Evolution, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Evolution · Nominativ Plural: Evolutionen · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungEvo-lu-ti-on
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Evolution‹ als Erstglied: ↗Evolutionismus · ↗Evolutionsbiologe · ↗Evolutionsbiologie · ↗Evolutionsbiologin · ↗Evolutionslehre · ↗Evolutionstheorie
 ·  mit ›Evolution‹ als Grundform: ↗evolutionistisch · ↗evolutionär
DWDS-Vollartikel, 2016

Bedeutung

Biologie allmähliche, von Generation zu Generation stattfindende Veränderung der vererbbaren Merkmale einer Population (Lesart 1) von Lebewesen derselben Art, insbesondere die stammesgeschichtliche Entwicklung von niederen zu höheren Lebensformen
Beispiele:
Möglicherweise hätten […] Menschen mit Neandertaler-Varianten in den Genen einen selektiven Vorteil bei der Evolution gehabt[…]. [Spiegel, 23.10.2014 (online)]
Das neu entdeckte Fossil Pappochelys ist die fehlende Entwicklungsstufe, um die Evolution der Panzertiere [Schildkröten] zu verstehen. [Die Zeit, 24.06.2015, Nr. 25]
Die ursprünglichsten unter ihnen [Organismen der Tiefsee] sind die Archaea – bakterienähnliche Urlebewesen, die nach heutiger Kenntnis wohl am Beginn der Evolution aller höheren Lebensformen standen. [Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, 1999. Zitiert nach: Bild der Wissenschaft, 1998, Nr. 10.]
Bislang galt es in der vergleichenden Hirnanatomie […] als zulässig, die Evolution einzelner Hirnregionen im Lauf der Jahrmillionen zu verfolgen. [Die Zeit, 21.02.1969, Nr. 08]
[…] Darwin, der den Menschen als Produkt natürlicher Evolution erkannte, abstammend aus dem Tierreich, durch das Wechselspiel von zufälliger Erbgutänderung (Mutation) und Auslese aus irdischer Formenvielfalt emporgezüchtet[…]. [Der Spiegel, 29.12.1965, Nr. 53]
Wissenschaftliche Daten über jahrmillionenalte Vorfahren des Menschen und Belege für nach wie vor stattfindende Evolutionen, […] sind den Kreationisten [Anhängern der biblischen Schöpfungsgeschichte] peinlich oder werden belächelt. [Neue Zürcher Zeitung, 21.08.2002] ungewöhnl. Pl.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die biologische, natürliche, darwinsche, genetische, molekulare, menschliche Evolution
mit Genitivattribut: die Evolution der Arten, Lebewesen, Organismen, Tiere, Pflanzen, Wirbeltiere, Vögel, Primaten; die Evolution des Lebens, Gehirns, Bewusstseins, des Menschen
als Akkusativobjekt: die Evolution erforschen, beschleunigen, beeinflussen, steuern
hat Präpositionalgruppe/-objekt: die Evolution durch Auslese, Selektion, Mutation, im Zeitraffer, im Reagenzglas, auf der Erde
als Aktivsubjekt: die Evolution schreitet fort, läuft [in bestimmter Weise] ab, bringt etw. hervor, stattet etw. aus, begünstigt etw., gibt [einem Lebewesen] etw. mit
als Genitivattribut: Mechanismen, Gesetze, Jahrmillionen der Evolution; der Lauf, Verlauf, Prozess, Weg, ein Schritt, eine Stufe, Triebkraft, ein Stadium der Evolution; ein Produkt, Wunder, Rätsel, eine Sackgasse, ein Irrläufer, Irrweg, Geniestreich der Evolution
allgemeiner, bildungssprachlich allmählich und stetig fortschreitende, vor allem in größeren Zusammenhängen stattfindende (positive) Entwicklung
Beispiele:
[…] Es handele sich [bei der Reform der Parteistrukturen] eher um eine »Evolution als eine Revolution«, sagte CDU-Generalsekretär Peter Tauber […]. [Die Zeit, 03.07.2015 (online)]
Die kulturelle Evolution habe das Änderungstempo […] dermassen nach oben geschraubt, dass die Natur mit ihren Anpassungsmechanismen keine Chance mehr habe. […] [Neue Zürcher Zeitung, 02.03.2006]
Der weitere Gang der technischen Evolution war berechenbar: Jedes neue Modell [eines Walkman] geriet noch ein bißchen zierlicher und leichter als die Vorgängerversion. […] [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.07.1999]
Er[…] habe bei vielen Besuchen in der Sowjetunion echte kulturelle, geistige und wirtschaftliche Evolutionen festgestellt. [Der Spiegel, 23.08.1947, Nr. 34]
Die reine Sociologie beschäftigt sich mit dem Ursprung, Wesen, der Evolution der Gesellschaft […]. [Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe – S. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 18515. Zitiert nach: Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe Bd. 2, Berlin: Mittler 1904.]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die kulturelle, soziale, gesellschaftliche, zivilisatorische, technische, technologische, digitale, kosmische, chemische Evolution; eine langsame, allmähliche, stetige, fortschreitende, kontinuierliche, behutsame, schrittweise, beschleunigte, rasante Evolution
mit Genitivattribut: die Evolution des Kosmos, Universums, Wissens, der Physik, Technik, Sprache
als Akkusativobjekt: eine Evolution durchlaufen, durchmachen
als Aktivsubjekt: die Evolution schreitet voran, fort
als Genitivattribut: ein Motor der Evolution
in Koordination: Evolution und Revolution, Fortschritt, Entwicklung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Evolution f. ‘Entwicklung’, und zwar ‘allmählich fortschreitende Entwicklung von Zusammenhängen im geschichtlichen Ablauf’; als Terminus der Biologie ‘stammesgeschichtliche Entwicklung von niederen zu höher organisierten Lebensformen’. Die Entlehnung folgt lat. ēvolūtio (Genitiv ēvolūtiōnis) ‘das Auseinanderwickeln (der Schriftrolle), das Lesen’, einem Verbalabstraktum zu lat. ēvolvere ‘hinauswälzen, enthüllen, auseinanderrollen, entwickeln’, das sich aus lat. ex- ‘aus-, heraus-’ (s. ↗ex-) und lat. volvere ‘rollen, wälzen, abspulen’ zusammensetzt. Dieses Substantiv gelangt zunächst über frz. évolution ‘Exerzierbewegung eines Truppenteils, Veränderung des Truppenkörpers in Form und Ausdehnung’ um 1700 als militärisches Fachwort ins Dt. (so bis ins 19. Jh.; danach noch übertragen für bestimmte Figuren in Tanz, Artistik u. ä.). Im 18. Jh. findet es als Übernahme aus der lat. Wissenschaftssprache vielfache terminologische Verwendung (Mathematik, Musikwissenschaft, Biologie). Besondere Bedeutung für die philosophische Diskussion seit dem 18. Jh. gewinnt der (von der 2. Hälfte des 18. Jhs. an eingedeutscht vorkommende) naturwissenschaftliche Terminus Evolution, der anfangs unter dem Einfluß der Präformationslehre steht (‘Auswickelung, Entfaltung der bereits seit der Schöpfung vorhandenen Organismen’), im 19. Jh. aber (im Dt. besonders seit Mitte der 70er Jahre) durch Darwins Abstammungslehre den Sinn ‘ständige Höherentwicklung durch allmähliche Veränderungen’ erhält.

