Fantasie, die

Alternative SchreibungPhantasie, s. Regelwerk: § 32 (2)
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Fantasie · Nominativ Plural: Fantasien
WorttrennungFan-ta-sie · Phan-ta-sie
HerkunftGriechisch
Wortbildung mit ›Fantasie‹ als Erstglied: ↗Fantasiebild · ↗Fantasieblume · ↗Fantasiegebilde · ↗Fantasiegespinst · ↗Fantasiegestalt · ↗Fantasiekostüm · ↗Fantasiename · ↗Fantasiepreis · ↗Fantasieprodukt · ↗Fantasieuniform · ↗Fantasievorstellung · ↗Fantasiewelt · ↗Fantasiezahl · ↗Phantasiebild · ↗Phantasieblume · ↗Phantasiegebilde · ↗Phantasiegespinst · ↗Phantasiegestalt · ↗Phantasiekostüm · ↗Phantasiename · ↗Phantasiepreis · ↗Phantasieprodukt · ↗Phantasieuniform · ↗Phantasievorstellung · ↗Phantasiewelt · ↗Phantasiezahl · ↗fantasiearm · ↗fantasiebegabt · ↗fantasielos · ↗fantasiereich · ↗fantasievoll · ↗phantasiearm · ↗phantasiebegabt · ↗phantasielos · ↗phantasiereich · ↗phantasievoll
 ·  mit ›Fantasie‹ als Letztglied: ↗Allmachtsfantasie · ↗Allmachtsphantasie · ↗Dichterfantasie · ↗Dichterphantasie · ↗Fieberfantasie · ↗Fieberphantasie · ↗Gewaltfantasie · ↗Gewaltphantasie · ↗Traumfantasie · ↗Traumphantasie
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
nur im Singular
Kraft, Vermögen, sich aus dem Erfahrungsschatz heraus neue, noch nicht erlebte Vorstellungen zu bilden, Einbildungskraft
Beispiele:
eine große, starke, reiche, fruchtbare, schöpferische, kindliche, jugendliche, dichterische Fantasie
eine üppige, überschäumende, überschwengliche, zügellose Fantasie
umgangssprachlich eine blühende Fantasie
eine ungesunde, begehrliche, erotische, lüsterne, schmutzige, verdorbene Fantasie
die Fantasie eines Denkers, Träumers
die lebhafte Fantasie eines Jugendlichen
der Weltraum beschäftigt die Fantasie der Menschen
ein Gebilde, Produkt der Fantasie
das Spiel, die Welt der Fantasie
der Dichter bevölkerte seine Werke mit den Gestalten seiner Fantasie
seine Vorstellungen waren Ausgeburten einer überreizten Fantasie
unsere Fantasie malt sich aus, wie das Leben auf anderen Sternen ist
seine Fantasie schweift ins Grenzenlose
seiner Fantasie freien Lauf lassen
viel, wenig, keine Fantasie haben
der Maler hat eine rege Fantasie
eine ungewöhnliche Fantasie entwickeln
seine Fantasie anstrengen
jmds. Fantasie anregen
sich [Dativ] das vorzustellen, erfordert viel Fantasie
seine Fantasie spielen lassen
jmds. Fantasie vergiften
dieser Plan existiert vorläufig erst in seiner Fantasie
in seiner Fantasie sah er sich schon als berühmten Künstler
neue Ideen entspringen nicht dem rechnenden Verstand, sondern der künstlerisch schaffenden Phantasie [PlanckSinn24]
Musik hatte für ihn die Kraft […] seine Phantasie zu beschwingen [BredelHeerstraßen366]
2.
meist im Plural
Erzeugnis, Gebilde von Fantasie (Lesart 1)
Beispiele:
die kühnen Fantasien eines Erfinders
die seltsamen Fantasien eines Kindes
Fantasien ausdenken, malen
Was nun die Aufzeichnungen Hallers betrifft, diese […] zum Teil schönen und gedankenvollen Phantasien [HesseSteppenw.4,204]
Trugbild, Wahnvorstellung
Beispiele:
wunderliche, märchenhafte, abgründige, wilde, grässliche Fantasien
die finsteren Fantasien eines Mörders
was er behauptet, ist bloße, reine Fantasie
sich in Fantasien ergehen, verlieren
Medizin Bewusstseinstrübung, irrer Gedanke
Beispiele:
krankhafte, fieberhafte, pathologische Fantasien
die Fantasien eines Kranken
der Fiebernde schrie aus seinen Fantasien auf
3.
