Falte, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Falte · Nominativ Plural: Falten
Aussprache
WorttrennungFal-te
Wortbildung mit ›Falte‹ als Erstglied: ↗Faltenbalg · ↗Faltenbildung · ↗Faltengebirge · ↗Faltengesicht · ↗Faltengewand · ↗Faltenpartie · ↗Faltenrock · ↗Faltenteil · ↗Faltenwurf · ↗Fältchen · ↗faltenfrei · ↗faltenlos · ↗faltenreich · ↗faltig
 ·  mit ›Falte‹ als Letztglied: ↗Bauchfalte · ↗Bergfalte · ↗Bodenfalte · ↗Bügelfalte · ↗Denkerfalte · ↗Denkfalte · ↗Erdfalte · ↗Fächerfalte · ↗Gebirgsfalte · ↗Gehfalte · ↗Gehirnfalte · ↗Geländefalte · ↗Genickfalte · ↗Gramfalte · ↗Grübelfalte · ↗Hautfalte · ↗Hirnfalte · ↗Kellerfalte · ↗Kummerfalte · ↗Lachfalte · ↗Längsfalte · ↗Mongolenfalte · ↗Plisseefalte · ↗Querfalte · ↗Quetschfalte · ↗Rockfalte · ↗Sitzfalte · ↗Sorgenfalte · ↗Speckfalte · ↗Stirnfalte · ↗Unmutsfalte · ↗Zornesfalte · ↗Zornfalte
 ·  formal verwandt mit: ↗Augenfältchen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
schmale, doppelt übereinandergelegte oder locker zusammengeschobene Stofflage in einem größeren Stück Stoff
Beispiele:
einen Stoff in Falten legen
mehrere Falten legen, stecken, bügeln, abnähen
eine tiefe, flache, breite, schmale, große, scharfe Falte
lose, dichte, schmiegsame, weich fallende Falten
eine ausspringende Falte
winzige, aufspringende Fältchen
die Falten eines Vorhangs, Rockes
die Seide fällt in losen Falten
die Jacke wirft, schlägt Falten
darauf achten, daß das Segel nicht Falten schlägt [Hausm.Abel40]
2.
sorgfältig gelegter, gebügelter Bruch in einem Kleidungsstück oder Wäschestück
Beispiele:
das Tischtuch wieder genau in die Falten legen
die Beinkleider, sorgfältig in die Falten (= Bügelfalten) gelegt [Th. MannBuddenbrooks1,632]
unregelmäßiger, durch Sitzen oder Drücken entstandener Knick in einem Kleidungsstück oder Wäschestück, Knitter
Beispiele:
sie hat vom Sitzen Falten im Rock
die Falten wieder glätten, glattstreichen, ausbügeln
die Falten im Kleid hängen sich wieder aus
3.
unregelmäßige, vertiefte Linie in der Haut, Hautfalte
Beispiele:
tiefe, scharfe, harte, strenge Falten auf der Stirn
feine Fältchen im Gesicht, unter den Augen
heitere, finstere, ernste, angestrengte Falten durchzogen sein Gesicht
sein Gesicht war von Falten durchfurcht
mehrere Falten (ver)liefen von der Nase zum Mundwinkel
zwischen ihren Brauen stand, bildete sich eine Falte, trat eine Falte deutlich hervor
jmds. Stirn, Gesicht zieht sich, legt sich in Falten
jmd. legt, zieht die Stirn, das Gesicht in Falten
jmd. hat Falten auf der Stirn
ärgere dich nicht, das macht Falten
der Schmerz hatte Falten in ihr Gesicht gezogen, hatte ihrem Gesicht Falten eingegraben
Falten des Kummers, Unmuts
die wohlbekannte Falte des Nachdenkens über der Nasenwurzel [MusilMann810]
4.
gehoben die Falte des Herzensdas Verborgenste, Innerste des Herzens
Beispiele:
sie kannte alle Falten, die geheimsten Falten seines Herzens
das verbarg er in der tiefsten Falte seiner Seele
jmdm. bis in die tiefste, innerste Falte seines Herzens sehen (= jmdn. völlig durchschauen)
Doch Caja kannte ihren Terenz bis in die letzte Falte (= sehr genau) [Feuchtw.Nero54]
5.
Geologie durch Faltung entstandene Bauform der Erdkruste
Beispiele:
die Falten des Gebirges
Falten im Gelände
der Sattel, die Mulde einer Falte
stehende, schiefe, liegende Falten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

