Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Fahrstuhl, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Fahrstuhl(e)s · Nominativ Plural: Fahrstühle
Aussprache 
Worttrennung Fahr-stuhl
Wortzerlegung fahren Stuhl1
Wortbildung  mit ›Fahrstuhl‹ als Erstglied: Fahrstuhleffekt · Fahrstuhlführer · Fahrstuhlmannschaft · Fahrstuhlmusik · Fahrstuhlschacht
 ·  mit ›Fahrstuhl‹ als Letztglied: Hauptfahrstuhl · Krankenfahrstuhl · Rollfahrstuhl · Weltraumfahrstuhl
eWDG

Bedeutungen

1.
Aufzug für Personen, Lift
Beispiele:
der Fahrstuhl eines Hochhauses
mit dem, im Fahrstuhl fahren
den Fahrstuhl benutzen
der Fahrstuhl steigt, sinkt
den Fahrstuhl selbst bedienen
2.
dreirädriger Rollstuhl für Kranke und Gehbehinderte
Beispiel:
als sie in ihrem Fahrstuhl durch den Park geschoben wurde [ FusseneggerAntlitz40]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fahren · zerfahren1 · zerfahren2 · Fahrer · fahrend · fahrig · fahrlässig · Fahrlässigkeit · Vorfahr · Nachfahr · Fahrgast · Fahrkarte · Fahrschein · Fahrplan · Fahrrad · Fahrstuhl · Fahrzeug
fahren Vb. ‘sich mit einem Fahrzeug fortbewegen, es lenken, steuern’. Ahd. faran (8. Jh.), mhd. varn, varen, asächs. aengl. faran (engl. to fare ‘ergehen, leben’), mnd. mnl. vāren, nl. varen, anord. fara, schwed. fara, got. faran ist ursprünglich die allgemeinste Bezeichnung für jede Art der Fortbewegung (‘gehen, reiten, fahren, schwimmen, fliegen’ in sich einschließend) und wird erst allmählich auf die Fortbewegung mit Wagen, Schiffen, Fahrzeugen aller Art eingeschränkt; doch vgl. noch fahrendes (‘umherziehendes’) Volk, den Abschiedsgruß fahr wohl sowie Schlittschuh, Ballon fahren. Das gemeingerm. Verb gehört mit griech. perā́n (περᾶν) ‘hinüberbringen, durchdringen, hindurchkommen’, póros (πόρος) ‘Durch-, Zu-, Übergang’, poré͞uesthai (πορεύεσθαι) ‘reisen’, lat. portāre ‘tragen, bringen’, aslaw. pьrati ‘emporfliegen, sich erheben’, russ. (derb) perét’ (переть) ‘gehen’ zur Wurzel ie. *per(ə)- ‘hinüberführen, -bringen, -kommen, übersetzen, durchdringen, fliegen’; s. auch Fähre, Fahrt, Fjord, Furt, führen. zerfahren1 Vb. ‘zerfallen, vergehen, durch Fahren beschädigen’, ahd. zirfaran ‘zergehen’ (Hs. 12. Jh.), mhd. zervarn ‘auseinander, in Stücke gehen’. zerfahren2 Part.adj. ‘ausgefahren, durch Fahren beschädigt’, meist übertragen ‘auseinander gefallen, nicht festen Sinnes, unkonzentriert, unbeständig, gedankenlos’ (19. Jh.). Fahrer m. ‘Lenker eines Fuhrwerks’ (18. Jh.), Nomen agentis zu fahren, in der Bedeutung ‘Lenker eines Kraftwagens, Chauffeur’ um 1900 wohl aus Kraftwagenfahrer verkürzt. Früher bezeugt als Grundwort von Komposita, vgl. mhd. lantvarære, nhd. Landfahrer ‘Reisender, Pilger, Landstreicher’, See-, Wallfahrer (17. Jh.). fahrend Part.adj. ‘ohne festen Aufenthaltsort’, ahd. faranti substantiviert ‘Reisender’ (8./9. Jh.), adjektivisch in der Wendung (10. Jh.) farantēr scaz, mhd. varndeʒ guot, nhd. fahrende Habe ‘beweglicher Besitz’; mhd. varnde ‘wandernd, umherziehend’ (von Spielleuten u. dgl., varndiu diet ‘umherziehendes, nicht seßhaftes Volk’). fahrig Adj. ‘unruhig, hastig, unkonzentriert’, spätmhd. verec, veric ‘zur Ausfahrt bereit’, nhd. ferig ‘behende, rasch’ (16. Jh.), danach erst wieder in der heutigen Bedeutung seit dem 18. Jh. durchgehend gebräuchlich. fahrlässig Adj. ‘unachtsam, nachlässig’ (15. Jh.), aus der verbalen Wendung mhd. varn lāʒen ‘geschehen lassen, nachlässig sein, ungestraft lassen’ weitergebildet (nicht zu lässig Adj., s. d.); häufig in der Rechtssprache; Fahrlässigkeit f. ‘(strafbare) Unachtsamkeit’ (15. Jh.). Vorfahr m. ‘Ahne’, mhd. vorvar(e), mnd. vorvāre, eigentlich ‘Vorangehender’. Nachfahr m. ‘Nachkomme’, mhd. nāchvar. Fahrgast m. (2. Hälfte 19. Jh.), Verdeutschung für Passagier (s. d.), Fahrkarte f. auch Fahrschein m. (Ende 19. Jh.), Verdeutschung für Billett (s. d.), und Fahrplan m. ‘Verzeichnis der Fahrzeiten öffentlicher Verkehrsmittel’ (2. Hälfte 19. Jh.) sind mit der Entwicklung des Eisenbahnwesens entstanden. Fahrrad n. ‘einspuriges zweirädriges Tretfahrzeug’ (Ende 19. Jh.), Verdeutschung für Veloziped (von frz. vélocipède, zu lat. vēlōx ‘schnell’ und pēs ‘Fuß’ gebildet), modern meist verkürzt zu Rad (s. d.). Fahrstuhl m. ‘Lift’ (17. Jh.), daneben anfangs auch Fahrsessel m., zuerst in mittelalterlichen Bergwerken und in der Kriegsbaukunst verwendet und Aufzug (vgl. spätmhd. ūfzuc ‘Vorrichtung zum Aufziehen’, s. ziehen) genannt; seit der 2. Hälfte des 19. Jhs. für den elektrischen Lift (s. d.). Fahrzeug n. ‘fahrbare Einrichtung zur Beförderung von Personen und Gütern’; zum zweiten Kompositionsglied s. Zeug. Mnd. vārtǖch ‘Fahrzeug, Wagen’, nl. vaartuig ‘Schiff, Boot, Wagen’ (17. Jh.), seit dem 17. Jh. in hd. Texten (zuerst z. B. in Reisebeschreibungen) als Bezeichnung für ‘Schiff’ belegt (so bis zum Anfang des 20. Jhs.), erst im 19. Jh. wird die Verwendung ‘Wagen’ häufiger, modern vielfach für Auto.

Thesaurus

Synonymgruppe
Aufzug · Aufzugsanlage · Fahrstuhl · Lift
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Fahrstuhl‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fahrstuhl‹.

Verwendungsbeispiele für ›Fahrstuhl‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es war kurz nach zwei, ich hörte den Fahrstuhl fahren. [Hein, Christoph: Drachenblut, Darmstadt: Luchterhand 1983 [1982], S. 46]
Und plötzlich gab es einen Ruck, das Licht ging wieder an, und der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung. [Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 158]
Während die einen durch die Institutionen marschierten, nahmen die andern den Fahrstuhl. [Die Zeit, 14.10.1999, Nr. 42]
Plötzlich kann der kleine Angestellte seinem Chef im Fahrstuhl in die Augen sehen, statt verlegen an die Wand zu starren. [Die Zeit, 07.02.1997, Nr. 7]
Im Fahrstuhl beschließe ich, auf jeden Fall zum nächsten Kostümfest zu gehen. [Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 07.03.1922]
Zitationshilfe
„Fahrstuhl“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fahrstuhl>.

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