Fäulnis, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Fäulnis · wird nur im Singular verwendet
WorttrennungFäul-nis
Wortbildung mit ›Fäulnis‹ als Erstglied: ↗Fäulnisbakterie · ↗Fäulnisbakterium · ↗Fäulniserreger · ↗Fäulniserscheinung · ↗Fäulnisherd · ↗Fäulnisprozess · ↗fäulnishemmend
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
(übelriechende) Zersetzung, die bei stickstoffhaltigen organischen Stoffen durch Einwirkung von Bakterien entsteht
Beispiele:
Fäulnis war durch häufigen Regen, durch Nässe, Feuchtigkeit entstanden, gefördert worden, weiter fortgeschritten
die Ursachen der Fäulnis untersuchen
die Fäulnis der eingekellerten Kartoffeln verhindern
die Früchte, Pilze waren in Fäulnis übergegangen, geraten, von Fäulnis befallen, zerstört
Nahrungsmittel vor Fäulnis bewahren
Sie [die Kirche] roch nach Salpeter, Fäulnis und den Toten [RemarqueZeit zu leben30]
2.
übertragen Verfall einer bestehenden politischen oder gesellschaftlichen Einrichtung, Ordnung
Beispiele:
die moralische, sittliche Fäulnis einer Gesellschaftsschicht
die Ursachen der geistigen Fäulnis untersuchen, aufdecken
Der Mensch hält mehr aus, als er weiß, besonders wenn ... er in Zeiten voll politischer Fäulnis lebt [A. ZweigBeil139]
Die Staatsmacht ... war dennoch selbst der skandalöseste Skandal dieser Gesellschaft und gleichzeitig die Brutstätte aller ihrer Fäulnis [MarxBürgerkrieg69]
Er [der russisch-japanische Krieg] legte jedoch die ganze Fäulnis und Rückständigkeit des zaristischen Rußland bloß [Tageszeitung1953]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

faul · stinkfaul · faulig · Faulheit · Fäulnis · Faulpelz · Faultier · faulenzen · Faulenz · Faulenzer
faul Adj. ‘verdorben, verwesend, unredlich, anrüchig, träge’, ahd. fūl (9. Jh.), mhd. vūl ‘verwesend, stinkend, modrig, morsch, verdorben, träge’, asächs. aengl. fūl, engl. foul, mnd. vūl, mnl. vuul, nl. vuil, anord. fūll, schwed. ful, got. fūls, germ. *fūla- ist auf die Wurzel ie. *pū̌- ‘faulen, stinken’ (vermutlich Weiterentwicklung einer Interjektion *pu ‘pfui’) zurückzuführen, zu der auch aind. pū́yati ‘wird faul, stinkt’, griech. pȳ́thesthai (πύθεσθαι) ‘faulen’, lat. pūs ‘Eiter’, pūtēre ‘nach Fäulnis riechen’ gehören. stinkfaul Adj. ‘außerordentlich träge’ (17. Jh.), verstärkend zusammengesetzt mit stinken unter Rückgriff auf die alte Bedeutung faul ‘stinkend’. faulig Adj. ‘mit Fäulnis behaftet, verwesend’, mhd. vūllich. Faulheit f. ‘Trägheit’, mhd. vūlheit, daneben auch vūlkeit, vūlecheit, frühnhd. Faulkeit, Fauligkeit ‘Trägheit, Verwesung’. Fäulnis f. ‘Zersetzung, Verwesung’, ahd. fūlnussī (10. Jh.; auch fūlnissida, 11. Jh.), mhd. vūlnis; dafür bis zum 18. Jh. häufiger Faulung, Fäulung, mhd. vūlunge. Faulpelz m. ‘zur Trägheit neigender Mensch, Faulenzer’ (19. Jh.), schweiz. bereits seit dem 13. Jh. bezeugt; vgl. Pelz ‘Schimmelschicht auf Speisen’, so daß die Vorstellung ‘vor Faulheit Schimmel ansetzen’ zugrunde liegen kann; heute überwiegt wohl Assoziation an Faultier sowie der Gedanke eines trägen Verharrens im bequemen Pelz. Faultier n. südamerikanisches Säugetier von geringer Bewegungsfreudigkeit (17. Jh.), Wiedergabe von span. perezoso; dann auch scherzhaft ‘arbeitsscheuer Mensch’ (19. Jh.). faulen Vb. ‘sich zersetzen, verwesen’, ahd. fūlēn (9. Jh.), mhd. vūlen. faulenzen Vb. ‘träge, untätig sein’, spätmhd. vūlezen ‘faulig schmecken, träge sein’. Das Verb ist analog zu einer Gruppe von intensiven und iterativen Verben auf mhd. -e(z)zen (got. -atjan, ahd. -a-(z)zen, -e(z)zen) gebildet; der n-Einschub stammt aus dem Omd. Dazu Faulenz, Faulenzer m. (16. Jh.).

Thesaurus

Biologie, Medizin
Synonymgruppe
Fäulnis · ↗Moder · ↗Verfall · ↗Verwesung  ●  ↗Putrefaktion  lat. · ↗Putreszenz  lat.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Chaos Dekadenz Fleisch Frucht Fäulnis Geruch Gestank Gärung Kapitalismus Keim Korruption Moder Pilzbefall Schmutz Schädling Stagnation Urin Verfall Verrottung Verwesung Wurzel anstecken ausbreiten befallen begünstigen inner neigen riechen stinken übergehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fäulnis‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich will nicht reif werden, denn danach kommt die Fäulnis.
Süddeutsche Zeitung, 18.09.2003
Der reine Leib des Herrn zog alle Fäulnis der Welt an sich.
Weismantel, Leo: Die höllische Trinität, Berlin: Union-Verl.1966 [1943], S. 211
Diese Fäulnis war es, die ihn auftrieb und ans Licht brachte.
Die Welt, 07.08.1999
Der Schweiß, besonders wenn jemand viel Feuchtigkeit ausschwitzt, zersetzt sich dann, gerät in Fäulnis und greift die Haut des Fußes an.
o. A.: Heumann-Heilmittel, o. O.: [1936], S. 145
Nach einiger Zeit geht die Fäulnis in den aeroben Prozeß der Verwesung über.
Grahneis, Heinz u. Horn, Karlwilhelm (Hg.), Taschenbuch der Hygiene, Berlin: Verlag Volk u. Gesundheit 1972 [1967], S. 294
Zitationshilfe
„Fäulnis“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fäulnis>, abgerufen am 17.10.2019.

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