Faden, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Fadens · Nominativ Plural: Fäden/Faden
Aussprache
WorttrennungFa-den
Wortbildung mit ›Faden‹ als Erstglied: ↗Fadenbakterie · ↗Fadenende · ↗Fadenheftung · ↗Fadenkreuz · ↗Fadenlauf · ↗Fadenmolekül · ↗Fadennetz · ↗Fadennudel · ↗Fadenpilz · ↗Fadenregen · ↗Fadenschlag · ↗Fadensommer · ↗Fadensonde · ↗Fadenstärke · ↗Fadenwurm · ↗Fädchen · ↗fadendünn · ↗fadenförmig · ↗fadengerade · ↗fadenlos · ↗fadenscheinig
 ·  mit ›Faden‹ als Letztglied: ↗Altweiberfaden · ↗Anschlagfaden · ↗Ariadnefaden · ↗Bartfäden · ↗Bastfaden · ↗Baumwollfaden · ↗Bindfaden · ↗Bronzefaden · ↗Dederonfaden · ↗Fangfaden · ↗Flachsfaden · ↗Fühlfaden · ↗Gedankenfaden · ↗Geduldsfaden · ↗Gesprächsfaden · ↗Glasfaden · ↗Glühfaden · ↗Glühlampenfaden · ↗Goldfaden · ↗Handlungsfaden · ↗Hanffaden · ↗Heftfaden · ↗Kettenfaden · ↗Kettfaden · ↗Kohlefaden · ↗Kohlenfaden · ↗Lamettafaden · ↗Lebensfaden · ↗Leinenfaden · ↗Leitfaden · ↗Längsfaden · ↗Metallfaden · ↗Nervenfaden · ↗Nesselfaden · ↗Nähfaden · ↗Oberfaden · ↗Perlonfaden · ↗Pilzfaden · ↗Querfaden · ↗Reihfaden · ↗Samenfaden · ↗Schicksalsfaden · ↗Schussfaden · ↗Seidenfaden · ↗Silberfaden · ↗Sonnenfaden · ↗Spinnenfaden · ↗Spinnfaden · ↗Spinnwebfaden · ↗Staubfaden · ↗Tastfaden · ↗Unterfaden · ↗Verbindungsfaden · ↗Webfaden · ↗Wolframfaden · ↗Wollfaden · ↗Zwirnsfaden · ↗Zwischenfaden
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Pl. Fäden
langes, in bestimmter Feinheit aus Fasern gesponnenes Gebilde
a)
Beispiele:
ein dünner, feiner, fester Faden
kurze, lange Fäden
ein weißer Faden
ein Faden aus Wolle, Seide
ein Faden Zwirn
der Faden ist gerissen
umgangssprachlich der Faden ist verfitzt
ein gedrehter, gezwirnter, fein gesponnener, verknoteter Faden
einen Faden einfädeln, verstechen, abschneiden, abreißen (= einen Nähfaden einfädeln, verstechen, abschneiden, abreißen)
Fäden knüpfen
etw. mit einem Faden umwickeln
sie kann mit Nadel und Faden umgehen (= sie kann nähen)
die Fäden des Gewebes (= Webfäden)
für den Hohlsaum einige Fäden ziehen
wie laufen die Fäden in diesem Gewebe?
Medizin acht Tage nach der Operation wurden die Fäden gezogen
sprichwörtlich kurze Fädchen – fleißige Mädchen, lange Fädchen – faule Mädchen (= mit kurzen Fäden muss man beim Nähen zwar öfter anknüpfen, hat aber weniger Mühe, weil sie sich nicht verfitzen)
sprichwörtlich kein Faden ist so fein gesponnen, er kommt endlich an die Sonnen (= alles kommt ans Tageslicht, nichts bleibt verborgen)
[die Hausfrau] … dreht um die schnurrende Spindel den Faden [SchillerGlocke]
lernte Nadel und Faden gut gebrauchen [BöllBillard236]
bildlich
Beispiele:
sein Leben hängt nur an einem (dünnen, seidenen) Faden (= sein Leben ist äußerst bedroht)
es hing (nur) an einem Faden, ob uns das Risiko gelingen würde (= es war sehr ungewiss, ob uns das Risiko gelingen würde)
umgangssprachlich keinen trockenen Faden auf dem Leib haben (= völlig durchnässt sein)
umgangssprachlich keinen ganzen, heilen Faden auf dem Leibe haben (= völlig zerschlissene Kleidung tragen)
umgangssprachlich die beiden spinnen keinen guten Faden miteinander (= verstehen sich nicht)
umgangssprachlich er spinnt seinen Faden (= lebt auf seine Weise dahin)
