Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Ernüchterung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Ernüchterung · Nominativ Plural: Ernüchterungen
Aussprache  [ɛɐ̯ˈnʏçtəʀʊŋ]
Worttrennung Er-nüch-te-rung
eWDG

Bedeutung

entsprechend der Bedeutung von ernüchtern
Beispiele:
der Prozess der Ernüchterung
er erwachte in völliger Ernüchterung
übertragen
Beispiele:
auf die Begeisterung folgte die Ernüchterung
die Ernüchterung stellte sich auch bald ein
Verzweifelte Ernüchterung überkam ihn [ I. SeidelLabyrinth171]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nüchtern · Nüchternheit · ausnüchtern · Ausnüchterung · ernüchtern · Ernüchterung
nüchtern Adj. ‘nicht gegessen und getrunken habend, mit leerem Magen, nicht betrunken’, übertragen ‘besonnen, leidenschaftslos, phantasielos’, ahd. nuohturn (10./11. Jh.; dazu die Weiterbildung nuohturnīn, um 1000, z. B. in nuohturnīn sīn ‘sich einer Sache enthalten’), mhd. nüehtern, auch schon ‘nicht betrunken’, mnd. nöchteren, mnl. nuchteren, nuchterne, nl. nuchter sind entlehnt aus lat. nocturnus ‘nächtlich’ (zu lat. nox, Genitiv noctis, s. Nacht). Die vom Lat. abweichende Vokallänge erklärt sich durch Angleichung an die einheimischen Bezeichnungen für ‘Morgenfrühe, Dämmerung’ ahd. uohta (um 1000), mhd. uohte, uhte, nhd. (landschaftlich) Ucht, asächs. ūhta, mnd. uchte (verwandt mit Nacht). Es handelt sich wohl um ein in den Klöstern entstandenes Wort mit der Bedeutung ‘in der Morgendämmerung bestehend, frühmorgendlich, im Zustand des frühen Morgens befindlich’, d. h. ‘noch nichts gegessen und getrunken habend’, und zwar in der Zeit des der Nachtruhe folgenden Morgengottesdienstes vor Einnahme der Morgenmahlzeit. – Nüchternheit f. (Anfang 15. Jh.). ausnüchtern Vb. ‘sich vom Zustand der Trunkenheit erholen’ (17. Jh.); Ausnüchterung f. (Mitte 19. Jh.). ernüchtern Vb. ‘sich nach reichlichem Essen, von einem Rausch erholen’, mhd. ernüchtern, ‘jmdn. aus einer gesteigerten Stimmung herausreißen’ (18. Jh.); Ernüchterung f. (2. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Entmutigung · Enttäuschung · Ernüchterung  ●  Katzenjammer  fig. · lange Gesichter (bei)  fig. · Dämpfer  ugs. · Schlag ins Kontor  ugs. · kalte Dusche  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Ernüchterung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ernüchterung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Ernüchterung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nach den großen Versprechen der Sechziger folgte die große Ernüchterung. [Der Spiegel, 27.06.1994]
Einen Monat nachdem die Homepage erstmals online gegangen ist, schwindet der Reiz des Neuen; Ernüchterung macht sich breit. [C’t, 2001, Nr. 3]
Groß ist die Ernüchterung, und doch wird niemand die tektonischen Verschiebungen leugnen, die sich ereignet haben. [Die Zeit, 20.01.2000, Nr. 4]
Doch dann folgte radikale Ernüchterung, die tierexperimentellen Erfolge ließen sich partout nicht in die klinische Praxis umsetzen. [Die Zeit, 05.01.2000, Nr. 2]
In diese klischeehaft schöne Idylle aus 1001 Nacht platzt jedoch unverhofft eine Ernüchterung. [Die Zeit, 15.04.1999, Nr. 16]
Zitationshilfe
„Ernüchterung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ern%C3%BCchterung>.

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