Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Ernst, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Ernst(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Ernst‹ als Erstglied: ernsthaft  ·  mit ›Ernst‹ als Letztglied: Bierernst · Unernst  ·  mit ›Ernst‹ als Grundform: ernst
Mehrwortausdrücke  allen Ernstes · der Ernst des Lebens
eWDG

Bedeutungen

1.
Gesinnung, die mit Überlegung und Entschiedenheit und nicht mit oberflächlichem Scherz an die Dinge herangeht
Beispiele:
ist das dein Ernst?
das kann doch nicht dein Ernst sein!
es war bitterer, blutiger, feierlicher, heiliger, völliger, mein voller Ernst
ich sage dir das im Ernst
ich meine es im Ernst
jmd. spricht im grimmigen, tiefen, tödlichen Ernst, in allem Ernst
er sagte, meinte das allen Ernstes
er hatte den Scherz für Ernst genommen, gehalten
aus dem Spiel wurde plötzlich Ernst
jmdm. ist es Ernst mit etw.jmd. meint etw. ohne Scherz
Beispiele:
es war mir Ernst damit
ihm war es vollkommener Ernst mit den Versprechungen, mit der Drohung
jmd. macht mit etw. Ernstjmd. betreibt etw. entschieden, konsequent
Beispiel:
er machte Ernst mit seinen Plänen, Drohungen
mit etw. ist es, wird es Ernstetw. ist entschieden und wird durchgeführt
Beispiel:
es wird nun Ernst mit seinen Plänen
beharrlicher Eifer
Beispiele:
er geht mit Ernst an seine Arbeit
ihm fehlt der nötige Ernst
etw. mit dem nötigen Ernst betreiben
saloppetw. mit tierischem Ernst betreiben
sie bemühte sich mit größtem Ernst
2.
Gewichtigkeit
Beispiele:
jeder fühlte den Ernst der Stunde, der Entscheidungen
der Ernst seiner Worte, Ermahnungen beeindruckte alle
der Ernst des Lebens (= die rauhe Wirklichkeit)
3.
Bedrohlichkeit
Beispiele:
der Ernst der Lage, eines Zustandes
sie verkannte den Ernst der Situation
er erkannte den Ernst der Krankheit erst, als es zu spät war
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ernst · ernst · ernsthaft · ernstlich
Ernst m. ‘feste, standhafte Gesinnung, Strenge, Bedrohlichkeit’, ahd. (um 800), asächs. ernust, mhd. ern(e)st ‘Eifer, Entschlossenheit, Strenge, Kampf’, mnd. ērn(e)st, ērenst, mnl. er(e)nst, arenst, nl. ernst, afries. ernst, aengl. eornust, eornost, engl. earnest sind mit st-Suffix gebildete Abstrakta (westgerm. *ernust-) zum Adjektiv germ. *arni-, das in got. arniba Adv. ‘sicher’, anord. ern Adj. ‘tüchtig, energisch’ erhalten ist. Sie bezeichnen daher eigentlich ‘was mit der Eigenschaft “sicher, entschieden” verbunden ist’, d. h. ‘entschiedenes Auftreten, Kampfeseifer’; vgl. Krahe in: PBB 71 (1949) 238 (s. auch ähnlich gebildetes Angst). Als verwandt läßt sich außerhalb des Germ. awest. arənav- ‘(Wett)kampf’ vergleichen, so daß Anschluß an die Wurzel ie. *er- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’ (s. rinnen, rennen) möglich ist. – ernst Adj. ‘von Ernst erfüllt, nicht heiter, bedrohlich’, mhd. ernest, aus dem Substantiv entstanden nach Wendungen wie ahd. ist mir ernust, nhd. es ist mir Ernst. ernsthaft Adj. ‘eindringlich, gewichtig, aufrichtig’, ahd. ernusthaft(i) ‘tüchtig, vor Eifer glühend, fest’ (9. Jh.), mhd. ernesthaft ‘kampfbereit, mutig, ernst’. ernstlich Adj. ‘nachdrücklich, aufrichtig, bedrohlich’, ahd. ernustlīh ‘vor Eifer glühend, echt, aufrichtig, eindringlich’ (9. Jh.), mhd. ern(e)stlich ‘wohlgerüstet, streitbar, wahrhaft’.

Thesaurus

Typische Verbindungen zu ›Ernst‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ernst‹.

Verwendungsbeispiele für ›Ernst‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Andererseits soll sie, selbst wenn sie hübsch ist, sich des Ernstes ihrer Arbeit bewußt sein. [Martin, Hans: Darf ich mir erlauben …?, Stuttgart: Hädecke 1935, S. 26]
Sobald man mit der Sprache spielt, fängt der Ernst an. [Reimann, Hans: Vergnügliches Handbuch der Deutschen Sprache, Düsseldorf: Econ-Verl. 1964 [1931], S. 12]
In Wirklichkeit liegt seinen dramatischen Absichten ein tiefer Ernst zugrunde. [Hanley, Edwin: Scarlatti. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1963], S. 935]
Ich konnte doch nicht im Ernst aussehen wie Chers Mutter. [Die Zeit, 03.02.2000, Nr. 6]
Hier versucht er in gespieltem Ernst, das befremdliche Schicksal eben dieser vierzehn Schwestern, die allesamt unverheiratet geblieben sind, zu ergründen. [konkret, 1997]
Zitationshilfe
„Ernst“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ernst>.

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