Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Fürbitte, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Fürbitte · Nominativ Plural: Fürbitten · wird meist im Singular verwendet
Aussprache  [ˈfyːɐ̯bɪtə]
Worttrennung Für-bit-te
Wortzerlegung für1 Bitte
Wortbildung  mit ›Fürbitte‹ als Erstglied: Fürbittegottesdienst

Bedeutungsübersicht+

  1. ...
    1. a) Gebet für jmd. anderes
    2. b) [übertragen, gehoben] Bitte für jmd. anderes (um etw.)
eWDG und ZDL

Bedeutung

Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: eine Fürbitte [für jmdn.] einlegen
Beispiele:
(bei jmdm.) für jmdn. Fürbitte einlegen, tunWDG
jmds. Fürbitte erhörenWDG
a)
Gebet für jmd. anderes
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine gottesdienstliche Fürbitte
als Akkusativobjekt: die Fürbitte verlesen, sprechen
in Präpositionalgruppe/-objekt: jmdn. in die, seine Fürbitten einschließen
Beispiele:
in sein Gebet eine Fürbitte für jmdn. einschließenWDG
Wie immer wird bei der Predigt und den Fürbitten aller und besonders der im letzten Jahr verstorbenen Mitglieder gedacht. [Landshuter Zeitung, 01.06.2022]
Die Fürbitte an Heilige zu richten und Reliquien dieser zu verehren, war [in der Reformationszeit] Bestandteil des damaligen Klosteralltages. [Döbelner Allgemeine Zeitung, 19.10.2021]
Noch heute trauern die Polizisten um ihren getöteten Kollegen. […] Das zeigte sich an dem Großaufgebot an Polizeibeamten, die sich am 20. Todestag von Markus J[…] an dessen Grab versammelten. Sie beteten für den erschossenen Kollegen und lasen Fürbitten vor. [Mittelbayerische, 23.01.2015]
Die Schulgemeinschaft des Gymnasiums St. Kaspar wanderte zum Schuljahresbeginn gemeinsam zur Kluskapelle, um dort einen Gottesdienst zu feiern. […] Die Fürbitten, die von Schülerinnen und Schülern vorgetragen wurden, richteten sich an Gott mit konkreten Anliegen für das kommende Schuljahr, in dem es gilt, gemeinsam zu arbeiten und zu lernen, aber auch Freude miteinander zu erfahren. [Neue Westfälische, 29.08.2012]
Die Thomaskirchgemeinde hielt für Johannes R[…] beim Gottesdienst am Sonntag eine Fürbitte ab. [Leipziger Volkszeitung, 10.03.2004]
b)
übertragen, gehoben Bitte für jmd. anderes (um etw.)
Beispiele:
[…] Esther wurde also Königin. Zur gleichen Zeit bot ein Minister dem König ein riesiges Vermögen, wenn er die Juden ausrotten dürfte. Esther hat daraufhin beim König Fürbitte für die Juden geleistet, und schliesslich wurde der Minister gehängt, und die Juden überlebten. Daran erinnert Purim. [Der Bund, 17.10.1998]
Pfarrer S[…] nahm sie daraufhin [nachdem sie berichtet hatte, dass der Vater ihr verboten hätte, zum Tanz zu gehen] bei der Hand und ging mit ihr ins Haus und legte bei ihrem Vater Fürbitte ein. Sie einigten sich mit der Bedingung, dass sie um 10 Uhr wieder zu Hause sein musste. [Badische Zeitung, 20.04.2020]
Vor wenigen Wochen äußerte Angela Merkel einen Wunsch: »Die EEG‑Umlage (= Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes) soll nicht über ihre heutige Größenordnung hinaus steigen; heute liegt sie bei etwa 3,5 Cent pro Kilowattstunde«, sagte die Bundeskanzlerin in einer Rede im Bundestag. Glück gehabt. Die für die Berechnung der Umlage verantwortlichen Netzbetreiber und die Bundesnetzagentur, die erstere überwacht, haben Merkels Fürbitte erhört. Für das kommende Jahr haben sie die Umlage auf 3,592 Cent pro Kilowattstunde festgelegt. [Die Zeit, 14.10.2011]
