Fülle, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Fülle · Nominativ Plural: Füllen
Aussprache
WorttrennungFül-le
Wortbildung mit ›Fülle‹ als Letztglied: ↗Ausdrucksfülle · ↗Bilderfülle · ↗Blütenfülle · ↗Cremefülle · ↗Crèmefülle · ↗Erlebnisfülle · ↗Fleischfülle · ↗Formenfülle · ↗Gedankenfülle · ↗Krautfülle · ↗Körperfülle · ↗Lebensfülle · ↗Leibesfülle · ↗Lichtfülle · ↗Machtfülle · ↗Materialfülle · ↗Mohnfülle · ↗Nussfülle · ↗Quarkfülle · ↗Schokoladenfülle · ↗Stimmfülle · ↗Stoff-Fülle · ↗Stofffülle · ↗Wortfülle · ↗Wurstfülle · ↗Überfülle
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
nur im Singular
große Menge
a)
Beispiele:
dieses Buch enthält eine Fülle origineller Gedanken, interessanter Beobachtungen
in B hat er eine Fülle von Berufsmöglichkeiten
bei seinem Besuch in Z hat er eine Fülle von Bekanntschaften gemacht
er hat dort eine Fülle von Anregungen erhalten
eine Fülle von Arbeit war zu bewältigen
aus der Fülle des vorliegenden (Wissens)stoffes auswählen
für diesen Gegenstand gibt es eine Fülle von Bezeichnungen
er hat eine Fülle von Aufgaben, verschiedener Aufgaben
eine ungeheure Fülle von Waren
auf dem Jahrmarkt herrschte eine beängstigende, erdrückende Fülle (= ein Gedränge)
in Fülle
Beispiele:
Bier und Wein gab es in Fülle
Gäste stellten sich in Fülle ein
veraltend Zeit hat sie die Fülle [WerfelBernadette525]
umgangssprachlich in Hülle und Füllesehr viel, übergenug
Beispiele:
Kleider hat sie in Hülle und Fülle
Essen und Trinken gab es in Hülle und Fülle
aber auch ohne sie [diese Besuche] habe ich Unterhaltung die Hülle und Fülle [FontanePoggenpuhlsI 4,80]
b)
gehoben Reichtum, Überfluss
Beispiele:
das Tuch konnte die Fülle ihrer Locken kaum bändigen
Er hatte es sich so schön ausgemalt, über den Hunger in der Fülle ... zu schreiben [RaabeHungerpastorI 1,538]
eine Landschaft von biblischem Frieden und herrlicher Fülle [Kisch1,179]
bildlich
Beispiele:
in dem Buch ist die bunte Fülle des Lebens eingefangen
in der Fülle seines Glücks
Er war ein Zauberer, der ihrer für einförmig gehaltenen Welt eine unglaubliche Fülle entlockte [SeghersDie Toten6,90]
daß Du Dich ganz gibst an Dein Begehren mit der unbedachten verschwenderischen Fülle Deines Wesens [St. ZweigAmok100]
2.
nur im Singular
das Dicksein, die Beleibtheit
Beispiele:
sie neigt zur Fülle
er ließ sich in seiner ganzen Fülle auf den Stuhl fallen
auch rieten ihm die Ärzte, möglichst oft auf die Jagd zu gehen, da ohne Bewegung die Fülle seines Leibes seine Gesundheit gefährde [Feuchtw.Füchse166]
3.
ostmitteldeutsch, süddeutsch, österreichisch Füllung in Lebensmitteln
Beispiele:
die Ente, Gans, der Pfannkuchen hat eine Fülle
die Fülle in der Torte
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fülle · füllig · Füllhorn · füllen · Füller · Füllfederhalter · Füllsel · Füllung
Fülle f. ‘Zustand des Vollseins, Menge, Umfang’, ahd. fullī, follī ‘Fülle, Sattheit, Sättigung’ (8. Jh.), mhd. mnd. vülle, aengl. fyllu, engl. fill, anord. fylli, got. (in der Zusammensetzung) ufarfullei ‘Überfülle’ ist Abstraktbildung (germ. *fullin-) zu dem unter ↗voll (s. d.) abgehandelten Adjektiv. füllig Adj. ‘beleibt, dick’, im 16. Jh. Übersetzung von lat. farsilis ‘gefüllt’. Füllhorn n. (Günther 1723), älter (17. Jh.) Horn der Fülle für lat. cornū cōpiae, ursprünglich ‘das Horn überreichen Segens’, bereits in antiker Darstellung ein mit Früchten und Blumen übervoll gefülltes Horn als Sinnbild des Überflusses und Reichtums. füllen Vb. ‘vollmachen’, ahd. fullen (8. Jh.), mhd. mnd. vüllen, asächs. fullian, mnl. nl. vullen, aengl. fyllan, engl. to fill, anord. schwed. fylla, got. fulljan ist eine faktitive Ableitung von dem unter ↗voll (s. d.) behandelten Adjektiv. Füller m. ‘wer etw. füllt, vollmacht’, spätmhd. vüller ‘Fresser und Säufer, wer Mörtel einfüllt und den Maurern zuträgt, Schankwirt’; Kurzform (20. Jh.) für Füllfederhalter m. nach voraufgehenden Füllfeder, Füllhalter. Füllsel n. ‘zum Füllen Dienendes ohne besonderen Wert’ (15. Jh.), s. das Suffix ↗-sal, ↗-sel. Füllung f. ‘das Füllen, ausfüllender Inhalt’, spätmhd. vüllunge ‘Anfüllung, Völlerei’; heute auch Kurzwort für Zahnfüllung (20. Jh.).

