Erscheinung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Erscheinung · Nominativ Plural: Erscheinungen
Aussprache
WorttrennungEr-schei-nung (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Erscheinung‹ als Erstglied: ↗Erscheinungsbild · ↗Erscheinungsfest · ↗Erscheinungsform · ↗Erscheinungsjahr · ↗Erscheinungslehre · ↗Erscheinungsort · ↗Erscheinungsweise · ↗Erscheinungswelt
 ·  mit ›Erscheinung‹ als Letztglied: ↗Abbauerscheinung · ↗Abnutzungserscheinung · ↗Alltagserscheinung · ↗Alterserscheinung · ↗Alterungserscheinung · ↗Auflösungserscheinung · ↗Ausfallerscheinung · ↗Ausfallserscheinung · ↗Ausnahmeerscheinung · ↗Begleiterscheinung · ↗Dauererscheinung · ↗Degenerationserscheinung · ↗Doppelerscheinung · ↗Einzelerscheinung · ↗Entartungserscheinung · ↗Ermüdungserscheinung · ↗Folgeerscheinung · ↗Fäulniserscheinung · ↗Geistererscheinung · ↗Gesamterscheinung · ↗Konjunkturerscheinung · ↗Krankheitserscheinung · ↗Krisenerscheinung · ↗Kulturerscheinung · ↗Leuchterscheinung · ↗Lichterscheinung · ↗Lähmungserscheinung · ↗Mangelerscheinung · ↗Massenerscheinung · ↗Modeerscheinung · ↗Nachkriegserscheinung · ↗Naturerscheinung · ↗Nebenerscheinung · ↗Neuerscheinung · ↗Niedergangserscheinung · ↗Parallelerscheinung · ↗Pubertätserscheinung · ↗Randerscheinung · ↗Reflexerscheinung · ↗Spracherscheinung · ↗Störungserscheinung · ↗Tageserscheinung · ↗Verfallserscheinung · ↗Vergiftungserscheinung · ↗Zeiterscheinung · ↗Zersetzungserscheinung · ↗Zivilisationserscheinung · ↗Übergangserscheinung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
das Wahrnehmbare
a)
von jmdm. wahrgenommener Vorgang
Beispiele:
eine Erscheinung in der Natur beobachten
das Abendrot, Gewitter war eine eindrucksvolle Erscheinung
eine analoge, verwandte Erscheinung
eine alarmierende, bedrohliche Erscheinung
es ist eine bekannte Erscheinung, dass ...
bei jmdm. krankhafte, anomale, psychische Erscheinungen feststellen
das ist eine völlig normale Erscheinung in der Biologie, Physik
dieselben Erscheinungen müssten sich unter gleichen Bedingungen wiederholen
die kurzlebigen Erscheinungen dieser Welt [O. M. GrafUnruhe376]
in Erscheinung tretensichtbar werden, erscheinen
Beispiele:
es sind Fehler in Erscheinung getreten
damit die Gerechtigkeit ... ganz ohne Makel zur Erscheinung komme [Ric. HuchConfalonieri144]
veraltet in die Erscheinung treten
b)
Philosophie alles in Raum und Zeit Befindliche, Wahrnehmbare
Beispiele:
die Natur und ihre Erscheinungen
gesellschaftliche Erscheinungen
α)
Marxismus die wahrnehmbaren äußeren Eigenschaften der Dinge und Prozesse, die durch die Anschauung, Erfahrung gegeben sind und von denen aus man zum Wesen vordringen kann
Beispiele:
Wesen und Erscheinung
das metaphysische Denken reißt Wesen und Erscheinung auseinander
β)
Philosophie die erkennbaren äußeren Eigenschaften der Dinge und Prozesse, die durch die Anschauung, Erfahrung gegeben sind, die aber keine Rückschlüsse auf das Wesen der Dinge, das unerkennbar ist, zulassen (nach Kant)
Beispiel:
die Erscheinung und das Ding an sich
2.
äußere Gestalt, Mensch
Beispiele:
er ist eine imposante, sympathische, angenehme, anziehende Erscheinung
sie war eine ungewöhnliche, fremdartige Erscheinung
eine stille, ruhige, schlichte Erscheinung
er ist eine Erscheinung! (= sieht gut aus!)
in seiner äußeren Erscheinung (= in seinem Äußeren) ist er ein ansehnlicher Mensch
sich [Dativ] jmds. Erscheinung ins Gedächtnis rufen
Sie war, wie alle Krögers, eine äußerst elegante Erscheinung [Th. MannBuddenbrooks1,7]
Die Büttnerschen Töchter zeigten sich sehr verschieden in der Erscheinung [PolenzBüttnerbauer1,19]
3.
