Ethnologie, die
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Ethnologie · Nominativ Plural: Ethnologien
Aussprache
WorttrennungEth-no-lo-gie (computergeneriert)
HerkunftGriechisch
Wortzerlegungethno--logie
Wortbildung mit ›Ethnologie‹ als Letztglied: ↗Religionsethnologie
Duden GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
allgemeine (vergleichende) Völkerkunde, in der die Ergebnisse der Ethnographie miteinander verglichen werden
2.
Wissenschaft, die sich mit Sozialstruktur und Kultur der (primitiven) Gesellschaften beschäftigt
3.
in den USA betriebene Wissenschaft, die sich mit Sozialstruktur und Kultur aller Gesellschaften beschäftigt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ethnisch · Ethnographie · ethnographisch · Ethnologie · ethnologisch
ethnisch Adj. ‘zu einer durch historisch-kulturelle Gemeinsamkeiten verbundenen größeren Menschengruppe gehörend, für eine bestimmte Völkerschaft charakteristisch’. Das im 19. Jh. von der Geschichtswissenschaft, bes. von der sich entwickelnden Völkerkunde her in den allgemeinen Sprachgebrauch gelangende Adjektiv folgt griech. ethnikós (ἐθνικός) ‘zum (fremden) Volk gehörig, volkstümlich, ausländisch’, Ableitung von griech. éthnos (ἔθνος) ‘zusammenlebende Menge, Schar, Stamm, Volk’. Wesentlich früher (bei Paracelsus, 30er Jahre des 16. Jhs.) ist ethnisch in der für kirchenlat. ethnicus, bei christlichen Schriftstellern auch für griech. ethnikós geltenden Bedeutung ‘heidnisch’ belegt (vgl. in diesem Sinne engl. ethnic seit dem 15. Jh., frz. ethnique seit dem 16. Jh.). Ethnographie f. ‘beschreibende Völkerkunde’, auch (als Synonym von Völkerkunde) Bezeichnung für den gesamten Wissenschaftszweig; im 18. Jh. aufkommende Bildung zu griech. éthnos ‘Menge, Volk’ (s. oben) mit dem häufig auftretenden Kompositionselement ↗-graphie (s. d.), die in der 1. Hälfte des 19. Jhs. international bekannt wird, vgl. frz. ethnographie, engl. ethnography, russ. ėtnográfija (этнография); dazu ethnographisch Adj. (18. Jh.). Ethnologie f. ‘vergleichende Völkerkunde’, auch überhaupt ‘Völkerkunde’ (Mitte 19. Jh.), nach frz. ethnologie, engl. ethnology, zusammengesetzt aus griech. éthnos ‘Menge, Volk’ (s. oben) und dem für ‘Lehre, Wissenschaft’ üblichen Grundwort ↗-logie (s. d.); dazu ethnologisch Adj. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Unterbegriffe
  • Ethnomusikologie · Musikethnologie  ●  vergleichende Musikwissenschaft  veraltet
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anthropologie Archäologie Astronomie Begründer Biologie Ethnographie Germanistik Humboldt-Universität Jura Kulturanthropologie Kulturwissenschaft Kunstgeschichte Linguistik Literaturwissenschaft Musikwissenschaft Philologie Politikwissenschaft Politologie Professorin Psychoanalyse Psychologie Religionsgeschichte Religionswissenschaft Sozialanthropologie Soziologie Sprachwissenschaften Urgeschichte Volkskunde Wirtschaftswissenschaften vergleichende

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Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Etwa zur gleichen Zeit setzte sich in Frankreich die Bezeichnung Ethnologie durch.
Die Zeit, 23.08.1996, Nr. 35
Die Ethnologie, früher eine wesentlich beschreibende Disziplin, ist damit zu einer hochtheoretischen Wissenschaft geworden.
Freyer, Hans: Gesellschaft und Kultur. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 24987
Mit Hilfe der Ethnologie versucht man, die Religion der alten Jäger zu rekonstruieren.
Deichmann, F. W.: Ausgrabungen. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 20378
Aber bislang wird uns die Kenntnis der Primitiven durch die Ethnologie bereitgestellt.
Heidegger, Martin: Sein und Zeit, Tübingen: Niemeyer 1986 [1927], S. 44
Warum leiste sich die Stadt zwei Fachbereiche, an denen Ethnologie gelehrt und studiert werde?
Die Welt, 11.02.2002
Zitationshilfe
„Ethnologie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ethnologie>, abgerufen am 20.11.2017.

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