Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Fähnrich, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Fähnrichs · Nominativ Plural: Fähnriche
Aussprache  [ˈfɛːnʀɪç]
Worttrennung Fähn-rich
formal verwandt mitFahne
Wortbildung  mit ›Fähnrich‹ als Letztglied: Oberfähnrich
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
Militär
a)
bei der Bundeswehr in Deutschland (und den Streitkräften der früheren deutschsprachigen Länder) und im Österreichischen Bundesheer   Dienstgrad eines Offiziersanwärters; Person dieses Dienstgrads
Dieser Dienstgrad entspricht dem NATO-Rangcode OF-D. In der Bundeswehr handelt es sich um einen einem Feldwebel entsprechenden Unteroffiziersdienstgrad, im Bundesheer um einen Offiziersdienstgrad.
Kollokationen:
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Fähnrich zur See (= Fähnrich bei der Marine)
Beispiele:
Im Garten des Japanischen Palais wurden gestern in einer feierlichen Zeremonie 586 Offiziersanwärter der Offiziersschule des Heeres zu Fahnenjunkern und Fähnrichen befördert. [Leipziger Volkszeitung, 24.06.2011]
Bundeswehr [Überschrift] Ein Oberfähnrich und sechs junge Fähnriche erwarben in Sattelbogen das Rettungsschwimmabzeichen des DRK in Silber. [Mittelbayerische, 20.08.2020]
Diese Demonstration soll den Fähnrichen der […] Theresianischen Militärakademie, welche ihre achtsemestrige Ausbildung bald abschliessen werden, die Wirkung von Waffen des österreichischen Bundesheeres zeigen. [Neue Zürcher Zeitung, 09.08.2007]
Bei einem der Fähnriche war der Großvater bei der Wehrmacht, der Vater bei der NVA, so ergab sich die Berufswahl des Sohnes fast von selbst. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2000]
Aus dem Kadettenkorps kam er im April 1864 als Fähnrich in das Inf.‑Regt. 27, bei dem er im April 1865 zum Offizier befördert wurde. [Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 04.03.1905]
b)
in der Nationalen Volksarmee der DDR   zwischen den Dienstgradgruppen der Unteroffiziere und Offiziere liegende Dienstgradgruppe aus hochqualifiziertem, spezialisiertem Personal; Person eines dieser Dienstgrade
Grammatik: meist im Plural
Die Dienstgradgruppe umfasste die Dienstgrade Fähnrich, Oberfähnrich, Stabsfähnrich und Stabsoberfähnrich (entsprechend den NATO-Rangcodes WO-1 bis WO-4).
Beispiele:
Ob Berufsunteroffizier, Fähnrich oder Berufsoffizier, jeder interessierte Jugendliche findet in der Nationalen Volksarmee ein weites Betätigungsfeld. [Berliner Zeitung, 11.07.1989]
Einst war das Erholungsheim in Frauenwald eine der ersten Adressen für Offiziere, Unteroffiziere und Fähnriche der Nationalen Volksarmee (NVA). [Thüringer Allgemeine, 19.10.2017]
Bei dem Vokalensemble handelt es sich […] um gewesene Genossen Soldaten, Fähnriche, Unteroffiziere und Offiziere des Erich‑Weinert‑Ensembles der Nationalen Volksarmee. [Berliner Zeitung, 02.10.1995]
Fähnriche der NVA feierlich verabschiedet [Überschrift] […] Sie hatten sich in zweijährigem Studium umfangreiche politische und militärische Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten angeeignet und einen Fachschulabschluß erworben. [Neues Deutschland, 07.08.1989]
Angehende Fähnriche und Unteroffiziere der NVA waren am Sonnabend an der Militärtechnischen Schule »Harry Kuhn« der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung in Bad Düben zu Gast. [Neues Deutschland, 19.12.1988]
[…] Die Dienstzeit der Fähnriche, die als Vorgesetzte und Militärspezialisten vor allem im technischen und ökonomischen Bereich tätig sind, betragt mindestens 15 Jahre. Sie werden zu Fachschulkadern herangebildet. [Neues Deutschland, 24.11.1979]
spezieller Ich bin 80 Jahre alt, habe in der NVA der DDR bis zum Fähnrich gedient. [Der Tagesspiegel, 18.06.2017]
2.
historisch Fahnenträger des mittelalterlichen HeeresWDG
Beispiele:
Er hatte seine Laufbahn wohl als einfacher Knecht begonnen, es zum Fähnrich, Hauptmann, Profos und schließlich zum Quartiermeister eines Haufens Landsknechte (3.000 bis 5.000 Mann) gebracht. [Leipziger Volkszeitung, 03.06.2002]