Thesaurus

Synonymgruppe
Entwicklung · ↗Entwicklungsprozess · ↗Entwicklungsverlauf · Evolution · ↗Fortentwicklung · ↗Fortgang · ↗Reifung · ↗Weiterentwicklung  ●  ↗Ausarbeitung  fachspr.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Evolutionsökonomik · Evolutionäre Ökonomik · Evolutorische Ökonomik
  • evolutionäre Anpassung  ●  ↗Adaptation  wissenschaftlich
  • (natürliche) Rückbildung · Rückbildungsprozess einzelner Organe  ●  ↗Involution  fachspr., lat.
  • eine Evolution durchlaufen · ↗evolvieren
  • Darwin'sches Aussterben · Darwinsches Aussterben · evolutionäre Selbsttötung  ●  Evolutionary Suicide  engl.
  • Nanismus · ↗Nanosomie · Verzwergung
Antonyme
  • Evolution

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auslese Endpunkt Evolution Gehirn Genetik Irrläufer Jahrmillion Lauf Laufe Lebewesen Mechanismus Organismus Revolution Sackgasse Schöpfung Selektion Theorie Verlauf Wirbeltier biologisch darwinistisch darwinsch durchlaufen hervorbringen kosmisch kulturell menschlich molekular natürlich soziokulturell

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Evolution‹.

Zitationshilfe
„Evolution“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Evolution>, abgerufen am 14.10.2019.

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