Evangelist, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Evangelisten · Nominativ Plural: Evangelisten
Worttrennung Evan-ge-list
Wortzerlegung Evangelium-ist
Wortbildung  mit ›Evangelist‹ als Letztglied: ↗Fernsehevangelist
Herkunft zu euangelistḗsgriech (εὐαγγελιστής) ‘Verkündiger froher Botschaft, Evangelist’
eWDG

Bedeutung

Religion
1.
Verfasser eines der vier Evangelien des Neuen Testaments
Beispiel:
der Evangelist Johannes
2.
jmd., der Evangelisation abhält
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Evangelium · evangelisch · Evangelist
Evangelium n. ‘christliche Heilsbotschaft’, in engerem Sinne ‘die von Christi Wirken berichtenden vier ersten Bücher des Neuen Testaments’, ahd. evangēlio, ewangēlio (9. Jh.), mhd. ēwangēli, ēvangēli, ēwangelje, mnd. ewangelium (Plur. ewangelien), mnl. ewangelie, nl. evangelie ist eine frühe Entlehnung von kirchenlat. euangelium, das auf griech. euangélion (εὐαγγέλιον) ‘gute Botschaft, Lohn für den Überbringer einer guten Nachricht’ beruht. Dieses griech. Substantiv, das seiner Verwendung im Neuen Testament und bei Kirchenschriftstellern den christlichen Inhalt verdankt, sowie das ihm zugrunde liegende griech. euángelos (εὐάγγελος) ‘eine gute Botschaft bringend, Gutes verkündend’ führen zurück auf griech. eu- (εὐ-) ‘gut-, wohl-’ und ángelos (ἄγγελος) ‘Bote, Botschaft’ (s. ↗Engel). Wie ahd. evangēlio, ewangēlio ist got. aíwaggēli n., aíwaggēljō f. ‘Evangelium’ ebenfalls aus dem Kirchenlat. übernommen, doch wird für die Form got. aíwaggēljō auch unmittelbarer Anschluß an das Griech. erwogen; vgl. Kluge in: PBB 35 (1909) 159. In ahd. Texten überlieferte Verdeutschungsversuche, die keine Nachfolge finden, sind ahd. guotkundida (9. Jh.), guot ārunti (11. Jh.), gotspel (9. Jh., nach aengl. gōdspel ‘gute Nachricht’, dessen erstes Glied infolge Kürzung als aengl. god ‘Gott’ aufgefaßt wird; vgl. engl. gospel). Die formale Angleichung des kirchenlat. Wortes an das Dt., wie sie die älteren dt. Sprachstufen zeigen, wird im Frühnhd. durch gelehrten Einfluß wieder rückgängig gemacht. evangelisch Adj. ‘den aus der Reformation hervorgegangenen christlichen Religionsgemeinschaften angehörend, protestantisch’, älter (vereinzelt bis ins 20. Jh.) daneben ‘dem Evangelium entsprechend, das Evangelium betreffend’, ahd. evangēlisc (9. Jh.), spätmhd. ēwangēlisch ‘das Evangelium betreffend, christlich, fromm’, nach kirchenlat. euangelicus, griech. euangelikós (εὐαγγελικός), einer Ableitung von griech. euangélion (s. oben). Auch Luther gebraucht das Adjektiv zunächst, um eine Beziehung zum Evangelium auszudrücken; Evangelium ist für ihn jedoch die ganze Bibel, deren Wortlaut ihm als Grundlage des Glaubens gilt; so wird evangelisch in den 20er Jahren des 16. Jhs. zur konfessionellen Kennzeichnung. Evangelist m. ‘Verfasser eines der vier ersten Bücher des Neuen Testaments’, allgemeiner ‘Verkünder des Evangeliums, Prediger’, ahd. evangelist, ewangelist (11. Jh.), mhd. ēwangeliste, ēvangeliste, nl. evangelist, got. aíwaggēlista, nach kirchenlat. euangelista m., griech. euangelistḗs (εὐαγγελιστής) ‘Verkündiger froher Botschaft, Evangelist’, gebildet zu griech. euangelízesthai (εὐαγγελίζεσθαι) ‘frohe Botschaft, das Evangelium verkündigen’ (von griech. euángelos, s. oben).

Typische Verbindungen zu ›Evangelist‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Evangelist‹.

Verwendungsbeispiele für ›Evangelist‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Autor wirft den Evangelisten vor, daß sie mit dem jüdischen Ritual nicht genug vertraut waren.
Die Zeit, 29.09.1972, Nr. 39
Aber der Fünfte Evangelist war das letztemal nicht gekommen, er kam auch heute nicht.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 254
Der Evangelist sucht die Wirklichkeit dieser Gemeinschaft durch Bilder und Worte Jesu aufzuhellen und zu verdeutlichen, die für immer ekklesiologisch bedeutsam geblieben sind.
Baus, Karl: Von der Urgemeinde zur frühchristlichen Großkirche. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 620
Daß der Evangelist hier einer schriftlichen Quelle folgt, ist evident.
Werbeck, W.: Johannesevangelium. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1959], S. 10154
Jedenfalls steht kein Wort davon bei den Evangelisten, und die sind mindestens so vertrauenswürdig wie Professor Gnilka.
Süddeutsche Zeitung, 21.12.2002
Zitationshilfe
„Evangelist“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Evangelist>, abgerufen am 05.05.2021.

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