Vision, Halluzination
Beispiele:
eine Erscheinung geht um
jmdm. wie einer Erscheinung nachstarren
dieses Kind sieht eine Dame, welche es durchaus für keine Erscheinung hält ... sondern für eine wirklich menschliche Person von Fleisch und Blut [WerfelBernadette417]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheinen · erscheinen · Erscheinung · wahrscheinlich · anscheinend · anscheinen · Schein · bescheinigen · Bescheinigung · scheinbar · unscheinbar · scheinheilig · scheintot · Scheintod · Scheinwerfer
scheinen Vb. ‘leuchten, glänzen’, übertragen ‘aussehen als ob, zu Vermutungen Anlaß geben’. Das mit Nasalformans gebildete gemeingerm. Verb ahd. skīnan (8. Jh.), mhd. schīnen ‘strahlen, glänzen, leuchten, erscheinen, sichtbar werden, dem Schein nach (aber nicht in Wirklichkeit) sein’, asächs. skīnan, mnd. schīnen, mnl. scīnen, nl. schijnen, afries. skīna, aengl. scīnan, engl. to shine, anord. skīna, schwed. skina, got. skeinan (verwandt mit ↗Schemen, ↗schier, ↗schimmern, s. d.) führen auf germ. *skīnan und stellen sich (wie Schein, s. unten) mit aind. chāyā́ ‘Schatten, Widerschein’, griech. skiá (σκιά) ‘Schatten’, aslaw. sěnь, russ. sen’ (сень) ‘Schatten’, aslaw. sịjati, russ. siját’ (сиять) ‘strahlen, glänzen’ zu einer Wurzel ie. *sk̑āi-, *sk̑i- ‘gedämpft schimmern, Schatten’. scheinen bezeichnet anfangs vor allem das Leuchten der Himmelskörper, steht dann (bereits ahd.) für ‘zum Vorschein kommen, sichtbar werden’ (im Nhd. dafür erscheinen, s. unten). Aus der Wendung mir scheint, mhd. eʒ schīnet mir ‘mich dünkt’ und aus Vergleichen ‘aussehen wie etw. (ohne Übereinstimmung mit der Wirklichkeit)’ entwickelt sich der moderne Gebrauch ‘den Eindruck erwecken, zur Vermutung Anlaß geben’. erscheinen Vb. ‘zum Vorschein kommen, sichtbar werden, hervortreten, veröffentlicht werden’, ahd. irskīnan ‘offenbar werden, sich zeigen, leuchten’ (um 800), mhd. (stark) erschīnen, daneben (schwach und kausativ) erscheinen ‘leuchten lassen, deutlich machen, zeigen’; Erscheinung f. ‘Aussehen, Aufmachung, Vision, Gespenst, Veröffentlichung, Wahrnehmung’, spätmhd. erschīnunge. wahrscheinlich Adj. ‘vermutlich’ (17. Jh.), nach nl. waarschijnlijk, einer Übersetzung von frz. vraisemblable, das seinerseits dem lat. vērī similis nachgebildet ist, wofür im Dt. zuvor der Wahrheit gleich, wahrähnlich (16. Jh.), der Wahrheit ähnlich (17. Jh.). anscheinend Adv. ‘offenbar, offensichtlich’ (18. Jh.), eigentlich Part. Präs. zu anscheinen Vb. ‘beleuchten, -strahlen’, älter ‘sichtbar werden, sich zeigen’, ahd. anaskīnan (um 1000), mhd. aneschīnen ‘bescheinen, beleuchten, sichtbar sein bzw. werden’. Schein m. ‘Lichtstrahl, Glanz, Schimmer, äußeres Aussehen, Trugbild, schriftlicher Nachweis, Bestätigung, Banknote’, ahd. skīn (9. Jh.), mhd. schīn ‘Strahl, Glanz, Helligkeit, Sichtbarkeit, sichtbarer Beweis’, woraus ‘schriftlicher Beweis, Urkunde, Dokument, schriftliche Bestätigung’ (15. Jh.), asächs. skīn ‘Licht, Glanz’, mnd. schīn, mnl. scijn, nl. schijn, aengl. scīn, engl. shine, (ablautend) anord. skin, schwed. sken. bescheinigen Vb. ‘(durch eine schriftliche Bestätigung) bezeugen’ (18. Jh.), ‘(mit Hilfe von Schriftstücken) beweisen’, mnd. beschēnigen (14. Jh.), niederrhein. bescheinigen (15. Jh.), seit dem 16. Jh. geläufig; Bescheinigung f. ‘Nachweis, Beweis’ (16. Jh.), ‘schriftliche Bestätigung’ (18. Jh.). scheinbar Adj. ‘nicht wirklich, nur vorgetäuscht’, ahd. skīnbāri ‘glänzend, leuchtend, offenbar, sichtbar’ (um 1000), mhd. schīnbære. unscheinbar Adj. ‘unauffällig’, eigentlich ‘nicht glänzend’ (15. Jh.). scheinheilig Adj. ‘sich heilig stellend, Aufrichtigkeit oder Frömmigkeit vortäuschend, heuchlerisch’ (um 1580), nl. schijnheilig (1557), nach die scheynenden heilgen (Luther 1518). scheintot Adj. ‘nur dem Schein nach, nicht wirklich tot’, Scheintod m. ‘Zustand, in dem alle Lebensäußerungen aufgehört zu haben scheinen’ (beide 19. Jh.). Scheinwerfer m. ‘einen gebündelten Lichtstrahl aussendende Lichtquelle’ (Campe 1791 für frz. réverbère ‘Reflektor, Hohlspiegel’).