umgangssprachlich immer den gleichen Faden spinnen (= immer dasselbe erzählen)
umgangssprachlich da beißt die Maus keinen, keine Maus einen Faden ab (= es ist unabänderlich, dagegen ist nichts zu machen)
übertragen
Beispiele:
keinen guten Faden an jmdm. lassen (= jmdm. nur Schlechtes nachsagen)
es blieb kein guter Faden an ihm
schweizerisch, veraltend eine Rede zu Faden schlagen (= in den wesentlichen Zügen ausarbeiten)
salopp nach Strich und Fadengründlich
Beispiele:
jmdn., etw. nach Strich und Faden tadeln
jmdn. nach Strich und Faden verleumden, betrügen, verprügeln
ostmitteldeutsch, salopp
Beispiele:
es geht zu Faden (= es geht gut vorwärts, wird emsig gearbeitet)
bei dem Fest ging es zu Faden (= ging es lustig, toll zu)
sie stritten sich, es ging zu Faden (= es ging heftig zu)
b)
meist im Plural
übertragen Beziehung, Verbindung, Verbindungslinie
Beispiele:
die Fäden, die von der Wirtschaft zur Politik laufen
zwischen den feindlichen Parteien die zerrissenen Fäden verknüpfen, zusammenknüpfen
Fäden anknüpfen
alle Fäden dieses Betriebes laufen in einer Hand, bei jmdm. zusammen
er hält, behält die Fäden (dieses Unternehmens) in seiner Hand, hat alle Fäden in der Hand (= er ist in alle Angelegenheiten eingeweiht und kann alles entscheiden, hat praktisch die Oberherrschaft)
die Fäden (= die einzelnen, entscheidend mitwirkenden Faktoren) eines Komplotts, eines Verbrechens aufdecken
Jeder Faden des Großbetriebes lag in ihrer Hand [ZahnFrau Sixta48]
c)
übertragen gedanklicher Zusammenhang, gedankliche Entwicklungslinie
Beispiele:
er hat während der Rede den Faden verloren
der Faden der Unterhaltung, Rede riss ab
den Faden des (abgebrochenen, unterbrochenen) Gesprächs wieder aufnehmen
den Faden wiederfinden, wieder anknüpfen, wieder aufgreifen
das Drehbuch muss die Fäden straffer knüpfen
Er fühlte ... daß ihm der Faden der Rede entgleiten wollte [I. SeidelLabyrinth160]
der rote Fadeneinheitlicher Grundgedanke
Beispiele:
dieses Motiv zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Werk hindurch
er suchte in der Schilderung den roten Faden zu finden
2.
Pl. Fäden
Dinge, die einem Faden äußerlich ähnlich sind
a)
Beispiele:
dichterisch silberne Fäden durchziehen ihr dunkles Haar
dichterisch die goldenen Fäden (= Strahlen) der Sonne
Eine dicke Kreuzspinne zog einen Faden von der Tanne herunter zum rötlichen Haar [L. FrankMathilde5,11]
dichterisch Wie der Herbst die ganze Heide mit den unsichtbaren Fäden des Nachsommers überspinnt [Stifter1,456]
dichterisch ein Faden weißen Rauches [Storm1,99]
dichterisch durch die kühle steinerne Kellerluft zog in süßen zögernden Fäden der Duft von Rosen [HesseNarziß5,52]
b)
umgangssprachlich etw. zieht Fädenetw. ist zähflüssig
Beispiele:
der Honig, Sirup zieht Fäden
die Zuckerlösung so lange kochen, bis sie Fäden zieht
dieses Weißbrot kann man nicht mehr essen, es zieht Fäden (= dieses Weißbrot ist verdorben, sodass sich beim Brechen des Brotes Fäden zeigen)
c)
holzige Faser an der Naht der beiden Hälften der Bohnenschale, Schotenschale
Beispiel:
von den Bohnen, Schoten die Fäden abziehen
fadenförmige Wurzel
Beispiel:
die Fäden des Pilzgeflechts ziehen sich durch den Boden
d)
Glühfaden
Beispiel:
der feine Faden der Glühbirne
3.
