Evangelium, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Evangeliums · Nominativ Plural: Evangelien
Aussprache
WorttrennungEvan-ge-li-um (computergeneriert)
HerkunftGriechisch
Wortbildung mit ›Evangelium‹ als Letztglied: ↗Johannesevangelium · ↗Lukasevangelium · ↗Markusevangelium · ↗Matthäusevangelium · ↗Sonntagsevangelium
eWDG, 1967

Bedeutung

Religion
1.
nur im Singular
christliche Heilsbotschaft
Beispiel:
das Evangelium in aller Welt lehren, verkünden
übertragen etw., woran jmd. blind glaubt
Beispiele:
die Worte, Werke des großen Dichters waren für seine Anhänger das reinste Evangelium
was er sagt, ist für sie Evangelium
2.
der von einem der vier Evangelisten aufgezeichnete Bericht über das Leben und Wirken Christi
Beispiele:
das Evangelium des Matthäus, Johannes
die vier Evangelien des Neuen Testaments
3.
für jeden Sonntag oder Festtag vorgeschriebener Abschnitt aus 2, der beim Gottesdienst vorgelesen (und erklärt) wird
Beispiele:
das Evangelium verlesen, auslegen
das Evangelium für den heutigen Sonntag
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Evangelium · evangelisch · Evangelist
Evangelium n. ‘christliche Heilsbotschaft’, in engerem Sinne ‘die von Christi Wirken berichtenden vier ersten Bücher des Neuen Testaments’, ahd. evangēlio, ewangēlio (9. Jh.), mhd. ēwangēli, ēvangēli, ēwangelje, mnd. ewangelium (Plur. ewangelien), mnl. ewangelie, nl. evangelie ist eine frühe Entlehnung von kirchenlat. euangelium, das auf griech. euangélion (εὐαγγέλιον) ‘gute Botschaft, Lohn für den Überbringer einer guten Nachricht’ beruht. Dieses griech. Substantiv, das seiner Verwendung im Neuen Testament und bei Kirchenschriftstellern den christlichen Inhalt verdankt, sowie das ihm zugrunde liegende griech. euángelos (εὐάγγελος) ‘eine gute Botschaft bringend, Gutes verkündend’ führen zurück auf griech. eu- (εὐ-) ‘gut-, wohl-’ und ángelos (ἄγγελος) ‘Bote, Botschaft’ (s. ↗Engel). Wie ahd. evangēlio, ewangēlio ist got. aíwaggēli n., aíwaggēljō f. ‘Evangelium’ ebenfalls aus dem Kirchenlat. übernommen, doch wird für die Form got. aíwaggēljō auch unmittelbarer Anschluß an das Griech. erwogen; vgl. Kluge in: PBB 35 (1909) 159. In ahd. Texten überlieferte Verdeutschungsversuche, die keine Nachfolge finden, sind ahd. guotkundida (9. Jh.), guot ārunti (11. Jh.), gotspel (9. Jh., nach aengl. gōdspel ‘gute Nachricht’, dessen erstes Glied infolge Kürzung als aengl. god ‘Gott’ aufgefaßt wird; vgl. engl. gospel). Die formale Angleichung des kirchenlat. Wortes an das Dt., wie sie die älteren dt. Sprachstufen zeigen, wird im Frühnhd. durch gelehrten Einfluß wieder rückgängig gemacht. evangelisch Adj. ‘den aus der Reformation hervorgegangenen christlichen Religionsgemeinschaften angehörend, protestantisch’, älter (vereinzelt bis ins 20. Jh.) daneben ‘dem Evangelium entsprechend, das Evangelium betreffend’, ahd. evangēlisc (9. Jh.), spätmhd. ēwangēlisch ‘das Evangelium betreffend, christlich, fromm’, nach kirchenlat. euangelicus, griech. euangelikós (εὐαγγελικός), einer Ableitung von griech. euangélion (s. oben). Auch Luther gebraucht das Adjektiv zunächst, um eine Beziehung zum Evangelium auszudrücken; Evangelium ist für ihn jedoch die ganze Bibel, deren Wortlaut ihm als Grundlage des Glaubens gilt; so wird evangelisch in den 20er Jahren des 16. Jhs. zur konfessionellen Kennzeichnung. Evangelist m. ‘Verfasser eines der vier ersten Bücher des Neuen Testaments’, allgemeiner ‘Verkünder des Evangeliums, Prediger’, ahd. evangelist, ewangelist (11. Jh.), mhd. ēwangeliste, ēvangeliste, nl. evangelist, got. aíwaggēlista, nach kirchenlat. euangelista m., griech. euangelistḗs (εὐαγγελιστής) ‘Verkündiger froher Botschaft, Evangelist’, gebildet zu griech. euangelízesthai (εὐαγγελίζεσθαι) ‘frohe Botschaft, das Evangelium verkündigen’ (von griech. euángelos, s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
Doktrin · ↗Glaubenssatz · ↗Lehre · ↗Lehrmeinung  ●  ↗Dogma  auch figurativ · (ein) Evangelium (für jemanden)  ugs., fig.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Apokalypse Apostel Apostelgeschichte Auslegung Enzyklika Epistel Evangelium Jesus Christus Johannes Lichte Lukas Paulusbrief Prediger Predigt Sakrament Thora Verkünder Verkündigung Verkündung Vertonung apokryph bezeugen gnostisch kanonisch neutestamentlich predigen synoptisch verkünden verkündigen überliefern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Evangelium‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Handlung hält sich dicht an die Schriften der vier Evangelien.
Der Tagesspiegel, 17.02.2004
Die Kirche hat das Evangelium der Welt, aber zuallererst immer wieder sich selbst zu verkündigen.
Die Zeit, 23.10.1981, Nr. 44
An diesen Gott kann man nicht glauben, es sei denn er spreche noch sein anderes Wort, das Evangelium.
Graß, H.: Glaube. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 9861
Das Evangelium ist wahr, weil es wert ist, wahr zu sein.
Vorländer, Karl: Geschichte der Philosophie. In: Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 7775
Das Evangelium selbst bringt wesentlich ein ethisch-religiöses Menschheitsideal, freilich von den einschneidendsten sozialen Folgen.
Troeltsch, Ernst: Die Soziallehren der christlichen Kirchen und Gruppen, Tübingen: Mohr 1912, S. 421
Zitationshilfe
„Evangelium“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Evangelium>, abgerufen am 22.10.2019.

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