Fülle, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Fülle · Nominativ Plural: Füllen
Aussprache  [ˈfʏlə]
Worttrennung Fül-le
Mehrwortausdrücke  in Hülle und Fülle

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. große Menge
    1. a) ...
    2. b) [gehoben] Reichtum, Überfluss
  2. 2. das Dicksein, die Beleibtheit
  3. 3. [ostmitteldeutsch, süddeutsch, österreichisch] Füllung in Lebensmitteln
eWDG

Bedeutungen

1.
große Menge
Grammatik: nur im Singular
a)
Beispiele:
dieses Buch enthält eine Fülle origineller Gedanken, interessanter Beobachtungen
in B hat er eine Fülle von Berufsmöglichkeiten
bei seinem Besuch in Z hat er eine Fülle von Bekanntschaften gemacht
er hat dort eine Fülle von Anregungen erhalten
eine Fülle von Arbeit war zu bewältigen
aus der Fülle des vorliegenden (Wissens)stoffes auswählen
für diesen Gegenstand gibt es eine Fülle von Bezeichnungen
er hat eine Fülle von Aufgaben, verschiedener Aufgaben
eine ungeheure Fülle von Waren
auf dem Jahrmarkt herrschte eine beängstigende, erdrückende Fülle (= ein Gedränge)
in Fülle
Beispiele:
Bier und Wein gab es in Fülle
Gäste stellten sich in Fülle ein
veraltendZeit hat sie die Fülle [ WerfelBernadette525]
in Hülle und Fülle (= sehr viel, übergenug)
Beispiele:
Kleider hat sie in Hülle und Fülle
Essen und Trinken gab es in Hülle und Fülle
aber auch ohne sie (= diese Besuche) habe ich Unterhaltung die Hülle und Fülle [ FontanePoggenpuhlsI 4,80]
b)
gehoben Reichtum, Überfluss
Beispiele:
das Tuch konnte die Fülle ihrer Locken kaum bändigen
Er hatte es sich so schön ausgemalt, über den Hunger in der Fülle […] zu schreiben [ RaabeHungerpastorI 1,538]
eine Landschaft von biblischem Frieden und herrlicher Fülle [ Kisch1,179]
bildlich
Beispiele:
in dem Buch ist die bunte Fülle des Lebens eingefangen
in der Fülle seines Glücks
Er war ein Zauberer, der ihrer für einförmig gehaltenen Welt eine unglaubliche Fülle entlockte [ SeghersDie Toten6,90]
daß Du Dich ganz gibst an Dein Begehren mit der unbedachten verschwenderischen Fülle Deines Wesens [ St. ZweigAmok100]
2.
das Dicksein, die Beleibtheit
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
sie neigt zur Fülle
er ließ sich in seiner ganzen Fülle auf den Stuhl fallen
auch rieten ihm die Ärzte, möglichst oft auf die Jagd zu gehen, da ohne Bewegung die Fülle seines Leibes seine Gesundheit gefährde [ Feuchtw.Füchse166]
3.
ostmitteldeutsch, süddeutsch, österreichisch Füllung in Lebensmitteln
Beispiele:
die Ente, Gans, der Pfannkuchen hat eine Fülle
die Fülle in der Torte
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fülle · füllig · Füllhorn · füllen · Füller · Füllfederhalter · Füllsel · Füllung
Fülle f. ‘Zustand des Vollseins, Menge, Umfang’, ahd. fullī, follī ‘Fülle, Sattheit, Sättigung’ (8. Jh.), mhd. mnd. vülle, aengl. fyllu, engl. fill, anord. fylli, got. (in der Zusammensetzung) ufarfullei ‘Überfülle’ ist Abstraktbildung (germ. *fullin-) zu dem unter voll (s. d.) abgehandelten Adjektiv. füllig Adj. ‘beleibt, dick’, im 16. Jh. Übersetzung von lat. farsilis ‘gefüllt’. Füllhorn n. (Günther 1723), älter (17. Jh.) Horn der Fülle für lat. cornū cōpiae, ursprünglich ‘das Horn überreichen Segens’, bereits in antiker Darstellung ein mit Früchten und Blumen übervoll gefülltes Horn als Sinnbild des Überflusses und Reichtums. füllen Vb. ‘vollmachen’, ahd. fullen (8. Jh.), mhd. mnd. vüllen, asächs. fullian, mnl. nl. vullen, aengl. fyllan, engl. to fill, anord. schwed. fylla, got. fulljan ist eine faktitive Ableitung von dem unter voll (s. d.) behandelten Adjektiv. Füller m. ‘wer etw. füllt, vollmacht’, spätmhd. vüller ‘Fresser und Säufer, wer Mörtel einfüllt und den Maurern zuträgt, Schankwirt’; Kurzform (20. Jh.) für Füllfederhalter m. nach voraufgehenden Füllfeder, Füllhalter. Füllsel n. ‘zum Füllen Dienendes ohne besonderen Wert’ (15. Jh.), s. das Suffix -sal, -sel. Füllung f. ‘das Füllen, ausfüllender Inhalt’, spätmhd. vüllunge ‘Anfüllung, Völlerei’; heute auch Kurzwort für Zahnfüllung (20. Jh.).

Thesaurus

Ökonomie
Synonymgruppe
Fülle · Gedeihen · Wohlstand  ●  Prosperität  fachspr., lat.
Assoziationen
Synonymgruppe
Fülle · Menge · Überfluss
Synonymgruppe
Synonymgruppe
Anhäufung · Anzahl · Ballung · Batzen · Fülle · Haufen · Heer · Legion · Masse · Menge · Reihe · Schar · Schwall · Schwarm · Schwung · Serie · Unmasse · Unmaß · Unmenge · Unzahl · Vielheit · Vielzahl · Wust · Übermaß  ●  Armee  ugs. · Flut  ugs. · Latte  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Fülle‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fülle‹.

Verwendungsbeispiele für ›Fülle‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Fülle einschlägiger Arbeiten gestattet es nicht, auf einzelne Daten näher einzugehen. [Foppa, Klaus: Lernen, Gedächtnis, Verhalten, Köln u. a.: Kiepenheuer & Witsch 1965, S. 292]
Damals gab es noch nicht wie heute die Fülle der gedruckten Noten. [Ruer, Annemarie: Junge Künstler. In: Ins Leben hinaus, Stuttgart: Union Dt. Verl.-Ges. 1931, S. 55]
Diesen Herren wird man nichts vormachen können, sie sind auf der Hut, trotz ihrer Fülle angespannt. [Busch, Werner: Das sentimentalische Bild, München: Beck 1993, S. 418]
Aus der Fülle der verfügbaren Modi gibt er eine wohlerwogene Auswahl. [Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Tübingen: Francke 1993 [1948], S. 223]
In den ersten Tagen, da gäbe es noch immer eine Fülle von Arbeit. [Wilhelm II. (Kaiser des Deutschen Reiches): Gespräch mit Ganghofer. In: Johann, Ernst (Hg.), Reden des Kaisers, München: Deutscher Taschenbuch-Verl. 1966 [12.11.1906], S. 110]
Zitationshilfe
„Fülle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/F%C3%BClle>.

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