Am Neujahrsabend […] wurde unser Haus vollständig durchsucht. Wir schuldeten dem Ortsgewaltigen etwas Geld. So wurde uns alles, was wir besaßen, von dem winzigen Stück Land bis zu meiner zerfetzten Bettdecke, genommen. Dank der Fürbitte einiger Nachbarn durften wir einen zerbrochenen Kochtopf zum Reiskochen behalten. [Neues Deutschland, 11.10.1958]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bitten · bitte · verbitten · Bitte · Abbitte · Fürbitte · Bittschrift · Bittsteller
bitten Vb. ‘höflich auffordern’, ahd. bitten ‘(er)bitten, flehen, (an)beten’ (8. Jh.), mhd. bitten, auch ‘(vor Gericht) laden, wünschen, heißen, befehlen’, asächs. biddian, mnd. mnl. nl. bidden, afries. bidda, anord. biðja, schwed. bedja, got. bidjan (germ. *bedjan). Die Etymologie ist umstritten. Denkbar ist Verwandtschaft mit aind. bā́dhatē ‘drückt, drängt, zwingt’, für das unter Berufung auf aind. jñubā́dh- ‘die Knie beugend’ eine ältere Bedeutung ‘beugt (nieder)’ erschlossen wird. Dazu stellt man toch. B peti ‘Achtung, Verehrung’. Damit ergäbe sich für bitten Zugehörigkeit zu einer Wurzel ie. *bhedh- ‘krümmen, beugen, drücken, plagen’. Doch auch Zusammenhang mit ahd. mhd. beiten ‘vorwärtsdrängen, Zwang ausüben’, aengl. bǣdan ‘dringend bitten, drängen, zwingen’, anord. beiða ‘fordern, verlangen’, got. baidjan ‘antreiben, zwingen’ ist möglich. Dann wäre mit aslaw. běditi ‘nötigen, zwingen’, russ. (älter) bedít’ (бедить) ‘Leid antun’, russ. pobedít’ (победить) ‘(be)siegen’, griech. pé͞ithein (πείθειν) ‘überreden, überzeugen’, medial ‘(ver)trauen, sich überreden lassen’ an die Wurzel ie. *bheidh- ‘zureden, zwingen’, medial ‘sich einreden lassen, vertrauen’ anzuknüpfen. Die germ. Grundform von bitten gehört in diesem Fall zur Schwundstufe der Wurzel und wäre sekundär in die Ablautreihe anderer starker j-Präsentien (wie sitzen, liegen) übergetreten. Auf Grund der These, daß anlautendes ie. gṵh- zu b- geworden sei, tritt Seebold 93 für eine dritte Möglichkeit ein und geht von einer Kontamination der Wurzeln ie. *bheidh- (s. oben) und ie. *gṵhedh- ‘bitten, verlangen’ aus, wozu griech. pothé͞in (ποθεῖν, aus *gṵhodh-) ‘ersehnen’, air. guidid ‘bittet’, lit. gedáuti ‘wünschen, begehren, heischen’, aslaw. žędati ‘dürsten, verlangen, ersehnen’, russ. (älter) žadát’ (жадать) ‘begehren, dürsten, lechzen’, russ. žádnyj (жадный) ‘gierig, unersättlich, habsüchtig, geizig’. S. auch Gebet, betteln. Die adverbial gebrauchte Höflichkeitsformel bitte ist eine im 18. Jh. aufkommende (in gesprochener Sprache wohl ältere) Verkürzung aus ich bitte. – verbitten Vb. ‘mit Nachdruck verlangen, daß etw. unterbleibt, entschieden zurückweisen’, besonders sich etw. verbitten (18. Jh.), zuvor ‘etw. erbitten, für jmdn. eintreten’ (16. Jh.). Bitte f. ‘inständig oder höflich vorgetragener Wunsch’, Neubildung des 15. Jhs. zum Verb, ahd. beta ‘Bitte, Gebet’ (9. Jh.), mhd. bet(e), auch ‘Gebot, Abgabe’ (wozu asächs. beda, mnd. bēde, mnl. bede, aengl. bedu, got. bida) ablösend. Abbitte f. ‘Bitte um Verzeihung’, vgl. Abbitte tun, leisten (16. Jh.). Fürbitte f. ‘Bitte (besonders im Gebet) für einen anderen’ (16. Jh.). Bittschrift f. (16. Jh.), für gleichbed. lat. supplicātio. Bittsteller m. ‘wer (an höherer Stelle) eine Bitte um Hilfe vorträgt’ (18. Jh.).

Thesaurus

Religion
Synonymgruppe
Bitte · Fürbitte  ●  Litanei  veraltet · Rogation  veraltet
Religion
Synonymgruppe
Fürbitte · Gebet · Gespräch mit Gott
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Fürbitte‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fürbitte‹.

Zitationshilfe
„Fürbitte“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/F%C3%BCrbitte>.

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