Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Federfuchser, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Federfuchsers · Nominativ Plural: Federfuchser
Aussprache 
Worttrennung Fe-der-fuch-ser
Wortzerlegung Feder1 fuchsen -er
eWDG

Bedeutung

abwertend Schreiberseele, Bürokrat
Beispiele:
er ist ein richtiger Federfuchser
diese zaghaften Federfuchser, die alle an der bürokratischen Schnur zappeln [ WerfelBernadette356]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Feder · federn · Federball · Federfuchser · Federlesen
Feder f. ‘aus hornartiger Substanz bestehende Körperbedeckung der Vögel, Schreibinstrument’, vielfach übertragen auf Zubehörteile in verschiedenen Funktionsbereichen mit der Eigenschaft, nach Belastung in die ursprüngliche Form zurückzuschnellen, ahd. fedara (10. Jh.), mhd. veder(e), asächs. feðera, mnd. mnl. vēder(e), nl. ve(d)er, aengl. feþer, engl. feather, anord. fjǫðr (germ. *feþrō) und aind. pátati ‘fliegt, schwebt, fällt’, pataráḥ ‘fliegend’, griech. pétesthai (πέτεσθαι) ‘fliegen’, ptḗsis (πτῆσις) ‘Flug’, ptṓsis (πτῶσις) ‘Fall’, pterón (πτερόν), lat. penna (aus *petnā) ‘Flügel, Feder’ führen auf eine Wurzel ie. *pet(ə)- ‘auf etw. los-, niederstürzen, fliegen, fallen’. Als Bezeichnung für den zum Schreiben angeschnittenen Federkiel (vgl. ahd. skrībfedara, mhd. schrībveder) geht Feder auch auf das später (um 1800) aus Metall hergestellte Schreibwerkzeug über. Ebenso dürfte die Elastizität der Vogelfeder als Anregung für die Übertragung der Bezeichnung auf die elastischen Vorrichtungen im technischen Bereich gedient haben (17. Jh.). federn Vb. ‘sich elastisch auf und ab (hin und her) bewegen’ (Anfang 19. Jh.). Federball m. ‘mit einem Federkranz umgebener kleiner Spielball’ (18. Jh.; dazu s. auch Badminton). Federfuchser m. ‘pedantische Schreibernatur, Buchstabenkrämer’ (18. Jh.; wohl zu fucken ‘unruhig hin und her fahren’, s. fuchsen). Federlesen n. heute in der Wendung nicht viel Federlesen(s) machen ‘keine großen Umstände, wenig Aufhebens machen’, spätmhd. vederlesen ‘Schmeichelei, übermäßiger Diensteifer’, eigentlich übereifriges Absammeln von Federn (Fusseln) vom Gewand eines Höhergestellten.

Thesaurus

Synonymgruppe
Haarspalter · Kleinigkeitskrämer · Krämerseele · Wortklauber · kleinlicher Mensch  ●  Federfuchser  ugs. · Kümmelspalter  ugs.

Verwendungsbeispiele für ›Federfuchser‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daß es dabei nicht immer nach strengen fiskalischen Regeln zugehen kann, wird nur von Federfuchsern in Frage gestellt. [Die Zeit, 22.11.1985, Nr. 48]
Und was für große Dichtung kam in der für Federfuchser völlig unzureichenden Rechtschreibung Goethes auf uns! [Strittmatter, Erwin: Der Laden, Berlin: Aufbau-Verl. 1983, S. 25]
Manche westlichen Federfuchser besitzen die Dreistigkeit, bereits nach einem Aufenthalt von ein paar Wochen Bücher über die Sowjetunion zu schreiben, hochstaplerisch. [Die Zeit, 10.10.1969, Nr. 41]
Dabei sind die monströsen Imponierer natürlich ganz kleinliche Federfuchser geblieben. [konkret, 1981]
Er kalmausert: er ist ein einsamer Stubenhocker, ein Stubengelehrter und Federfuchser. [Röhrich, Lutz: Kalmäuser, kalmäusern (klamüsern). In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 28965]
Zitationshilfe
„Federfuchser“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Federfuchser>.

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