Faust, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Faust · Nominativ Plural: Fäuste
Aussprache
Wortbildung mit ›Faust‹ als Erstglied: ↗Faustabwehr · ↗Faustball · ↗Faustformel · ↗Fausthandschuh · ↗Fausthieb · ↗Faustkampf · ↗Faustkeil · ↗Faustkämpfer · ↗Faustpfand · ↗Faustrecht · ↗Faustregel · ↗Faustschlag · ↗Faustskizze · ↗Faustzahl · ↗Fäustchen · ↗Fäustling · ↗faustdick · ↗faustgroß
 ·  mit ›Faust‹ als Letztglied: ↗Kriegerfaust · ↗Menschenfaust  ·  mit ›Faust‹ als Grundform: ↗fausten
eWDG, 1967

Bedeutung

geballte Hand
Beispiele:
die rechte, linke Faust
beide Fäuste
kleine, knochige, kräftige, derbe Fäuste
eine (zum Schlag) geballte, drohend erhobene Faust
geschlossene Fäuste
die Faust öffnen
jmdm. die, eine Faust zeigen
umgangssprachlich eine Faust machen
die Faust (nach jmdm., etw., gegen jmdn., etw.) ballen, schütteln
die Fäuste (gegen jmdn., etw.) (er)heben, recken
die Fäuste an die Schläfen, vor die Augen pressen, in die Hüften stemmen
mit einem Messer, Dolch in der Faust auf jmdn. eindringen
salopp mit der Faust dreinschlagen
jmdm. mit der Faust drohen, ins Gesicht schlagen
gegen jmdn. mit Fäusten losgehen
mit den Fäusten gegen die Tür, Wand trommeln, donnern
sich mit beiden Fäusten gegen die Stirn hämmern
die Hand zur Faust ballen
er hatte ... Ausbrüche, in denen er knirschte und die Fäuste schüttelte [H. MannUnrat1,512]
bildlich
Beispiele:
salopp das passt wie die Faust aufs Auge (= passt überhaupt nicht)
eine (eiserne) Faust im Nacken spüren (= unter Druck, Zwang stehen)
die Fäuste in der Tasche ballen (= seine Wut unterdrücken)
ein Stück Brot auf die Faust nehmen (= im Stehen, Gehen essen)
etw. aus der Faust, von der Faust weg essen (= ohne Messer und Gabel essen)
sich [Dativ] ins Fäustchen lachen (= heimlich schadenfroh lachen)
mit der Faust auf den Tisch schlagen (= energisch auftreten, vorgehen)
Man muß ... seine Schar wilder Burschen unter der Faust halten (= in der Gewalt haben) [FlakeSchritt334]
umgangssprachlich auf eigene Faustvon sich aus
Beispiele:
auf eigene Faust handeln
etw. auf eigene Faust tun, unternehmen, versuchen, veranlassen, durchsetzen, vollenden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Faust · Fäustling · Faustrecht · Faustpfand · faustdick
Faust f. ‘durch starke Beugung der Finger fest geschlossene Hand, geballte Hand’. Die Etymologie ist ganz unsicher. Die westgerm. Formen ahd. fūst ‘Faust, Höhlung der Hand, Handvoll’ (8. Jh.), mhd. vūst, voust, asächs. mnd. fūst, aengl. fȳst, engl. fist, mnl. vuust, nl. vuist ergeben (bei angenommener Ersatzdehnung nach Nasalausfall) germ. *funsti-. Vergleicht man russ. pjast’ (пясть) ‘flache Hand, Mittelhand’ (aruss. pjastь ‘Faust’), poln. pięść ‘Faust’, so läßt sich ie. *pṇsti- bzw. älteres ie. *pṇksti- ‘Faust’ erschließen. In diesem Fall wären die germ. und slaw. Bezeichnungen (im Hinblick auf die fünf Finger einer Hand) mit ie. *penku̯e ‘fünf’ zu verbinden. Über ie. *pṇksti- käme man (im Hinblick auf die geballte Hand) für das Germ. auch auf die Wortgruppe von ↗fangen (s. d.), die allerdings im Slaw. kaum Entsprechungen hat. Setzt man für das Germ. dagegen ie. *punksti- als Ausgangsform an, so kann man die germ. Formen zu ie. *peuk̑- oder *peug̑- bzw. *peug- ‘stechen, boxen’ stellen. Dann bestünde Verwandtschaft mit lat. pūgnus ‘Faust’, griech. pýx (πύξ) Adv. ‘mit der Faust’, pygmḗ (πυγμή) ‘Faust, Faustkampf’, nicht aber mit den slaw. Formen; vgl. de Vries Nl. 807. Fäustling m. ‘Fausthandschuh’, ahd. fūstiling (11. Jh.). Faustrecht n. ‘Recht des Stärkeren, Rechtsfindung ohne Rechtsgrundlage’ (16. Jh.), auch ‘Zweikampf’ (15. Jh.). Faustpfand n. ‘vom Schuldner seinem Gläubiger gleichsam als Besitz in die geballte Hand zur Sicherung (für seine Forderung) überlassener Sachwert’ (18. Jh.). faustdick Adj. zunächst Maßangabe (18. Jh.), später oft bildlich, besonders in der Wendung es faustdick hinter den Ohren haben ‘(wider Erwarten) schlau, gerissen sein’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Brust Faust Gesicht Halleluja Kinn Mephisto Nacken Stirn Tasche Tisch ballen bloß einschlagen eisern erhoben fliegen geballt gepanzert gereckt hauen hämmern lachen recken schlagen schwingen schütteln stemmen strecken traktieren trommeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Faust‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Baer vermutet, der Agent habe auf eigene Faust die Wahl beeinflussen wollen.
Die Zeit, 13.12.2012, Nr. 46
Wer auf eigene Faust losfährt, riskiert auf den Kosten sitzen zu bleiben.
Die Welt, 03.05.2004
Denn auch moderne Mädchen haben den Faust noch im Kopf.
Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 434
Er beugt sich weit über den Tisch, die Fäuste geballt.
Langhoff, Wolfgang: Die Moorsoldaten, Stuttgart: Verl. Neuer Weg 1978 [1935], S. 131
Schon wie er ihr seine bevölkerungspolitischen Theorien auseinandersetzte, hat sie Fäuste gemacht.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 927
Zitationshilfe
„Faust“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Faust>, abgerufen am 17.02.2019.

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