Fehlgeburt, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungFehl-ge-burt (computergeneriert)
Wortzerlegungfehlen2Geburt
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Abgang einer lebensunfähigen oder abgestorbenen Leibesfrucht
2.
die abgegangene Leibesfrucht
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fehlen · Fehl · fehl · Fehltritt · Fehlschluß · Fehlgeburt · Fehlanzeige · fehlbar · unfehlbar · Fehler · verfehlen · Verfehlung
fehlen Vb. ‘abwesend, nicht vorhanden sein, einen Irrtum, ein Unrecht begehen’, Aus afrz. falir, faillir ‘verfehlen, im Stich lassen, versagen, fehlschlagen, sich irren’ (frz. faillir ‘einen Fehler begehen, sich irren, versagen’), dann auch ‘jmdm. entgehen, mangeln, nötig sein’ (oft unpersönlich afrz. frz. il faut ‘es ist nötig’), das über vlat. *fallīre auf lat. fallere ‘betrügen, täuschen, irreführen’ zurückgeht, wird mhd. vælen, vēlen ‘verfehlen, nicht treffen’ entlehnt, daneben gleichbed. mhd. failieren, fālieren, fallieren mit stärkerer Bewahrung der fremden Form (zu unterscheiden von nhd. fallieren ‘Bankrott machen’, Übernahme des 16. Jhs. von gleichbed. ital. fallire, im 16./17. Jh. auch ‘betrügen’, in diesem Sinne unmittelbar aus dem Lat.). Das zunächst als Turnierausdruck aufgenommene Verb (‘beim Stoß mit der Lanze das Ziel verfehlen’) gilt bereits im Mhd. entsprechend dem afrz. Vorbild auch für ‘sich irren’, für ‘fehlschlagen’ und ‘mangeln, nicht zur Verfügung stehen’. Eine Variante mhd. veilen setzt sich noch in frühnhd. feilen fort, namentlich im Md., wohl beeinflußt durch ebenfalls aus dem Frz. stammendes mnd. fēilen ‘verfehlen, fehlschlagen, mangeln, im Stich lassen’. Fehl m. ‘Makel, Mangel, Verfehlung’, mhd. væle f., Entlehnung aus afrz. faille ‘Mißerfolg, Irrtum, Mangel’, das über vlat. *fallia auf lat. falla ‘Betrug’ zurückgeht. Maskulines Genus entwickelt sich wohl bei der verkürzten artikellosen Form des Substantivs in den Fügungen mhd. āne væl, sunder væl ‘jeden Irrtum ausschließend, zweifelsfrei, ganz gewiß’, die gleichbed. afrz. sans faille nachbilden (vgl. dagegen mit anderer Auffassung nhd. ohne Fehl ‘makellos’). Wahrscheinlich aus Verb und abhängigem Akkusativ (vgl. einen Fehl gebären bei Luther und danach im älteren Nhd.) sind Bildungen wie fehlgehen, fehlgreifen, fehlschlagen entstanden; diese werden bis ins 19. Jh. häufig getrennt geschrieben (fehl gehen usw.), da das erste Glied einem Adverb ähnelt. Hieraus erklärt sich fehl Adj. Adv. ‘falsch, irrig, ergebnislos’, das seit Ende des 15. Jhs. vielfach nachweisbar ist, heute nur noch in der jungen Wendung fehl am Platz(e) sein ‘unpassend, unangebracht sein’. Der genannte verbale Bildungstyp ermöglicht substantivische Zusammensetzungen, ohne daß in jedem Falle das entsprechende Verb vorausgeht: Fehltritt m. ‘falscher Schritt, Vergehen’ (16. Jh.); Fehlschluß m. ‘falsche Schlußfolgerung’ (16. Jh.); Fehlgeburt f. ‘Abgang einer nicht lebensfähigen Leibesfrucht’ (18. Jh.); Fehlanzeige f. ‘negativer Bescheid’ (um 1900, zuerst soldatensprachlich vom negativen Schießergebnis). Das Kompositionsglied fehl- ist bis in die Gegenwart produktiv, vgl. Fehlentscheidung, Fehlkonstruktion, Fehlleistung, Fehlverhalten, Fehlzündung. fehlbar Adj. ‘mit Mängeln behaftet, unvollkommen’, schweiz. ‘einer Verfehlung schuldig’ (um 1600), wohl Rückbildung zu unfehlbar Adj. ‘frei von Irrtum, untrüglich’ (16. Jh.). Fehler m. ‘Irrtum, Versehen’, anfangs auch ‘Fehlschuß’ (16. Jh.). verfehlen Vb. ‘nicht erreichen, nicht treffen’, mhd. vervælen ‘fehlen, sich irren, trügen, nicht treffen’; Verfehlung f. ‘Irrtum, Vergehen’ (17. Jh.).

