Ethos, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ethos · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Herkunft Griechisch
Wortbildung  mit ›Ethos‹ als Letztglied: ↗Berufsethos · ↗Weltethos
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben sittliche Gesamthaltung des Menschen, die die Grundlage seines Wollens und Handelns bildet
Beispiele:
von einem hohen beruflichen, politischen, ärztlichen, religiösen Ethos erfüllt sein
das heimliche Ethos, das oft in solchen unbekannten Figuren des Mittelstandes ... waltet [ St. ZweigBalzac46]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ethos · Ethik · ethisch
Ethos n. ‘sittliche Haltung des Menschen, sein Handeln bestimmende Gesinnung’. Griech. ḗthos (ἦθος) ‘Charakter, Wesensart, Sitte, Herkommen’ sowie (im Plur.) ‘gewohnter Aufenthaltsort’ wird im 18. Jh. von deutschen Schriftstellern aufgenommen, erlangt aber erst im 20. Jh. den heute vorherrschenden Sinn ‘als Triebkraft für das eigene Handeln akzeptierte Moralnormen der Mitglieder einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe’. Das auch ins Lat. entlehnte (griech.-lat. ēthos) griech. Substantiv steht als dehnstufige Bildung neben griech. éthos (ἔθος) ‘Gewohnheit, Sitte’ (aus *ϝέθος) und führt mit aind. svadhā́ ‘Eigenheit, Charakter, Gewohnheit, Sitte, Wohnsitz’, lat. sodālis ‘Kamerad, Gefährte, Tischgenosse’ auf ie. *su̯ē̌dh-, eine Erweiterung des Reflexivstammes ie. *se-, *s(e)u̯e- (s. ↗sich). Ethik f. ‘philosophische Lehre vom Sittlichen, vom moralischen Bewußtsein und Verhalten der Menschen’, Entlehnung des 16. Jhs. von lat. ēthica f., ēthicē f. ‘Moralphilosophie’ nach gleichbed. griech. ēthiká, ēthikḗ (ἠθικά, ἠθική); diese Formen sind Substantivierungen (Neutr. Plur. bzw. durch ein gedanklich zu ergänzendes Substantiv veranlaßtes Fem. Sing.) des von griech. ḗthos (s. oben) abgeleiteten Adjektivs griech. ēthikós (ἠθικός) ‘den Charakter betreffend, sittlich’. ethisch Adj. ‘sittlich, moralisch, auf die Ethik bezüglich’; im Anschluß an gleichbed. lat. ēthicus, griech. ēthikós (s. oben) im 17. Jh. aufkommend.

Thesaurus

Synonymgruppe
(innere) Haltung · ↗(jemandes) Philosophie · Auffassung vom Leben · ↗Einstellung (zu) · ↗Geisteshaltung · ↗Gesinnung · ↗Grundeinstellung · ↗Lebenseinstellung · ↗Mentalität · ↗Selbstverständnis · Werte · ↗Überzeugung  ●  Ethos  geh.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Frage der inneren Haltung  ●  ↗Einstellungssache  ugs.
  • (eine) Frage der Persönlichkeit (sein) · (eine) Mentalitätsfrage (sein) · (eine) Typfrage (sein) · davon abhängen, was für ein Typ man ist  ●  darauf ankommen, wie jemand drauf ist  ugs., salopp

Typische Verbindungen zu ›Ethos‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ethos‹.

Verwendungsbeispiele für ›Ethos‹

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Sie gaben das Unternehmen ohne Ergebnis auf; irgendwelche Knochen zu präsentieren, war mit ihrem wissenschaftlichen Ethos nicht vereinbar.
Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003
Die soziale Lage der meisten Angestellten erfordert ein berufsständisches Ethos von fossilienartigem Charakter.
Die Zeit, 25.09.1970, Nr. 39
Geschichte als Wissenschaft empfängt ihr Ethos vom Begriff der Wissenschaft.
Heuß, Alfred: Verlust der Geschichte, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1959, S. 37
Kulturell ist diese religiöse Erfahrung ein Gegenluxurieren des Ethos gegen die luxurierende Macht.
Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 48
Die Idee eines »ästhetischen Ethos« aktiviert die »neue Sensibilität« politisch.
Werckmeister, Otto Karl: Das gelbe Unterseeboot und der eindimensionale Mensch. In: ders., Ende der Ästhetik, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1971, S. 99
Zitationshilfe
„Ethos“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ethos>, abgerufen am 30.11.2020.

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