Ernüchterung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Ernüchterung · Nominativ Plural: Ernüchterungen
Aussprache
WorttrennungEr-nüch-te-rung
eWDG, 1967

Bedeutung

entsprechend der Bedeutung von ernüchtern
Beispiele:
der Prozess der Ernüchterung
er erwachte in völliger Ernüchterung
übertragen
Beispiele:
auf die Begeisterung folgte die Ernüchterung
die Ernüchterung stellte sich auch bald ein
Verzweifelte Ernüchterung überkam ihn [I. SeidelLabyrinth171]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nüchtern · Nüchternheit · ausnüchtern · Ausnüchterung · ernüchtern · Ernüchterung
nüchtern Adj. ‘nicht gegessen und getrunken habend, mit leerem Magen, nicht betrunken’, übertragen ‘besonnen, leidenschaftslos, phantasielos’, ahd. nuohturn (10./11. Jh.; dazu die Weiterbildung nuohturnīn, um 1000, z. B. in nuohturnīn sīn ‘sich einer Sache enthalten’), mhd. nüehtern, auch schon ‘nicht betrunken’, mnd. nöchteren, mnl. nuchteren, nuchterne, nl. nuchter sind entlehnt aus lat. nocturnus ‘nächtlich’ (zu lat. nox, Genitiv noctis, s. ↗Nacht). Die vom Lat. abweichende Vokallänge erklärt sich durch Angleichung an die einheimischen Bezeichnungen für ‘Morgenfrühe, Dämmerung’ ahd. uohta (um 1000), mhd. uohte, uhte, nhd. (landschaftlich) Ucht, asächs. ūhta, mnd. uchte (verwandt mit Nacht). Es handelt sich wohl um ein in den Klöstern entstandenes Wort mit der Bedeutung ‘in der Morgendämmerung bestehend, frühmorgendlich, im Zustand des frühen Morgens befindlich’, d. h. ‘noch nichts gegessen und getrunken habend’, und zwar in der Zeit des der Nachtruhe folgenden Morgengottesdienstes vor Einnahme der Morgenmahlzeit. Nüchternheit f. (Anfang 15. Jh.). ausnüchtern Vb. ‘sich vom Zustand der Trunkenheit erholen’ (17. Jh.); Ausnüchterung f. (Mitte 19. Jh.). ernüchtern Vb. ‘sich nach reichlichem Essen, von einem Rausch erholen’, mhd. ernüchtern, ‘jmdn. aus einer gesteigerten Stimmung herausreißen’ (18. Jh.); Ernüchterung f. (2. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Entmutigung · ↗Enttäuschung · Ernüchterung  ●  ↗Katzenjammer  fig. · lange Gesichter (bei)  fig. · ↗Dämpfer  ugs. · Schlag ins Kontor  ugs. · kalte Dusche  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufbruch Begeisterung Desillusionierung Ekstase Enttäuschung Entzauberung Euphorie New Economy Phase Rausch Skepsis breitmachen eingetreten einkehren eintreten folgen gewiss heilsam herb herrschen jäh schmerzlich sorgen spürbar total umschlagen vorherrschen weichen ziemlich Überschwang

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ernüchterung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Weg von der Ernüchterung in die Depression wird immer kürzer.
Der Tagesspiegel, 20.08.2003
Dann kam Hand in Hand mit den zunehmenden wirtschaftlichen Problemen die große Ernüchterung.
Süddeutsche Zeitung, 04.03.1999
Nach den großen Versprechen der Sechziger folgte die große Ernüchterung.
Der Spiegel, 27.06.1994
Die apokalyptischen Erwartungen, die von J. A. Bengel ausgegangen waren, wichen bald der Ernüchterung.
Aronson, G.: Rußland. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 27878
Die Bluttat löste eine tiefe Ernüchterung aus, in der Öffentlichkeit wie bei den Revolutionären.
Laue, Theodor H. von: Rußland im 19. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 17396
Zitationshilfe
„Ernüchterung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ernüchterung>, abgerufen am 19.04.2019.

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