Fanatismus, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Fanatismus · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Fa-na-tis-mus
Wortbildung  mit ›Fanatismus‹ als Letztglied: Arbeitsfanatismus · Fußballfanatismus · Glaubensfanatismus · Massenfanatismus · Rassenfanatismus · Religionsfanatismus · Wahrheitsfanatismus
Herkunft aus gleichbedeutend fanatismefrz
eWDG

Bedeutung

blinde Leidenschaft, unduldsamer Eifer für eine Idee, Überzeugung
Beispiele:
ein kalter, herzloser, finsterer Fanatismus
ein religiöser, politischer Fanatismus
in jmdm. Fanatismus wecken, erregen
sich mit Fanatismus für etw. einsetzen
er ist von Fanatismus durchdrungen, erfüllt
züchtet man einen verhängnisvollen Fanatismus nationaler Geltung [ H. MannZeitalter26]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fanatisch · Fanatiker · Fanatismus
fanatisch Adj. ‘unduldsam, sich überschwenglich einsetzend, eifernd’, im 16. Jh. entlehnt aus lat. fānāticus ‘von der Gottheit ergriffen, rasend’, eigentlich ‘zum Kult, zum Heiligtum gehörig’ (zu lat. fānum ‘heiliger, der Gottheit geweihter Ort’). fanatisch steht anfangs für ‘religiös schwärmerisch’, d. h. (weil von der Orthodoxie abweichend) oft ‘ketzerisch’, dann (seit dem 18. Jh.) allgemeiner ‘sich religiös ereifernd, unduldsam’ (im Interesse der orthodoxen Lehre); im 18./19. Jh. setzt sich unter dem Einfluß von frz. fanatique die heute vorherrschende, von der Religion losgelöste Bedeutung (s. oben) durch, die sich im frz. politischen Sprachgebrauch des 18. Jhs. entwickelt. Fanatiker m. ‘Eiferer, unduldsamer Vertreter einer Idee’ (17. Jh.); zunächst in lat. Flexion (Plur. Fanatici), dem Gebrauch des Adjektivs entsprechend für ‘Schwärmer, Ketzer’; seit dem 18. Jh. in allgemeinerem Sinne. Fanatismus m. (18. Jh.), frz. fanatisme.

Thesaurus

Synonymgruppe
Fanatismus · Übereifer  ●  Akklamation  fachspr.

Typische Verbindungen zu ›Fanatismus‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fanatismus‹.

Verwendungsbeispiele für ›Fanatismus‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Fanatismus des Daseins durchglühte mich – so sterben – so – nein! [Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 5006]
So klein das Männchen körperlich war, so groß war sein klerikaler Fanatismus. [Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 4832]
Damals galt der katholische Glaube als "reaktionäre Religion"; der revolutionäre Fanatismus der Roten Garden richtete sich zuerst gegen die katholische Kirche. [Der Spiegel, 30.06.1986]
Kommt selten genug vor, aber wenn eine Frau mal technische Interessen hat, dann artet das in Fanatismus aus! [C't, 1992, Nr. 9]
Innerhalb der Französischen Union dürfe ebensowenig nationaler Fanatismus wie koloniale Ausbeutung herrschen. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1947]]
Zitationshilfe
„Fanatismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fanatismus>.

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