Essenz, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Essenz · Nominativ Plural: Essenzen
Aussprache
WorttrennungEs-senz (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Essenz‹ als Erstglied: ↗Essenzfabrik · ↗Essenzfläschchen · ↗essentiell · ↗essenziell
 ·  mit ›Essenz‹ als Letztglied: ↗Essigessenz · ↗Liköressenz · ↗Orangenessenz · ↗Quintessenz · ↗Rosenessenz · ↗Vanilleessenz · ↗Zitronenessenz
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
als Extrakt aus Naturprodukten gewonnener oder synthetisch hergestellter hochkonzentrierter Geruchsstoff oder Geschmacksstoff
Beispiele:
ein Fläschchen mit einer duftenden, wohlriechenden, starkriechenden Essenz
bei der Herstellung von Limonaden, Puddingpulvern natürliche, künstliche Essenzen verwenden
bildlich
Beispiel:
[Symbole] in denen ich die Essenz des Daseins ... auf der Zunge zu schmecken glaubte [LanggässerArgonautenfahrt179]
2.
gehoben wesentlichster Teil, Kernstück
Beispiele:
diese Frage ist, bildet die Essenz des ganzen Problems
Denn immer war die Essenz der Demokratie jener gute Pragmatismus [Th. Mann11,478]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Essenz · essentiell · Quintessenz
Essenz f. ‘Wesen, konzentrierte Lösung aus organischen Stoffen’. Spätmhd. essenzie ‘Wesen, Wesenheit’ wird aus lat. essentia ‘das Sein, Seiende, Wesen, Substanz’ entlehnt, einer Ableitung von einem nicht üblichen Part. Präs. *essēns (Genitiv *essentis) zu lat. esse ‘sein’, die gleichbed. griech. ūsía (οὐσία), Abstraktbildung zu griech. ṓn, Fem. ū́sa (ὤν, οὖσα) ‘seiend’, wiedergibt. Essenz bzw. essentia begegnet zunächst als Ausdruck der Philosophie und Theologie, wird dann in die Sprache der Alchimisten (‘konzentrierte Lösung’) und von dort in die Chemie übernommen. essentiell Adj. ‘wesentlich’ (17. Jh., älter essentialisch, 16. Jh.), nach frz. essentiel bzw. spätlat. essentiālis. Quintessenz f. ‘Wesen, Kern, Auszug’, im 16. Jh. entlehnt aus spätlat. bzw. mlat. quinta essentia ‘das fünfte Seiende’, das griech. pémptē ūsía (πέμπτη οὐσία) übersetzt, worunter die Pythagoreer den ‘feinsten Luft-, Ätherstoff’ verstehen, den Aristoteles als neues, fünftes Element den vier sichtbaren Elementen hinzufügt. Im Mittelalter bezeichnet es in Philosophie und Naturlehre ‘die fünfmal ausgezogene Kraft eines Stoffes’ und wird vom 16. Jh. an als ‘feinste Kraft, Grund-, Kernstoff, Auszug’ in Alchimie und Biologie verwendet. Übertragene Bedeutung ‘geistiger (Grund)stoff’ setzt daneben im 17. Jh. ein und verhilft dem Ausdruck zur Verbreitung als Modewort des 18. Jhs. für ‘das Eigentliche, Wesenhafte, Ergebnis’. Verdeutschungsversuche (funfftwesen 15. Jh., Fünftelsaft Bürger 1773) können sich nicht durchsetzen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(das) Eigentliche · (das) Wesentliche · Essenz · ↗Grundgedanke · Hauptgehalt · ↗Hauptsache · ↗Kerngedanke · ↗Kernstück · ↗Knackpunkt · ↗Quiddität · ↗Substanz · ↗Wesen · zentraler Inhalt  ●  (das) hüpfende Komma  ironisch · (der) Casus knacktus  ugs., salopp · (der) Casus knaxus  ugs., salopp · (der) springende Punkt  ugs. · das A und O  ugs.
Antonyme
  • Essenz
Synonymgruppe
(das) Wesentliche · ↗Grundaussage · ↗Grundidee · ↗Hauptaussage · ↗Hauptgedanke · ↗Kernaussage · ↗Kerngehalt · ↗Kerninhalt · ↗Substanz · wesentlicher Inhalt · wichtigste Aussage · zentrale Aussage  ●  Essenz  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
Essenz  fig. · ↗Extrakt  fig. · ↗Kondensat  fig. · ↗Konzentrat  fig.
Synonymgruppe
Absud · ↗Aufguss · ↗Auszug · ↗Dekokt · ↗Destillat · Essenz · ↗Extrakt · ↗Infus · ↗Konzentrat · ↗Mazerat · ↗Perkolat · ↗Sud · ↗Tinktur
Unterbegriffe
  • Ayahuasca · Cipó · Daime · Hoasca · Natem · Yagé · Yajé

Typische Verbindungen
computergeneriert

Blues Buddhismus Duft Essenz Extrakt Gewürz Grundstoff Kraut Lebenswerk Menschliche Parfum Parfüm Pulver Rockmusik Schaffen Tinktur aromatisch destillieren duftend einfangen filtern herausdestillieren hochkonzentriert kostbar pur spirituell verdichten wohlriechend Ölen ätherisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Essenz‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Film ist seiner Essenz nach epischer Art, und Spannung in ihm kommt erst in letzter Linie durch krasse Ereignisse zustande.
Süddeutsche Zeitung, 03.04.2004
Doch an der Essenz der bläßlichen Handlung, die hier um den lange verschütteten vierten Akt bereichert ist, hat Bart nichts geändert.
Der Tagesspiegel, 30.03.1998
Die Essenzen des Lebens haben sich aus den Dingen zurückgezogen wie im Winter die Säfte aus den Bäumen.
Freyer, Hans: Gesellschaft und Kultur. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 24678
Rudi Knebel brachte aus dem väterlichen Laden eine patentierte Essenz mit.
Spoerl, Heinrich: Die Feuerzangenbowle, München: Piper o.J. [1933], S. 155
Ihr bedeutet das nichts, oder höchstens einen planmäßigen Zuwachs an Essenz.
Riedel, Susanne: Eine Frau aus Amerika, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 8
Zitationshilfe
„Essenz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Essenz>, abgerufen am 16.11.2018.

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