Thesaurus

Synonymgruppe
Anschein · ↗Aussehen · Erscheinung · ↗Erscheinungsbild · ↗Look · ↗Oberfläche · ↗Schein · Äußeres · äußere Erscheinung  ●  Apparenz  geh., lat.
Assoziationen
Synonymgruppe
Artefakt · ↗Chimäre · ↗Einbildung · Erscheinung · ↗Phantasmagorie · ↗Phantom · ↗Schimäre · ↗Sinnestäuschung · ↗Trugbild  ●  ↗Hirngespinst  ugs.
Assoziationen
Psychologie
Synonymgruppe
Einbildung · Erscheinung · ↗Geisterbild · ↗Halluzination · ↗Illusion · ↗Offenbarung · ↗Phantom · ↗Selbsttäuschung · ↗Sinnestäuschung · ↗Trugbild · ↗Täuschung · ↗Vision · ↗Wahnbild · ↗Wahnvorstellung  ●  ↗Fata Morgana  fig. · ↗Gesicht (oft Plural: Gesichte)  veraltet · ↗Hirngespinst  abwertend · Butterland  fachspr., Jargon, seemännisch · Hallu (meist Plural: Hallus)  ugs. · reizunabhängige Sinneswahrnehmung  fachspr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • optische Täuschung · visuelle Illusion
Assoziationen
Synonymgruppe
Erscheinung · ↗Gegebenheit · ↗Phänomen
Unterbegriffe
Synonymgruppe
(geisterhafte) Erscheinung · (unheimliche) Erscheinung · ↗Geistererscheinung · Gespenstererscheinung · ↗Spuk
Assoziationen
Synonymgruppe
Erscheinung · ↗Sichtbarkeit · Visibilität
Assoziationen
  • entdecken · ↗erspähen
  • Auffindbarkeit · Findbarkeit · Möglichkeit, gefunden zu werden
Synonymgruppe
Aussehen · Erscheinung · ↗Erscheinungsbild · ↗Figur · ↗Gestalt
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Fülle Wesen alltäglich auffallend auffällig bloß einmalig elegant erfreulich flüchtig gepflegt geschichtlich imposant krankhaft krisenhaft körperlich markant merkwürdig natürlich negativ physisch seltsam singulär sinnlich stattlich treten typisch ungewöhnlich vorübergehend äußer

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Erscheinung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In die Arbeit am Klang investiert er dabei übrigens nur rund ein Drittel seiner Zeit, weitaus länger feilt er an der optischen Erscheinung.
Die Zeit, 28.12.2009, Nr. 52
Aber es gibt Erscheinungen, bei denen sich das Wort »von gestern« geradezu aufdrängt.
Tucholsky, Kurt: Kabarett zum Hakenkreuz. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1930]
Aber zugleich wird unablässig nach dem genauem Organ dieser Erscheinung geforscht.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 24594
Die Dinge an sich sind nicht räumlich, als Erscheinungen des äußeren Sinnes aber sind alle Dinge räumlich.
Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe - R. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1904], S. 15298
So wird die Erscheinung doch wohl anders erklärt werden müssen.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. I,2. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1884], S. 19270
Zitationshilfe
„Erscheinung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Erscheinung>, abgerufen am 23.04.2019.

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