Existenz, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Existenz · Nominativ Plural: Existenzen
Aussprache
WorttrennungExis-tenz
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Existenz‹ als Erstglied: ↗Existenzangst · ↗Existenzaussage · ↗Existenzberechtigung · ↗Existenzbeweis · ↗Existenzfrage · ↗Existenzgrundlage · ↗Existenzkampf · ↗Existenzminimum · ↗Existenzmittel · ↗Existenzmöglichkeit · ↗Existenznotwendigkeit · ↗Existenzsicherheit · ↗Existenzsorge · ↗Existenzunsicherheit · ↗existentiell · ↗existenzberechtigt · ↗existenzerhaltend · ↗existenzfähig · ↗existenziell
 ·  mit ›Existenz‹ als Letztglied: ↗Doppelexistenz · ↗Eigenexistenz · ↗Einzelexistenz · ↗Fortexistenz · ↗Koexistenz · ↗Nichtexistenz · ↗Scheinexistenz
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
meist im Singular
Dasein, Vorhandensein
Beispiele:
des Volkes Ringen um seine nationale Existenz
er leugnete die Existenz des Kindes
die reichlichen Niederschläge ermöglichen die Existenz von Flüssen
Er ahnt nicht, daß ich sie durch meine bloße Existenz zu Widerspruch und Widerstand reize [RinserMitte316]
Leben
Beispiele:
eine kümmerliche Existenz fristen
er führte eine dunkle, klägliche Existenz
um die nackte Existenz kämpfen
Und diese beiden Bildnisse zusammen ... zeichneten beide ungeschminkt meine trostlose Existenz [HesseSteppenw.4,253]
2.
meist mit Attribut
abwertend Mensch
Beispiele:
eine fragwürdige, zweifelhafte, dunkle, verdächtige Existenz (= Mensch, dessen Lebensumstände zwielichtig, undurchsichtig sind)
verpfuschte, verfehlte Existenzen (= Menschen, die in ihrem Berufsleben Schiffbruch erlitten haben)
salopp verkrachte Existenzen (= Menschen, die in ihrem Berufsleben Schiffbruch erlitten haben)
[eine Werkstatt] in der, besonders nachmittags, allerlei nicht besonders respektable Existenzen herumsaßen [BrechtKalendergeschichten150]
Ich bin im Verlauf meines sündenbeladenen Lebens mit mancherlei Existenzen aneinandergeraten [Wasserm.Wahnschaffe1,365]
3.
meist im Singular
materielle Grundlage, um leben zu können
Beispiele:
eine kümmerliche, sorgenfreie, gesicherte, auskömmliche Existenz haben
um seine Existenz ringen
sich eine neue Existenz aufbauen
jmdm. eine sorgenlose Existenz verschaffen
jmdn. um seine Existenz bringen
daß er keinerlei Aussicht hätte, sich in dieser Gegend eine Existenz zu gründen [WelkHoher Befehl554]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Existenz · existieren · existent · Existentialismus
Existenz f. ‘Vorhandensein, Dasein’, im 17. Jh. als philosophischer Terminus entlehnt aus spätlat. exsistentia ‘Bestehen, Dasein’, Abstraktbildung zu lat. exsistere ‘heraustreten, vorhanden sein, stattfinden’ bzw. zum Part. Präs. exsistēns (Genitiv exsistentis) ‘bestehend, vorhanden’; zu lat. sistere ‘(fest)stehen machen, (ein)stellen, hemmen’. Verb und Part. werden ins. Dt. entlehnt in den Formen existieren Vb. ‘vorhanden sein, dasein’ (17. Jh.) und existent Adj. (18. Jh.). Existentialismus m. subjektiv-idealistische Strömung der Philosophie, die in ihren Betrachtungen von der individuellen Existenz des Menschen ausgeht (1919), danach frz. existentialisme (1925, später aufgenommen von J.-P. Sartre).

Thesaurus

Synonymgruppe
Dasein · Existenz · ↗Leben · irdisches Dasein
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(das) Bestehen · Existenz · ↗Vorhandensein · Vorliegen (Sachverhalt, Tatbestand; Dokument)
Assoziationen
  • Dasein · Existenz · ↗Leben · irdisches Dasein

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beweis Massenvernichtungswaffe Sicherung anerkennen aufbauen bangen bedrohen beruflich bestreiten bestätigen bloß bürgerlich eigen fürchten gefährden gescheitert gesichert kämpfen leugnen materiell menschlich nackt physisch rechtfertigen selbständig sichern verdanken verkracht vernichten wirtschaftlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Existenz‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sobald man eine Gruppe kennenlernt, von deren Existenz man früher nur abstrakt oder gar nichts wußte, erkennt man auch ihre Mitglieder.
Kopetzky, Steffen: Grand Tour, Frankfurt am Main: Eichborn 2002, S. 121
Was da nicht alles auf der Insel anspüle an dunklen Existenzen!
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 215
Seit sie gesund wurde, stellt sie die Existenz Gottes nicht mehr in Frage.
Die Welt, 28.12.2005
Zusammengenommen macht das die Existenz einer jungen Frau nicht gerade einfach.
Braun, Marcus: Hochzeitsvorbereitungen, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 10
In den meisten Fällen war das erste Jahrzehnt der staatlichen Existenz politisch eine Zeit des Werdens.
Panikkar, Kavalam Madhava: Neue Staaten in Asien und Afrika. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 10179
Zitationshilfe
„Existenz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Existenz>, abgerufen am 21.10.2018.

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