Fata Morgana, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Fata Morgana · Nominativ Plural: Fata Morganas/Fata Morganen
Aussprache [ˈfaːta mɔʁˈgaːna]
Worttrennung Fa-ta Mor-ga-na
Rechtschreibregeln § 55 (3)
Herkunft aus gleichbedeutend fata morganaital < fata Morganaital ‘Fee Morgana’, eine Sagengestalt
DWDS-Vollartikel

Bedeutung

optischer Effekt, der durch Ablenkung des Lichtes an unterschiedlich warmen Luftschichten entsteht
siehe auch Luftspiegelung
Beispiele:
Wenn unterschiedlich warme Luftschichten bei Windstille aufeinander treffen, entsteht der physikalische Effekt der Spiegelung – eine Fata Morgana. [Bild, 03.08.2013]
Auch in unseren Breiten können Fata Morganen (oder Fata Morganas) überall auftauchen, wo kalte und warme Luftschichten übereinanderliegen. An der Grenze zwischen beiden wird die Luft zum Spiegel. Auch Vergrößerungen sind möglich oder Mehrfachspiegelungen, welche gespiegelte Objekte wieder aufrecht erscheinen lassen. [Rhein-Zeitung, 20.10.2008]
im Bild Das Paradies bleibt eine Fata Morgana; für den, der sich nähert, stellt sich der schöne Schein als heiße Luft heraus. [Die Welt, 05.03.2007]
Wasserflächen in der Wüste, versunkene Städte, die plötzlich wieder auftauchen, Geisterschiffe, die durch die Luft schweben, und Karawanen, die übers Meer ziehen – für solche bizarren und vielfältigen Trugbilder gibt es einen Sammelnamen: Fata Morgana. [Die Zeit, 12.07.2001]
Reisende in der Sahara haben mitunter ein seltsames Erlebnis: Plötzlich sehen sie am Horizont hochragende Palmen oder Gebäude, die ebenso unvermittelt wieder verschwinden. Man glaubte, daß eine Fee, die Fata Morgana, die Wanderer narrte. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Luftspiegelung, die auch auf See, gelegentlich sogar auf einer Autobahn beobachtet werden kann. [Neues Deutschland, 26.08.1989]
übertragen Wunschdenken, Einbildung; etw. Unkonkretes, nicht Greifbares
Beispiele:
Das war doch eine Fata Morgana, unkten schon die Redaktionskollegen, nachdem eine RZ‑Mitarbeiterin in Dickendorf viele blaue Schafe gesehen haben wollte. [Rhein-Zeitung, 02.08.2013]
Es wurden 174 Fernsehsendungen und etwa 80.000 Artikel mit Corona‑Bezug untersucht. Das Ergebnis: 22 Prozent der TV‑ExpertInnen und sieben Prozent der AutorInnen waren weiblich. […] Man ist fast dazu geneigt zu glauben, dass die Emanzipationsbewegung der 68er und der jahrzehntelange Kampf um Gleichberechtigung nur eine Fata Morgana war. [Warum sind so wenige Expertinnen in der Debatte sichtbar?, 30.05.2020, aufgerufen am 03.12.2020]
Drei Jahre nach dem ersten Bildungsgipfel sehen Gewerkschafter kaum Fortschritte bei den damals ausgerufenen Vorhaben. »Bund und Länder setzen ihre Bildungsgipfelversprechen nur schleppend um«, beklagte DGB‑Vize Ingrid S[…] gestern in Berlin. »Die Bildungsrepublik wird so zur Fata Morgana [Schweriner Volkszeitung, 20.10.2011]
In den Seelen der Landwirte kocht es. BSE‑Krise und die jetzt von der Bundesregierung noch geplante Umstrukturierung der Landwirtschaft zu mehr Öko‑Landbau bringen das Fass zum Überlaufen. Existenzangst ist unter den Bauern keine Fata Morgana mehr[…]. [Südkurier, 15.01.2001]
[…] »Die Kulturmeile ist noch eine Fata Morgana.« Bislang hätte keiner der potentiellen Investoren […] »konkrete Angebote oder Pläne vorgestellt«. [Saarbrücker Zeitung, 27.02.1995]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fata Morgana f. ‘durch bestimmte atmosphärische Bedingungen erzeugte Luftspiegelung, Trugbild, Sinnestäuschung, Wunschbild’. Gleichbed. ital. fata morgana beruht auf ital. fata Morgana ‘Fee Morgana’, dem Namen einer in arabischen Märchen und in der Artusdichtung auftretenden Sagengestalt, die früher auch für die Urheberin der in der Straße von Messina häufig zu beobachtenden atmosphärischen Erscheinung gehalten wird. Ausgangspunkt für ital. fata ‘Fee’ ist spätlat. Fāta ‘Schicksalsgöttin’, eine vereinzelt belegte Nebenform von lat. fātum ‘Götterspruch, Schicksal, Bestimmung’ (s. Fatum), dessen Plur. Fāta auch Bezeichnung für die Parzen, die Schicksalsgöttinnen, ist (s. auch Fee). Dem Namen Morgana liegt arab. marǧān ‘Koralle’ zugrunde, das auf griech. margarī́tēs, márgaron (μαργαρίτης, μάργαρον) ‘Perle’ zurückgeht. Als Bezeichnung für das atmosphärische Phänomen ist Fata Morgana im Dt. zuerst um 1800 bezeugt. Unabhängig davon findet die Fee Morgana (vgl. afrz. la fee Morgue Nominativ, Morgain Akkusativ bei Chrétien de Troyes) in der dt. Literatur bereits bei Wolfram (Parzival) als Ländername Feimurgān, Fāmorgān und bei Fischart als Meerfein Morgana (16. Jh.) Erwähnung.

Thesaurus

Synonymgruppe
Fata Morgana · Luftspiegelung
Oberbegriffe
  • optische Täuschung · visuelle Illusion
Assoziationen
Medizin, Psychologie
Synonymgruppe
Einbildung · Erscheinung · Geisterbild · Halluzination · Illusion · Offenbarung · Phantom · Selbsttäuschung · Sinnestäuschung · Trugbild · Trugwahrnehmung · Täuschung · Vision · Wahnbild · Wahnvorstellung  ●  Fata Morgana  fig. · Gesicht (oft Plural: Gesichte)  veraltet · Hirngespinst  abwertend · Butterland  fachspr., Jargon, seemännisch · Hallu (meist Plural: Hallus)  ugs. · reizunabhängige Sinneswahrnehmung  fachspr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • optische Täuschung · visuelle Illusion
Assoziationen
Zitationshilfe
„Fata Morgana“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fata%20Morgana>, abgerufen am 24.07.2021.

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