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Euphemismus, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Euphemismus · Nominativ Plural: Euphemismen
Aussprache  [ɔɪ̯feˈmɪsmʊs]
Worttrennung Eu-phe-mis-mus
Wortbildung  mit ›Euphemismus‹ als Grundform: euphemistisch
Herkunft zu euphēmismósgriech (εὐφημισμός) ‘Bezeichnung einer unangenehmen, schlimmen Sache durch einen mildernden Ausdruck’ < eu‑griech (εὐ‑) ‘gut-, wohl-’ + phḗmēgriech (φήμη) ‘Ausspruch, Kunde, Gerücht’
eWDG

Bedeutung

beschönigende sprachliche Umschreibung
Beispiele:
›entschlafen‹ ist ein Euphemismus für ›sterben‹
[ein Krawall] für den das Wort ›Höllenlärm‹ ein Euphemismus wäre [ Kisch1,254]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Euphemismus · Euphemie · euphemistisch
Euphemismus m. ‘beschönigender, verhüllender sprachlicher Ausdruck’, im 18. Jh. unter dem Einfluß von gleichbed. frz. euphémisme, engl. euphemism aufkommend, geht auf griech. euphēmismós (εὐφημισμός) ‘Bezeichnung einer unangenehmen, schlimmen Sache durch einen mildernden Ausdruck’ zurück. Dieses griech. Substantiv ist abgeleitet von griech. euphēmízein (εὐφημίζειν) ‘ein gutes Wort für eine üble Sache gebrauchen’, Denominativum zu griech. é͞uphēmos (εὔφημος) ‘Worte von guter Vorbedeutung sprechend’, das auf griech. eu- (εὐ-) ‘gut-, wohl-’ und phḗmē (φήμη) ‘Ausspruch, Kunde, Gerücht’ (s. auch Blasphemie) beruht. Das Verb griech. phánai (φάναι) ‘kundmachen, sagen, erklären, behaupten’, das griech. phḗmē zugrunde liegt, ist verwandt mit dt. Bann (s. d.). In gleichem Sinne wie Euphemismus, doch auch als ‘Euphemismen verwendende Ausdrucksweise’ wird seit Ende des 18. Jhs. gelegentlich Euphemie f. gebraucht, das ein zu griech. é͞uphēmos gehörendes griech. euphēmía (εὐφημία), spätlat. euphēmia ‘das Sprechen glückverheißender Worte, gute Benennung’ fortführt. – euphemistisch Adj. ‘durch umschreibenden sprachlichen Ausdruck verhüllend’, abgeleitet von Euphemismus (Anfang 19. Jh.; vgl. entsprechendes engl. euphemistic), vorausgehendes euphemisch (vgl. frz. euphémique, griech. é͞uphēmos, s. oben) verdrängend.

Thesaurus

Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
(sprachliche) Beschönigung · Relativierung · Schönfärberei · Schönrederei · Schönrednerei · Verbrämung · Verharmlosung · beschönigende Umschreibung · in blumiger Sprache  ●  Sprachkosmetik  fig. · verhüllende Redeweise  Hauptform · Euphemismus  fachspr., Hauptform · Glimpfwort  fachspr., veraltet · Hehlwort  fachspr., veraltet · Hüllwort  fachspr., veraltet
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Euphemismus‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Euphemismus‹.

Verwendungsbeispiele für ›Euphemismus‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es handelt sich um zwei der unzähligen Euphemismen für das Sterben, zeitlich. [Röhrich, Lutz: Fuchs. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 22123]
Das Proletariat krepiert im Namen von Euphemismen an gekürzten Operationen für hoffnungslose Fälle. [konkret, 1984]
Spätestens damit ist die oft gebrauchte Beschreibung der Koalition als "wackelig" ein starker Euphemismus. [Die Zeit, 12.06.2012, Nr. 14]
Zu behaupten, dass mein Herz an Dingen hängt, wäre nackter Euphemismus. [Die Zeit, 11.07.2011, Nr. 28]
In gewisser Weise wirkt der Euphemismus noch stärker als bloßes Schweigen. [Die Zeit, 21.04.2005, Nr. 17]
Zitationshilfe
„Euphemismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Euphemismus>.

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