Federlesen, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Federlesens · wird nur im Singular verwendet
Aussprache  [ˈfeːdɐˌleːzn̩]
Worttrennung Fe-der-le-sen
Wortzerlegung  Feder1 lesen2
eWDG

Bedeutung

nicht viel Federlesens (mit jmdm., etw.) machen (= nicht viele Umstände (mit jmdm., etw.) machen)
Beispiel:
Trebon, ohne viel Federlesen, erklärte den Belagerungszustand[.] [ Feuchtw.Nero336]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Feder · federn · Federball · Federfuchser · Federlesen
Feder f. ‘aus hornartiger Substanz bestehende Körperbedeckung der Vögel, Schreibinstrument’, vielfach übertragen auf Zubehörteile in verschiedenen Funktionsbereichen mit der Eigenschaft, nach Belastung in die ursprüngliche Form zurückzuschnellen, ahd. fedara (10. Jh.), mhd. veder(e), asächs. feðera, mnd. mnl. vēder(e), nl. ve(d)er, aengl. feþer, engl. feather, anord. fjǫðr (germ. *feþrō) und aind. pátati ‘fliegt, schwebt, fällt’, pataráḥ ‘fliegend’, griech. pétesthai (πέτεσθαι) ‘fliegen’, ptḗsis (πτῆσις) ‘Flug’, ptṓsis (πτῶσις) ‘Fall’, pterón (πτερόν), lat. penna (aus *petnā) ‘Flügel, Feder’ führen auf eine Wurzel ie. *pet(ə)- ‘auf etw. los-, niederstürzen, fliegen, fallen’. Als Bezeichnung für den zum Schreiben angeschnittenen Federkiel (vgl. ahd. skrībfedara, mhd. schrībveder) geht Feder auch auf das später (um 1800) aus Metall hergestellte Schreibwerkzeug über. Ebenso dürfte die Elastizität der Vogelfeder als Anregung für die Übertragung der Bezeichnung auf die elastischen Vorrichtungen im technischen Bereich gedient haben (17. Jh.). federn Vb. ‘sich elastisch auf und ab (hin und her) bewegen’ (Anfang 19. Jh.). Federball m. ‘mit einem Federkranz umgebener kleiner Spielball’ (18. Jh.; dazu s. auch Badminton). Federfuchser m. ‘pedantische Schreibernatur, Buchstabenkrämer’ (18. Jh.; wohl zu fucken ‘unruhig hin und her fahren’, s. fuchsen). Federlesen n. heute in der Wendung nicht viel Federlesen(s) machen ‘keine großen Umstände, wenig Aufhebens machen’, spätmhd. vederlesen ‘Schmeichelei, übermäßiger Diensteifer’, eigentlich übereifriges Absammeln von Federn (Fusseln) vom Gewand eines Höhergestellten.

Thesaurus

Synonymgruppe
(großes) Getöse · (großes) Tamtam · Aufhebens · Aufregung · Aufsehen · Federlesen(s) · Gesums · Getue · Gewese · Hype · Schaumschlägerei · Theaterdonner · Wirbel · viel Lärm um nichts  ●  (einen) ganz großen Bahnhof (machen)  fig. · Aufruhr  fig. · Hysterie  fig. · (großes) Trara  ugs. · (übertrieben viel) Tamtam (um etwas)  ugs., salopp, Hauptform · Aufgeregtheit  geh. · Aufriss  ugs. · Bohei  ugs. · Buhei  ugs. · Furore (machen)  geh. · Gehabe  ugs. · Gemach(e)  ugs. · Geschiss  derb · Getrommel  ugs. · Riesenbohei  ugs. · Rummel  ugs. · Sturm im Wasserglas  ugs. · Tebs  ugs., sehr selten · Theater  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Federlesen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So kommt man schon mal ohne viel Federlesens in die Höhe.
Die Zeit, 06.02.2012, Nr. 06
Deren Besitzer stutzten darauf hin ohne viel Federlesens den Baum.
Süddeutsche Zeitung, 28.03.2002
Nun ja, sie hätten ihn wohl auch für einen Spion genommen und nicht viel Federlesens gemacht.
Seidel, Ina: Das Wunschkind, Frankfurt a. M. u. a.: Ullstein 1987 [1930], S. 220
Man hatte drinnen mit Sascha und seiner Mutter wohl nicht viel Federlesens gemacht, man sputete sich, die Verspätung wieder einzuholen.
Mann, Thomas: Der Zauberberg, Gütersloh: Bertelsmann 1998 [1924], S. 264
Als »Kapitalbestrebung«, wird das Deutsche Warenbuch ohne viel Federlesens abgetan und die Kulturbastille wütend aufgeschlagen.
Rauecker, Bruno: Dokument 2: Renzension (Bruno Rauecker). In: Bräuer, Hasso (Hg.) Archiv des deutschen Alltagsdesigns, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1916], S. 76
Zitationshilfe
„Federlesen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Federlesen>, abgerufen am 24.09.2021.

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