Ernst, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Ernstes · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Ernst‹ als Erstglied: ↗ernsthaft  ·  mit ›Ernst‹ als Letztglied: ↗Bierernst  ·  mit ›Ernst‹ als Grundform: ↗ernst
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Gesinnung, die mit Überlegung und Entschiedenheit und nicht mit oberflächlichem Scherz an die Dinge herangeht
Beispiele:
ist das dein Ernst?
das kann doch nicht dein Ernst sein!
es war bitterer, blutiger, feierlicher, heiliger, völliger, mein voller Ernst
ich sage dir das im Ernst
ich meine es im Ernst
jmd. spricht im grimmigen, tiefen, tödlichen Ernst, in allem Ernst
er sagte, meinte das allen Ernstes
er hatte den Scherz für Ernst genommen, gehalten
aus dem Spiel wurde plötzlich Ernst
jmdm. ist es Ernst mit etw.jmd. meint etw. ohne Scherz
Beispiele:
es war mir Ernst damit
ihm war es vollkommener Ernst mit den Versprechungen, mit der Drohung
jmd. macht mit etw. Ernstjmd. betreibt etw. entschieden, konsequent
Beispiel:
er machte Ernst mit seinen Plänen, Drohungen
mit etw. ist es, wird es Ernstetw. ist entschieden und wird durchgeführt
Beispiel:
es wird nun Ernst mit seinen Plänen
beharrlicher Eifer
Beispiele:
er geht mit Ernst an seine Arbeit
ihm fehlt der nötige Ernst
etw. mit dem nötigen Ernst betreiben
salopp etw. mit tierischem Ernst betreiben
sie bemühte sich mit größtem Ernst
2.
Gewichtigkeit
Beispiele:
jeder fühlte den Ernst der Stunde, der Entscheidungen
der Ernst seiner Worte, Ermahnungen beeindruckte alle
der Ernst des Lebens (= die rauhe Wirklichkeit)
3.
Bedrohlichkeit
Beispiele:
der Ernst der Lage, eines Zustandes
sie verkannte den Ernst der Situation
er erkannte den Ernst der Krankheit erst, als es zu spät war
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ernst · ernst · ernsthaft · ernstlich
Ernst m. ‘feste, standhafte Gesinnung, Strenge, Bedrohlichkeit’, ahd. (um 800), asächs. ernust, mhd. ern(e)st ‘Eifer, Entschlossenheit, Strenge, Kampf’, mnd. ērn(e)st, ērenst, mnl. er(e)nst, arenst, nl. ernst, afries. ernst, aengl. eornust, eornost, engl. earnest sind mit st-Suffix gebildete Abstrakta (westgerm. *ernust-) zum Adjektiv germ. *arni-, das in got. arniba Adv. ‘sicher’, anord. ern Adj. ‘tüchtig, energisch’ erhalten ist. Sie bezeichnen daher eigentlich ‘was mit der Eigenschaft “sicher, entschieden” verbunden ist’, d. h. ‘entschiedenes Auftreten, Kampfeseifer’; vgl. Krahe in: PBB 71 (1949) 238 (s. auch ähnlich gebildetes ↗Angst). Als verwandt läßt sich außerhalb des Germ. awest. arənav- ‘(Wett)kampf’ vergleichen, so daß Anschluß an die Wurzel ie. *er- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’ (s. ↗rinnen, ↗rennen) möglich ist. ernst Adj. ‘von Ernst erfüllt, nicht heiter, bedrohlich’, mhd. ernest, aus dem Substantiv entstanden nach Wendungen wie ahd. ist mir ernust, nhd. es ist mir Ernst. ernsthaft Adj. ‘eindringlich, gewichtig, aufrichtig’, ahd. ernusthaft(i) ‘tüchtig, vor Eifer glühend, fest’ (9. Jh.), mhd. ernesthaft ‘kampfbereit, mutig, ernst’. ernstlich Adj. ‘nachdrücklich, aufrichtig, bedrohlich’, ahd. ernustlīh ‘vor Eifer glühend, echt, aufrichtig, eindringlich’ (9. Jh.), mhd. ern(e)stlich ‘wohlgerüstet, streitbar, wahrhaft’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Ernst · ↗Ernsthaftigkeit · ↗Humorlosigkeit
Oberbegriffe
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Eifer Heiterkeit Ironie Komik Lage Leben Orden Scherz Spaß Witz begreifen bitter blutig erkennen existentiell feierlich geboten gebührend heilig lieb liebend nötig sittlich tief tierisch tödlich verbissen verdeutlichen verkennen voll

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ernst‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das wollen Sie doch nicht im Ernst für die letzten Jahre behaupten!
Die Zeit, 06.07.2009, Nr. 27
Otto de Kat seinerseits ist nicht frei von kalvinistischem Ernst.
Süddeutsche Zeitung, 05.01.2004
Andererseits soll sie, selbst wenn sie hübsch ist, sich des Ernstes ihrer Arbeit bewußt sein.
Martin, Hans: Darf ich mir erlauben ...?, Stuttgart: Hädecke 1935, S. 26
Der Vater drückte mir die Hand, mit wärmerem Ernst als sonst.
Bergg, Franz: Ein Proletarierleben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 8664
Doch in allem Wirbel meiner Freude mußte ich auch an ein Ernstes denken.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 24311
Zitationshilfe
„Ernst“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ernst>, abgerufen am 23.10.2019.

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