Musik (frei improvisiertes) formal ungebundenes Instrumentalstück
Beispiele:
eine Fantasie in c-Moll, für Klavier, von Mozart
eine liedartige, stimmungshafte Fantasie
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Phantasie · Fantasie · phantasieren · Phantast · phantastisch
Phantasie f. ‘Einbildungskraft, Vorstellungsvermögen, Erfindungsgabe, nicht der Wirklichkeit entsprechende Vorstellung’, in der Medizin ‘Fieberträume, Wahnvorstellungen’, mhd. fantasīe ‘Einbildung, Trugbild, Anfechtung’, nhd. Phantasei (überwiegend bis etwa 1800, danach nur selten) und Phantasie, entlehnt aus lat. phantasia, griech. phantasía (φαντασία) ‘Erscheinung, Aussehen, Vorstellung, geistiges Bild, Einbildung’, eine Bildung zu griech. phantázesthai (φαντάζεσθαι) ‘sichtbar werden, erscheinen, sich vorstellen, einbilden’. Die unter frz. Einfluß (afrz. fantasie, frz. fantaisie) stehende Schreibung Fantasie besteht bis ins 19. Jh. neben der mit Ph-, die dann nach klassischem Muster gültig wird. In der Sprache der Musik dagegen meist Fantasie ‘improvisiertes, keinen bestimmten Formgesetzen unterworfenes Instrumentalstück’ (nach ital. fantasia). phantasieren Vb. ‘sich den wechselnden Vorstellungen der Phantasie hingeben, schwärmen, im Fieber wirr reden, Unsinn reden’, in der Musik ‘frei aus dem Stegreif spielen, improvisieren’, frühnhd. fantasieren (15. Jh.); spätlat. phantasiārī ‘sich vorstellen, sich einbilden’. Phantast m. ‘wirklichkeitsfremder Träumer, Schwärmer’, frühnhd. fantast (15. Jh.); vgl. griech. phantastḗs (φανταστής) ‘wer sich zur Schau stellt oder brüstet, Prahler’. phantastisch Adj. ‘nur in der Phantasie bestehend, schwärmerisch, unwirklich, ungewöhnlich’ (16. Jh.), in der Umgangssprache auch ‘großartig, wunderbar, unglaublich’; vgl. spätlat. phantasticus, griech. phantastikós (φανταστικός) ‘zum Vorstellen befähigt, Vorstellungen bildend’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Einbildungskraft · Fantasie · ↗Imagination · Phantasie · ↗Vorstellungsvermögen
Unterbegriffe
  • (eine) ins Kraut schießende Phantasie · blühende Phantasie · lebhafte Phantasie · rege Einbildungskraft · überbordende Fantasie
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausgeburt Betrachter Börsianer Fuge Kreativität Lauf Mut Realität Reich Traum Wirklichkeit anregen ausleben ausmalen bedürfen beflügeln blühend dazugehören dichterisch durchgehen entspringen entzünden erotisch kindlich künstlerisch schöpferisch sexuell szenisch wecken überbordend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fantasie‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Näher an das Ende aller Phantasie bin ich nie wieder gekommen.
Moers, Walter: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 1071
Für einen Schriftsteller hat er ziemlich wenig Phantasie, erschreckend wenig.
Schulze, Ingo: Simple Storys, Berlin: Berlin-Verl. 1998, S. 265
Ich untersuche sie also - und das tue ich mit meiner Phantasie, ich mache mir ein "inneres Bild".
Die Zeit, 01.11.1996, Nr. 45
Sicherlich gibt es andere Wege; sie zu finden bedarf es keiner ausschweifenden Phantasie.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1955]
Nun hat Baer seine Phantasie in entgegengesetztem Sinne weiter geführt.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 31683
Zitationshilfe
„Fantasie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fantasie>, abgerufen am 11.12.2018.

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