Thesaurus

Medizin
Synonymgruppe
Fehlgeburt  ●  ↗Abort  fachspr. · Abortus  fachspr.
Assoziationen
Synonymgruppe
Fehlgeburt · ↗Totgeburt · stille Geburt  ●  Stillgeburt  Neologismus · tot geborenes Kind  auch figurativ
Assoziationen
  • erfolglos · ohne Erfolg · ↗umsonst · ↗vergebens  ●  ↗fruchtlos (Anwaltsdeutsch)  Jargon · ↗vergeblich  Hauptform · (an/bei jemandem/etwas ist) Hopfen und Malz verloren  ugs. · außer Spesen nichts gewesen  ugs., Spruch · da kommt nix bei rum  ugs., salopp · dabei kommt nichts (he)rum  ugs. · ↗frustran (medizinisch)  fachspr. · für die Katz  ugs. · für die Tonne  ugs. · für nichts und wieder nichts  ugs. · kannst du knicken  ugs. · kannst du vergessen  ugs. · vergebene Liebesmüh  ugs. · vergebliche Liebesmüh  ugs.
  • Baby · ↗Bambino · ↗Kleinkind · ↗Kleinstkind · Neugeborenes · ↗Wickelkind  ●  Putzerl  österr. · ↗Säugling  Hauptform · (das) Kleine  ugs. · ↗Infant  fachspr. · ↗Winzling  ugs. · ↗Würmchen  ugs., emotional · kleiner Erdenbürger  ugs. · neuer Erdenbürger  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abtreibung Baby Behinderung Blutung Eileiterschwangerschaft Fehlbildung Frühgeburt Fötus Geburt Krankheit Mißbildung Rate Risiko Schwangerschaft Schwangerschaftsabbruch Schwangerschaftswoche Selbstmordversuch Totgeburt Unfruchtbarkeit auslösen drohend enden erleiden gehaben herbeiführen künstlich riskieren spontan verkraften wiederholt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fehlgeburt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Lisa hatte eine Fehlgeburt erlitten, krankhafte Sehnsucht nach einem Baby!
Bild, 22.12.2004
Und am Ende trägt sie ihre blutige Fehlgeburt durch die Straßen.
Der Tagesspiegel, 07.07.2002
Wenn es eine Schwangerschaft ist, kann leicht eine Fehlgeburt daraus werden.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 01.03.1943, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
In solchen Fällen wird der Arzt zum lebensrettenden Ausweg der künstlichen Fehlgeburt schreiten müssen.
Waegner, Martin u. Thomasius, Erich: Zeugung, Entwicklung und Geburt des Menschen. In: Das große Aufklärungswerk für Braut- und Eheleute, Dresden: Buchversand Gutenberg o.J. 1933 [1933], S. 375
Es war sicher von Fehlgeburt, Frühgeburt, vielleicht auch bei dieser oder jener Gelegenheit in verschlüsselter Form von Unterbrechung die Rede.
Schücking, Beate: Wir machen unsere Kinder krank, München: List 1971, S. 112
Zitationshilfe
„Fehlgeburt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fehlgeburt>, abgerufen am 16.10.2019.

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