falten · fälteln · Faltstuhl · Falte · -falt · faltig
falten Vb. ‘zusammenlegen’. In ahd. faldan ‘krümmen, zusammenlegen’ (um 800), mhd. valten, valden ‘falten, verschränken, sich umbiegen’, mnd. vōlden, valden, mnl. vouden, vouwen, nl. vouwen, aengl. faldan, fealdan, engl. to fold, anord. falda ‘den Kopf bedecken’, eigentlich ‘ein Kopftuch umbinden, falten’, got. falþan liegt ein ursprünglich starkes (reduplizierendes) Verb vor, dessen Formen allmählich mit denen des gleichbed. schwachen Verbums ahd. faldōn, faltōn (9. Jh.), mhd. valten, valden, anord. falda ‘falten’, schwed. fålla ‘säumen’ zusammenfallen, so daß nhd. falten einheitliche schwache Stammformen bildet. Doch hält sich ein starkes Part. Prät. gefalten bis ins 18. Jh. Wie aind. puṭaḥ (aus *pḷt-?) ‘Falte, Tasche, Ritze, Öffnung’, mir. alt ‘Gelenk, Glied, Abschnitt’ sind die germ. Formen als to-Ableitungen von der Wurzel ie. *pel- ‘falten’, wohl auch ‘bedecken, verhüllen’ (s. ↗befehlen und ↗Fell) anzusehen (s. auch unten Falte). fälteln Vb. ‘in viele kleine Falten legen’, Iterativbildung (15. Jh.) zu falten. Faltstuhl m. ‘zusammenklappbarer Stuhl’, ahd. fald(i)-, falt(i)stuol ‘zusammenlegbarer Sitz, Sessel’ (10./11. Jh.), mhd. valtstuol, asächs. faldistōl, aengl. fældestōl, fyld(e)stōl, engl. faldstool. Aus dem Germ. entlehnt sind mlat. faldistolium und afrz. faldestoel, faudestuel, mfrz. faudeteul, mfrz. frz. fauteuil. Mit der Bedeutung ‘Lehnsessel’ wird Fauteuil im 18. Jh. wieder ins Dt. übernommen. Falte f. ‘Knick, Bruch, Runzel’. Wohl als Ableitungen vom Verb stehen ahd. fald m. ‘Falte’ (11. Jh.), mhd. valt m. ‘Falte, Faltenwurf’, anord. faldr ‘Falte, Knoten’, dän. fold und mhd. valte, valde f. ‘Falte, Lage eines Buches, Ecke, Winkel’, mnd. vōlde f., mnl. voude f., nl. vouw ‘Falte’. Im Nhd. setzt sich allein die fem. Form Falte durch. -falt wird in allen germ. Sprachen schon in alter Zeit als zweites Kompositionsglied mit Zahlwörtern verbunden, vgl. ahd. einfalt ‘einfach’ (8. Jh.), mhd. einvalt, asächs. ēnfald, mnd. ēnvōlt, aengl. ānfeald (engl. erhalten in twofold ‘zweifach’), anord. einfaldr, got. ainfalþs. Wurzelverwandte Bildungen (ie. *plo-) liegen vor in griech. diplóos (διπλόος) und lat. duplex ‘zweifach, doppelt’. Bereits früh erfolgt Suffixerweiterung zu ahd. -faltīg (einfaltīg, 11. Jh.), mhd. -valtec, -veltic (einvaltec, einveltic), nhd. -fältig (einfältig). S. ↗Einfalt. faltig Adj. ‘mit Falten, Knicken, Runzeln versehen’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Falte · ↗Furche · ↗Graben · ↗Mulde · ↗Riefe · ↗Spur · ↗Vertiefung
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Bügelfalte · Falte
Synonymgruppe
Falte · ↗Runzel

Typische Verbindungen
computergeneriert

Augenbraue Augenwinkel Braue Falte Furche Gesicht Gewand Grübchen Mund Mundwinkel Narbe Nase Nasenflügel Nasenwurzel Pickel Pore Runzel Rüsche Stirn Tränensack ausbügeln bügeln eingraben glätten graben nisten senkrecht steil tief wegspritzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Falte‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Letztlich spiegelt sich das Leben in der Falte einer Hose wider.
Die Welt, 22.01.2002
Sie sieht zehn Jahre älter aus, ohne Falten, aber doch alt.
Der Tagesspiegel, 16.06.2000
Die folgende Beschreibung ist aber auch bei Verarbeitung mit einseitiger Falte anwendbar.
Janusch, Antonie: Unser Schneiderbuch, Leipzig: Verlag für d. Frau 1979 [1965], S. 73
Die fleischige Nase steigt gelb, lächerlich groß, aus zwei tiefen Falten.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 1026
Das ist blitzehrlich, sauber, richtig, in Ordnung bis in die letzte Falte.
Tucholsky, Kurt: An Marierose Fuchs, 17.12.1929. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1929], S. 9786
Zitationshilfe
„Falte“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Falte>, abgerufen am 18.09.2019.

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