Eskapismus, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Eskapismus · Nominativ Plural: Eskapismen · wird selten im Plural verwendet
Aussprache  [ɛskaˈpɪsmʊs]
Worttrennung Es-ka-pis-mus
Wortbildung  formal verwandt mit: eskapistisch
Herkunft gleichbedeutend escapismengl
DWDS-Vollartikel

Bedeutung

bildungssprachlich, gelegentlich abwertend Zerstreuung suchendes Verhalten, Rückzug ins Private oder in die Natur oder das Imaginieren einer anderen Welt mit dem Zweck, die Beschäftigung mit der (unangenehmen) Realität zu vermeiden
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: bloßer, purer, reiner, romantischer Eskapismus
als Dativobjekt: dem Eskapismus frönen
in Präpositionalgruppe/-objekt: ein Hang zum Eskapismus
als Genitivattribut: eine Form des Eskapismus
Beispiele:
Ich denke, die große Gefahr bei diesen Fantasien über die Kolonisierung anderer Planeten besteht darin, dass dies eine Art Flucht, ein Eskapismus ist, um sich davor zu drücken, die Probleme auf der Erde zu lösen. [Welt am Sonntag, 21.10.2018]
Ein Extrembeispiel für Eskapismus ist das Oktoberfest. Da fährt man Geisterbahn und ist weit weg von allem, was den Alltag sonst ausmacht. [Münchner Merkur, 01.07.2017]
Wer von Eskapismus spricht, erhebt einen Vorwurf. Unter Eskapismus fallen der größte Teil der zeitgenössischen gegenständlichen Malerei, langsame Musik mit zu vielen einfachen Dreiklängen, Romane, die von der Liebe handeln und glücklich ausgehen. Wer sich dem Eskapismus ergibt, sagt der Vorwurf, der stellt sich nicht den Forderungen des wirklichen Lebens, sondern weicht aus – in den Traum, die Phantasie oder den Rausch. [Süddeutsche Zeitung, 16.02.2012]
Vielleicht sind die Zeiten wirklich zu bedrückend, die Krisen und Kriege zu viele – Eskapismus, der Wunsch nach Rückzug in private oder imaginäre Räume ist die naheliegende Reaktion. [Süddeutsche Zeitung, 11.10.2014]
Er [der Autor] verteidigte die Fantasy‑Literatur, die in Deutschland einen schlechten Ruf habe. Dem Vorwurf, es handele sich dabei um reinen Eskapismus, also um Wirklichkeitsflucht, sei zu erwidern: »Jede Art von Literatur ist Eskapismus.« Man lese, um in eine andere Welt abzutauchen, und dann erfrischt in der Realität wieder anzukommen. [Badische Zeitung, 30.11.2012]
Im begeisterten Hinausgehen in die freie Natur liegt die Gefahr eines Eskapismus, der politisch blind machen kann[…]. [Die Zeit, 07.02.1997]
In der Redaktion habe ich allerdings erst mal Glühweintrinkerei, Duftkerzenabfackelei, Rentierreiten und andere vorweihnachtliche Eskapismen unter schwere Sanktionen gestellt. [Süddeutsche Zeitung, 06.12.2004] ungewöhnl. Pl.

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Oberbegriffe
  • Durchbrennen · Entkommen · Fliehen · Flucht  ●  Abhauen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Eskapismus‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Eskapismus‹.

Zitationshilfe
„Eskapismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Eskapismus>.

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