Thesaurus

Ökonomie
Synonymgruppe
Fülle · Gedeihen · ↗Wohlstand  ●  ↗Prosperität  fachspr., lat.
Assoziationen
Synonymgruppe
Fülle · ↗Menge · ↗Überfluss
Assoziationen
  • bis zum Überdruss  ●  ↗ad nauseam  geh., lat. · bis der Arzt kommt  ugs., fig. · bis die Haare bluten  ugs., fig. · bis es jemandem zu den Ohren wieder herauskommt  ugs. · bis jemand schwarz wird  ugs., fig. · bis zum Abwinken  ugs., fig. · bis zum Erbrechen  ugs., fig. · bis zum Gehtnichtmehr  ugs. · bis zum Tezett  ugs., veraltend · bis zum Umfallen  ugs., fig. · bis zum tz  ugs., veraltend · bis zur Vergasung  derb, fig., veraltend · ohne Ende  ugs.
Synonymgruppe
Fülle · ↗Reichhaltigkeit · ↗Reichtum · ↗Wohlhabenheit
Synonymgruppe
Anhäufung · ↗Anzahl · ↗Ballung · ↗Batzen · Fülle · ↗Haufen · ↗Heer · ↗Legion · ↗Masse · ↗Menge · ↗Reihe · ↗Schar · ↗Schwall · ↗Schwarm · ↗Schwung · ↗Serie · ↗Unmasse · ↗Unmaß · ↗Unmenge · ↗Unzahl · ↗Vielheit · ↗Vielzahl · ↗Wust · ↗Übermaß  ●  ↗Armee  ugs. · ↗Flut  ugs. · ↗Latte  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anregung Beleg Datum Detail Einfall Einzelheit Fakt Faktum Hülle Information Leere Material Stoff Vielfalt Wohllaut enthalten erdrückend herausgreifen reich unendlich unerschöpflich ungeheuer unglaublich unüberschaubar unübersehbar verschwenderisch verwirrend zusammentragen überbordend überwältigend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fülle‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da kann ich mich der Lust an der Fülle hingeben und auch mal dem Chaos frönen.
Süddeutsche Zeitung, 24.07.2004
Die Fülle an Bildern sprengt allerdings die Kapazitäten eines Modems.
Der Tagesspiegel, 18.12.2002
Eine Fülle an geschützten Pflanzen, zu denen seltene Arten hinzukommen, sind hier zu Hause.
Erwin Hemke, Neustrelitzer Seengebiet Wesenberg-Mirow-Fürstenberg: Berlin-Leipzig: VEB Tourist-Verlag 1979, S. 44
Die Fülle einschlägiger Arbeiten gestattet es nicht, auf einzelne Daten näher einzugehen.
Foppa, Klaus: Lernen, Gedächtnis, Verhalten, Köln u. a.: Kiepenheuer & Witsch 1965, S. 292
Aus der Fülle dieser Ereignisse will ich nur zwei herausgreifen.
o. A.: Einhundertneunundneunzigster Tag. Freitag, 9. August 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 10909
Zitationshilfe
„Fülle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fülle>, abgerufen am 26.08.2019.

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