Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Erbschaft, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Erbschaft · Nominativ Plural: Erbschaften
Aussprache 
Worttrennung Erb-schaft
Wortzerlegung Erbe1 -schaft
eWDG

Bedeutung

Erbe, Hinterlassenschaft
Beispiele:
eine Erbschaft antreten, annehmen, ausschlagen
sich in den Besitz einer Erbschaft bringen
abwertendsich [Dativ] eine Erbschaft erschleichen
er hat eine reiche Erbschaft gemacht (= hat viel geerbt)
wie oft ganze Bibliotheken aus Erbschaften noch ungenutzt in den Schränken stehen [ Tageszeitung1963]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Erbe1 · Erbe2 · erben · beerben · vererben · Erbfeind · Erblasser · erblich · Erbschaft · Erbschleicher · Erbsünde
Erbe1 n. ‘Hinterlassenschaft eines Verstorbenen’. Die neutrale ja-Bildung (germ. *arbja-) ahd. erbi (9. Jh.), mhd. erbe ‘Hinterlassenschaft, Vererbung, Erbschaft’, asächs. erƀi, mnd. erve, arve, mnl. erve, nl. erf, afries. erve, aengl. ierfe, anord. erfi ‘Leichenfeier’, got. arbi ist wie das die gleiche Stammbildung (ie. -i̯o-) und Semantik aufweisende air. orb(b)e, orpe ‘das Erbe’, auch ‘der Erbe’, verwandt mit aind. árbhaḥ ‘klein, jung, schwach, Kind’, armen. orb ‘Waise’, griech. orphanós (ὀρφανός) ‘verwaist’, lat. orbus ‘einer Sache beraubt, verwaist’, aslaw. rabъ ‘Knecht, Diener, Sklave’, aruss. robъ ‘Diener, Sklave’, robja ‘Kind’, russ. (mit Vokalassimilation) rebënok (ребёнок) ‘kleines Kind’ und führt mit diesen auf ie. *orbh- ‘verwaist, Waise’ bzw. (für die schutzlose, sich verdingende Waise) ‘Knecht’ (dazu wohl auch Arbeit und arm, s. d.). Ausgangsbedeutung ist für das Germ. und Kelt. ‘das einer Waise Gehörige’, also ‘einer Waise rechtlich zufallendes Besitztum’. – Daneben als maskuliner (j)an-Stamm Erbe2 m. ‘wer berechtigt ist, ein Erbe anzunehmen’, ahd. erbo (8. Jh.), mhd. erbe, mnd. mnl. erve, aengl. ierfa, anord. arfi, got. arbja. erben Vb. ‘Erbe sein, eine Hinterlassenschaft erhalten’, ahd. (8. Jh.), mhd. erben, mnd. mnl. nl. erven, aengl. ierfian, anord. erfa (germ. *arbjan). beerben Vb. ‘jmds. Hinterlassenschaft erhalten’, mhd. beerben. vererben Vb. ‘als Erbschaft übertragen, hinterlassen’, mhd. vererben. Erbfeind m. ‘über Generationen hinweg verhaßter Gegner’, mhd. erbevīnt ‘Teufel’, dann übertragen auf die als Nachfahren des Teufels angesehenen heidnischen Türken (15. Jh.), später auf die Franzosen (16. Jh.); wohl in Anlehnung an Erbsünde (s. unten) gebildet. Erblasser m. ‘wer ein Erbe hinterläßt’ (15. Jh.); vgl. mhd. daʒ erbe lān ‘hinterlassen’. erblich Adj. ‘sich vererbend, durch Erbfolge bestimmt, durch Vererbung übertragbar’ (15. Jh.), ahd. arblīh ‘erblich, vererbt’ (10. Jh.), mhd. erbelīchen Adv. Erbschaft f. ‘hinterlassenes Gut’, mhd. erbschaft, auch ‘Erbfolge, Teilnahme am Erbe, Erbanspruch’. Erbschleicher m. ‘wer auf unmoralische Weise oder widerrechtlich in den Besitz eines Erbes zu gelangen sucht’ (Ende 17. Jh.), Übersetzung von gleichbed. lat. hērēdipeta (zu lat. hērēdium ‘Erbgut’ und petere ‘zu erreichen suchen, streben, bitten, sich bewerben’). Erbsünde f. nach christlichem Glauben die dem Menschen durch den biblischen Sündenfall angeborene Sündhaftigkeit, mhd. erbesünde. Zum Komplex vgl. Grønvik The Words for ‘heir’, ‘inheritance’ and ‘funeral feast’ in Early Germanic (1982).

Thesaurus

Synonymgruppe
Erbe · Erbgut · Erbschaft · Hinterlassenschaft · Legat · Nachlass · Vermächtnis  ●  Erbteil  schweiz. · Hypothek  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Erbschaft‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Erbschaft‹.

Verwendungsbeispiele für ›Erbschaft‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Stelle hier in dem Brief ist etwas wie eine Erbschaft. [Kant, Hermann: Die Aula, Berlin: Rütten & Loening 1965, S. 156]
Dieser hatte solange gezögert einzugreifen, weil er hoffte, beide Gegner würden sich gegenseitig vernichten und er würde die Erbschaft antreten können. [Pflaum, Hans-Georg: Das römische Kaiserreich. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 20830]
Nach dem Testament bekam mein Mann zwei Teile der Erbschaft. [Friedländer, Hugo: Die Ermordung des Grafen Komarowski vor dem Schwurgericht zu Venedig. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 841]
Obsiegt diese Tendenz, wäre es die verhängnisvollste Erbschaft der Ära Kohl. [Die Zeit, 24.02.2000, Nr. 9]
Als ich vor nunmehr über sechs Jahren die Macht erhielt, übernahm ich eine trostlose Erbschaft. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1939]]
Zitationshilfe
„Erbschaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Erbschaft>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Erbschaden
Erbsbrei
Erbrütung
Erbrochene
Erbringung
Erbschaftsangelegenheit
Erbschaftsanspruch
Erbschaftsauseinandersetzung
Erbschaftsbesitzer
Erbschaftsklage