Jedes Fähnlein, bestehend aus etwa 400 Landsknechten, hatte einen eigenen Fähnrich mit Spiel, also einem Trommler und einem Schwegelpfeifenspieler. [Thüringer Allgemeine, 02.06.2017]
Im Kriegshaufen der Landsknechte war der Fähnrich der Träger des Feldbanners, um das sich Kompanie oder Fähnlein scharte. [Die Gauck-Rede, 24.02.2013, aufgerufen am 01.09.2020]
Zu den ältesten, berühmteren Landsknechtsführern gehört Martin Schwarz, der von Herkunft ein Schuhmacher aus Nürnberg war, für seine Tapferkeit zum Ritter geschlagen wurde und unter seinem Befehl Schwaben und Schweizer vereinigte; sein Benner (Fähnrich) war ein auch sonst genannter Schweizer, Hans Kuttler von Bern. [Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte. Vierter Teil. Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 3505]
3.
Fahnenträger eines (Schützen-, Karnevals-)‍Vereins
Beispiele:
Der Fähnrich oder Fahnenjunker trägt die Fahne bei offiziellen Anlässen. [Münchner Merkur, 09.05.2020]
Viele Jahre hat er als 1. Fähnrich mit Stolz die Fahne der Trachtler (= des Trachtenvereins) getragen. [Münchner Merkur, 18.11.2021]
Bei der Verpflegungsstation im Kurpark flog diesmal, von Fähnrich Henrik B[…] angetrieben, die Fahne nicht nur zu Ehren der Bohnenkönigin, sondern für alle, die sich über das gelungene Fest freuten. [Rhein-Zeitung, 09.11.2021]
Der Gottesdienst zum Fest wurde zelebriert von Dekan Clemens V[…], die Ortsvereine haben ihren Fähnrich mit Fahne zum Fest geschickt. [Landshuter Zeitung, 22.09.2020]
Wie in den Vorjahren standen im Mittelpunkt des kurzweiligen Abendprogramms, das von Komiteepräsident Michael B[…] moderiert wurde, die Fahnenträger der anwesenden Karnevalsgesellschaft. […] Ähnlich wie in den Vorjahren hatte man auch diesmal eine Jury gebildet, die dafür verantwortlich war, dass die Uniformen und die Fahnen der Fähnriche einer »strengen« Musterung unterzogen wurden. [Aachener Zeitung, 24.02.2020]
Besonderer Dank [des Vereinspräsidenten] galt Fähnrich Markus B[…], der seit 25 Jahren die Fahne schwingt. [Fränkischer Tag, 12.02.2020]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fahne · Fähnchen · Fähnlein · Fähnrich
Fahne f. ‘an einer Stange als Kennzeichen befestigtes Tuch, Banner’, ahd. fano m. ‘Tuch’ (vgl. brust-, hals-, sweiʒfano), dann auch ‘Feldzeichen, Banner, unter einer Fahne stehende Heeresabteilung’ (um 800), mhd. van(e) m. (und auch f.), asächs. fano, mnd. vāne, mnl. vāne, vaen, nl. vaan, aengl. fana m. (engl. vane ‘Wetterfahne’), anord. fani m., got. fana m. ‘Lappen, Schweißtuch’ gehen mit lat. pannus ‘Tuch, Lappen’ und griech. pḗnos (πήνος) ‘Gewebe’ auf die Wurzel ie. *pā̌n- ‘Gewebe’ zurück. Noch gegen Ende des 18. Jhs. wird Fahne auch als Maskulinum gebraucht. Die Entwicklung von ‘Tuch’ zu ‘Banner, Feldzeichen’ beruht wohl auf Kürzung des Kompositums ahd. gundfano ‘Kampftuch, Kriegsbanner’ (9. Jh.); vgl. auch aengl. gūþfana, anord. gunnfani und die Entlehnungen frz. gonfanon, gonfalon, ital. gonfalone (vgl. aengl. gūþ, anord. gunnr, guðr ‘Kampf’). Redensartlich mit fliegenden Fahnen übergehen ‘ostentativ und geschlossen zum Feinde überwechseln’, übertragen ‘plötzlich und grundsätzlich seinen Standpunkt ändern’ (17. Jh.). Seit dem 17. Jh. bezeichnet Fahne (wegen der vergleichbaren länglichen Form) auch den noch nicht umbrochenen ‘Korrekturabzug’ des Druckers. – Fähnchen n. ‘militärische Abteilung’ (16. Jh.) für älteres Fahne; ‘billiges leichtes Kleid’ (18. Jh.). Fähnlein n. ‘kleine Fahne’, seit dem 16. Jh. übliche Bezeichnung für die unter einer Fahne als Feldzeichen Kämpfenden, ‘militärische Abteilung’. Fähnrich m. ‘Fahnenträger’, militärischer Rang (16. Jh.), mit Gleitlaut -d- auch Fähndrich; frühnhd. venrich wird (wie Wüterich) analog zu Personennamen (vgl. Dietrich) gebildet; vgl. anders gebildetes ahd. faneri, mhd. venre, vener, vaner; heute noch schweiz. Venner.

Typische Verbindungen zu ›Fähnrich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fähnrich‹.

Zitationshilfe
„Fähnrich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/F%C3%A4hnrich>.

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