Pl. Faden
Seemannssprache Maßeinheit, die eine Wassertiefe und eine Weite von etwa 1,80 Meter angibt
Beispiele:
die Fahrrinne ist vier Faden tief
Sie waren noch nicht mehr als zwanzig Faden vom Ufer entfernt [Bergengr.Pelageja45]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Faden · fädeln · einfädeln · fadenscheinig
Faden m. ‘gesponnene Woll- oder Baumwollfasern’, auch Längenmaßeinheit, ahd. fadam, fadum ‘Garn, Klafter’ (8. Jh.), mhd. vadem (-m bis ins 17. Jh. bezeugt), vaden (seit dem 14. Jh.) ‘Faden, Garn, Schnur, Draht’, asächs. faðmos (Plur.) ‘Maß von 6 Fuß, Klafter, die ausgebreiteten Arme’, mnd. mnl. vādem ‘Maß der ausgebreiteten Arme, zu 6 Fuß gerechnet (auf Garne, Tauwerke, Meerestiefen bezogen), Faden, 6 Fuß hoher und 6 Fuß breiter Haufen Brennholz, Klafter Holz’, aengl. fæþm ‘Umarmung, Klafter, Schutz, Busen, Faden, Elle’, engl. fathom ‘ausgebreitete Arme, Längenmaß von 6 Fuß’, nl. vadem ‘Klafter, Zwirn’, anord. faðmr ‘Umfassung, Umarmung, Busen’, schwed. famn (germ. *faþma-) gehen mit lat. patēre ‘sich erstrecken, offenstehen’ und griech. petannȳ́nai (πεταννύναι) ‘ausbreiten, öffnen’ auf die Wurzel ie. *pet- ‘ausbreiten’ (besonders die Arme) zurück. In den germ. Sprachen bezeichnet das Wort als Maßeinheit die Länge der ausgebreiteten Arme (1 Faden = 6 Fuß oder 1 Klafter), danach das Gemessene, den Faden (Garn, Schnur usw.), seit dem 15. Jh. das Maß für die Meerestiefe; ausgehend von der Vorstellung der schützend ausgebreiteten Arme auch ‘Schutz’ und ‘Umarmung’. roter Faden ‘durch eine Erzählung oder Darstellung hindurchgehende Leitlinie, Leitmotiv’, bildliche Verwendung (Goethe 1809) in Anlehnung an den roten oder überhaupt farbigen Faden, den die britische Flotte (seit 1776) als Eigentumszeichen in das Tauwerk eindrehen läßt. fädeln Vb. ‘auf einen Faden reihen, einen Faden durch eine enge Öffnung ziehen’, im 18. Jh. wohl zum Deminutivum Fädel gebildet. Oder iterativ zu älterem (bis ins 17. Jh. bezeugtem) fädmen? Vgl. ahd. fadumōn ‘spinnen, einfädeln, nähen’ (Hs. 12. Jh.), mhd. vedemen. einfädeln Vb. (17. Jh.), älter (16. Jh.) einfademen, einfädmen. fadenscheinig Adj. ‘abgenutzt, daß die einzelnen Fäden sichtbar sind, abgewetzt, durchsichtig’ (18. Jh.), älter fadenscheinisch (17. Jh.) und fadenschein (16. Jh.), zu mhd. schīn Adj. ‘sichtbar’ (s. ↗scheinen).

Thesaurus

Synonymgruppe
Faden · ↗Garn · ↗Zwirn
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Faden · ↗Faser · ↗Litze
Assoziationen
  • Faser-Kunststoff-Verbund · Faserverbundkunststoff · faserverstärkter Kunststoff
  • Hartfaserplatte · Kabak-Platte · harte Faserplatte
  • MDF-Platte · mitteldichte Faserplatte · mitteldichte Holzfaserplatte
  • Holzfaserdämmplatte · Holzweichfaserplatte · Weichholzfaserplatte

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ariadne Gewebe Hand Marionette Nadel Strich abbeißen abgerissen durchziehen dünn entwirren fein gesponnen hangen hängen knüpfen los reißen rot seiden spannen spinnen unsichtbar verknüpfen weben weiterspinnen zeihen ziehen zusammenhalten zusammenlaufen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Faden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Am Ende weiß man gar nicht so genau, was man gerade gegessen hat, Fäden kleben zwischen den Zähnen.
Die Zeit, 08.08.2007, Nr. 33
Und trotzdem zieht sich durch die Werke ein roter Faden.
Der Tagesspiegel, 06.02.2004
Wir erklären das Knüpfen am besten mit 2 verschiedenfarbigen Fäden.
Frost, Margarete: Aus bunten Fäden, Leipzig: Verl. für die Frau 1986, S. 0
Vergebens versuchte er den Faden wieder aufzunehmen, der vorher so bunt geschimmert hatte.
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 999
Hier unterbreche ich den Faden der persönlichen Erlebnisse, um meinen Lesern zunächst einiges über das Land zu erzählen, dem ich fast drei Jahre angehören sollte.
Kubin, Alfred: Die andere Seite, München: Spangenberg 1990 [1909], S. 48
Zitationshilfe
„Faden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Faden>, abgerufen am 21.04.2019.

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