erbe’, auch ‘der Erbe’, verwandt mit aind. árbhaḥ ‘klein, jung, schwach, Kind’, armen. orb ‘Waise’, griech. orphanós (ὀρφανός) ‘verwaist’, lat. orbus ‘einer Sache beraubt, verwaist’, aslaw. rabъ ‘Knecht, Diener, Sklave’, aruss. robъ ‘Diener, Sklave’, robja ‘Kind’, russ. (mit Vokalassimilation) rebënok (ребёнок) ‘kleines Kind’ und führt mit diesen auf ie. *orbh- ‘verwaist, Waise’ bzw. (für die schutzlose, sich verdingende Waise) ‘Knecht’ (dazu wohl auch ↗Arbeit und ↗arm, s. d.). Ausgangsbedeutung ist für das Germ. und Kelt. ‘das einer Waise Gehörige’, also ‘einer Waise rechtlich zufallendes Besitztum’. Daneben als maskuliner (j)an-Stamm Erbe2 m. ‘wer berechtigt ist, ein Erbe anzunehmen’, ahd. erbo (8. Jh.), mhd. erbe, mnd. mnl. erve, aengl. ierfa, anord. arfi, got. arbja. erben Vb. ‘Erbe sein, eine Hinterlassenschaft erhalten’, ahd. (8. Jh.), mhd. erben, mnd. mnl. nl. erven, aengl. ierfian, anord. erfa (germ. *arbjan). beerben Vb. ‘jmds. Hinterlassenschaft erhalten’, mhd. beerben. vererben Vb. ‘als Erbschaft übertragen, hinterlassen’, mhd. vererben. Erbfeind m. ‘über Generationen hinweg verhaßter Gegner’, mhd. erbevīnt ‘Teufel’, dann übertragen auf die als Nachfahren des Teufels angesehenen heidnischen Türken (15. Jh.), später auf die Franzosen (16. Jh.); wohl in Anlehnung an Erbsünde (s. unten) gebildet. Erblasser m. ‘wer ein Erbe hinterläßt’ (15. Jh.); vgl. mhd. daʒ erbe lān ‘hinterlassen’. erblich Adj. ‘sich vererbend, durch Erbfolge bestimmt, durch Vererbung übertragbar’ (15. Jh.), ahd. arblīh ‘erblich, vererbt’ (10. Jh.), mhd. erbelīchen Adv. Erbschaft f. ‘hinterlassenes Gut’, mhd. erbschaft, auch ‘Erbfolge, Teilnahme am Erbe, Erbanspruch’. Erbschleicher m. ‘wer auf unmoralische Weise oder widerrechtlich in den Besitz eines Erbes zu gelangen sucht’ (Ende 17. Jh.), Übersetzung von gleichbed. lat. hērēdipeta (zu lat. hērēdium ‘Erbgut’ und petere ‘zu erreichen suchen, streben, bitten, sich bewerben’). Erbsünde f. nach christlichem Glauben die dem Menschen durch den biblischen Sündenfall angeborene Sündhaftigkeit, mhd. erbesünde. Zum Komplex vgl. Grønvik The Words for ‘heir’, ‘inheritance’ and ‘funeral feast’ in Early Germanic (1982).

Thesaurus

Synonymgruppe
Erbe · ↗Erbgut · ↗Erbschaft · ↗Hinterlassenschaft · ↗Legat · ↗Nachlass · ↗Vermächtnis  ●  ↗Erbteil  schweiz. · ↗Hypothek  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
Erbe · ↗Nachlassempfänger
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bewahrung Menschheit Pflege Vater antik antreten architektonisch ausschlagen baulich bewahren christlich geistig gemeinsam hinterlassen historisch humanistisch jüdisch kolonial kulturell legitim literarisch national pflegen preußisch rechtmäßig reich schwer verwalten väterlich zurückgeben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Erbe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diese neue alte Generation wird das Erbe von New Labour vorerst weitertragen.
Die Zeit, 16.05.2011, Nr. 20
Heute haben sie drei Töchter und drei Enkel, aber, wie die meisten Bauern, keinen Erben für den Hof.
Süddeutsche Zeitung, 17.12.2004
Deswegen tragen wir gemeinsam das Erbe der deutschen Geschichte, im Guten wie im Bösen.
Der Spiegel, 21.01.1985
Und als Erben für sein ganzes Vermögen setzte er die Armen ein.
Schuder, Rosemarie: Agrippa und Das Schiff der Zufriedenen, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1987 [1977], S. 3
Sie forderte ihr Erbe von jedermann, der älter war als sie.
Koeppen, Wolfgang: Tauben im Gras. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1951], S. 29
Zitationshilfe
„Erbe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Erbe#2>, abgerufen am 22.11.2019.

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