Fanatismus, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Fanatismus · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungFa-na-tis-mus (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Fanatismus‹ als Letztglied: ↗Fußballfanatismus · ↗Glaubensfanatismus · ↗Massenfanatismus · ↗Rassenfanatismus · ↗Religionsfanatismus · ↗Wahrheitsfanatismus
eWDG, 1967

Bedeutung

blinde Leidenschaft, unduldsamer Eifer für eine Idee, Überzeugung
Beispiele:
ein kalter, herzloser, finsterer Fanatismus
ein religiöser, politischer Fanatismus
in jmdm. Fanatismus wecken, erregen
sich mit Fanatismus für etw. einsetzen
er ist von Fanatismus durchdrungen, erfüllt
züchtet man einen verhängnisvollen Fanatismus nationaler Geltung [H. MannZeitalter26]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fanatisch · Fanatiker · Fanatismus
fanatisch Adj. ‘unduldsam, sich überschwenglich einsetzend, eifernd’, im 16. Jh. entlehnt aus lat. fānāticus ‘von der Gottheit ergriffen, rasend’, eigentlich ‘zum Kult, zum Heiligtum gehörig’ (zu lat. fānum ‘heiliger, der Gottheit geweihter Ort’). fanatisch steht anfangs für ‘religiös schwärmerisch’, d. h. (weil von der Orthodoxie abweichend) oft ‘ketzerisch’, dann (seit dem 18. Jh.) allgemeiner ‘sich religiös ereifernd, unduldsam’ (im Interesse der orthodoxen Lehre); im 18./19. Jh. setzt sich unter dem Einfluß von frz. fanatique die heute vorherrschende, von der Religion losgelöste Bedeutung (s. oben) durch, die sich im frz. politischen Sprachgebrauch des 18. Jhs. entwickelt. Fanatiker m. ‘Eiferer, unduldsamer Vertreter einer Idee’ (17. Jh.); zunächst in lat. Flexion (Plur. Fanatici), dem Gebrauch des Adjektivs entsprechend für ‘Schwärmer, Ketzer’; seit dem 18. Jh. in allgemeinerem Sinne. Fanatismus m. (18. Jh.), frz. fanatisme.

Thesaurus

Synonymgruppe
Fanatismus · ↗Übereifer  ●  ↗Akklamation  fachspr.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aberglaube Brutstätte Chauvinismus Dogmatismus Extremismus Fatalismus Fremdenhaß Fundamentalismus Glaubenseifer Haß Intoleranz Irrationalität Nationalismus Nährboden Obskurantismus Rassismus Terrorismus Unduldsamkeit Verblendung blind blindwütig engstirnig ideologisch messianisch mörderisch nationalistisch pseudoreligiös religiös vergleichend äußerst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fanatismus‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dennoch trugen die jungen Anhänger ihren Fanatismus ungeniert zur Schau.
Der Tagesspiegel, 02.05.2002
Er äußert sich in scharfen Worten gegen den islamischen Fanatismus.
Die Zeit, 05.06.1995, Nr. 23
Damals galt der katholische Glaube als "reaktionäre Religion"; der revolutionäre Fanatismus der Roten Garden richtete sich zuerst gegen die katholische Kirche.
Der Spiegel, 30.06.1986
So klein das Männchen körperlich war, so groß war sein klerikaler Fanatismus.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 4832
Der Fanatismus des Daseins durchglühte mich - so sterben - so - nein!
Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 5006
Zitationshilfe
„Fanatismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fanatismus>, abgerufen am 23.03.2019.

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