Fell, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Fell(e)s · Nominativ Plural: Felle
Aussprache
Wortbildung mit ›Fell‹ als Erstglied: ↗Fellboot · ↗Felleisen · ↗Felljacke · ↗Fellkragen · ↗Fellmütze · ↗Fellschuh
 ·  mit ›Fell‹ als Letztglied: ↗Bauchfell · ↗Biberfell · ↗Brustfell · ↗Bärenfell · ↗Hamsterfell · ↗Hasenfell · ↗Kalbfell · ↗Kalbsfell · ↗Kaninchenfell · ↗Katzenfell · ↗Lammfell · ↗Laskafell · ↗Laskifell · ↗Leopardenfell · ↗Nerzfell · ↗Paukenfell · ↗Rippenfell · ↗Rückenfell · ↗Schaffell · ↗Schafsfell · ↗Schurzfell · ↗Tierfell · ↗Tigerfell · ↗Trommelfell · ↗Wolfsfell · ↗Zickelfell · ↗Ziegenfell · ↗Zwerchfell
 ·  formal verwandt mit: ↗dickfellig
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
behaarte Haut des Tieres
Beispiele:
ein raues, zottiges, struppiges, stumpfes, seidiges, langes, glänzendes, weiches, sauberes Fell
das Fell der Schafe wird geschoren
(einem Hund, einer Katze) das Fell streicheln, kraulen
ein Tier beim Fell nehmen, packen
salopp dem Bären eins aufs Fell brennen (= auf ihn schießen)
einem Hasen, Fuchs, Kalb das Fell abziehen
Felle verkaufen
mit Fellen handeln
[die Hündin hatte] mit angestemmten Vorderbeinen und gesträubtem Fell sich auf die Keulen gesetzt [Th. MannZauberb.2,934]
umgangssprachlich
Phrasem:
ihm sind die Felle weggeschwommen, fortgeschwommen, davongeschwommen (= er musste die Hoffnung aufgeben)
Beispiel:
Sie sehen so aus, als wären Ihnen alle Felle fortgeschwommen! [SchleichVergangenheit236]
2.
salopp Haut des Menschen
Beispiel:
sein Fell ist bei dem Sturz ganz schön zerschrammt
a)
Phrasem:
jmdm., jmdn. juckt das Fell (= jmd. wird übermütig)
Beispiele:
mir, mich juckt mein Fell
Du überlustiger Gesell, / Juckt dich zum drittenmal das Fell? [GoetheFaustI 818]
b)
Phrasem:
ein dickes Fell bekommen, haben (= sich aus etw. nichts machen, unempfindlich werden, sein)
c)
Phrasem:
sein Fell riskieren, zu Markte tragen (= Kopf und Kragen riskieren)
d)
Phrasem:
jmdm. das Fell gerben (= jmdn. windelweich schlagen)
Beispiel:
Solange die Feinde keinen Frieden wollten, mußten wir ihnen halt das Fell gerben [A. ZweigJunge Frau38]
e)
Phrasem:
jmdm. das Fell über die Ohren ziehen (= jmdn. arg betrügen)
f)
landschaftlich, derb
Phrasem:
jmds. Fell versaufen (= nach jmds. Begräbnis im Wirtshaus auf sein Gedächtnis trinken)
3.
gegerbte Haut des Tieres, besonders als Bespannung für Trommeln, Pauken
Beispiel:
Auf den Pauken lagen die schlanken Hämmer, welche ich ergriff und zagend gegen das Fell schlug, daß es einen dumpf grollenden Ton gab [G. KellerGr. Heinrich4,99]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fell · dickfellig
Fell n. ‘behaarte Tierhaut, Pelz’, ahd. fel (8. Jh.), mhd. vel (Genitiv velles), asächs. fell, mnd. mnl. nl. vel, aengl. fel(l), engl. fell, anord. -fell, got. -fill in þrūtsfill ‘Aussatz’ gehen mit griech. péllās (πέλλας) ‘Häute’ (Akkusativ Plur.), lat. pellis ‘Fell, Haut, Pelz, Leder’ (s. ↗Pelle, ↗Pelz) auf die Wurzel ie. *pel- ‘bedecken, verhüllen; Haut, Fell’ zurück; s. auch verwandtes ↗befehlen, ↗empfehlen und mit m-Formans gebildetes ↗Film. Die Verdopplung -ll- beruht auf Assimilation einer Wurzelerweiterung mit n-Formans. Verwandt sind ferner aslaw. pelena ‘Windel’, russ. pelená (пелена), lit. plẽnė̃ ‘dünnes Häutchen, Membrane’. Fell bezeichnet bis ins 16. Jh. die tierische wie auch die menschliche Haut; erst mit Luthers Bibelübersetzung setzt sich eine Differenzierung in Fell ‘Tierhaut’, später ‘behaarte Tierhaut, Pelz’, und Haut ‘menschliche Haut’ durch. Häufig in redensartlichen Wendungen wie jmdm. das Fell über die Ohren ziehen ‘betrügen’ aus der Sprache des Abdeckers (17. Jh.), die Felle schwimmen einem davon ‘jmds. Hoffnungen zerrinnen, vergehen’ aus der Sprache des Gerberhandwerks, ebenso jmdm. das Fell gerben ‘verprügeln’, ein dickes Fell haben ‘unempfindlich sein’. dickfellig Adj. ‘unempfindlich’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(behaarte) Haut · Fell · ↗Pelz  ●  ↗Decke  fachspr., Jägersprache
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Haar · Haare · ↗Haarpracht · ↗Haarschopf · ↗Haupthaar · ↗Kopfbehaarung · ↗Kopfhaar · ↗Mähne · ↗Schopf  ●  Fell  ugs. · ↗Matte  ugs. · ↗Pelz  ugs. · ↗Wolle  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Feenhaar · dünnes Haar · feines Haar
  • Biquoquet · Witwenspitze · spitzer Haaransatz
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bär Feder Haut Leder Leopard Ohr Pelz Schwanz Trommel braun davonschwimmen dicht dick flauschig gefleckt gerben gesträubt glänzend hellbraun jucken kraulen nass seidig streicheln struppig verteilen wegschwimmen weich zottelig zottig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fell‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein Staatsmann schert die Schafe, ein Politiker zieht ihnen das Fell über die Ohren.
Tange, Ernst Günter: Zitatenschatz zur Politik, Frankfurt a. M.: Eichborn 2000, S. 32
Auch die Liberale sehen ihre Felle in Richtung einer Großen Koalition davonschwimmen.
Die Welt, 22.07.2005
Allerdings wird er nicht einmal mit den Flöhen im Fell seines schäbigen Mantels fertig.
Der Tagesspiegel, 11.01.2003
Jean ist ein Hund, um genau zu sein, ein Setter mit schönem seidigen Fell.
Süddeutsche Zeitung, 21.03.2001
Ich will mir nicht die Füße in einem Fell wärmen, daß einem so niedlichen Tier vielleicht bei lebendigem Leibe abgezogen wurde.
Der Spiegel, 18.04.1983
Zitationshilfe
„Fell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fell>, abgerufen am 22.08.2019.

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