Fessel, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Fessel · Nominativ Plural: Fesseln
Aussprache
WorttrennungFes-sel (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Fessel‹ als Erstglied: ↗Fesselballon · ↗fesselfrei · ↗fessellos
 ·  mit ›Fessel‹ als Letztglied: ↗Ehefessel  ·  mit ›Fessel‹ als Grundform: ↗fesseln
eWDG, 1967

Bedeutung

kettenartiges, bandartiges Gerät, mit dem man jmdn., etw. fesseln kann
Beispiele:
einem Verbrecher, Gefangenen Fesseln anlegen (= ihn fesseln)
er hatte Fesseln an den Händen, Füßen
jmdm. die Fesseln abnehmen, abstreifen
sich von seinen Fesseln befreien
die Fesseln sprengen, lösen, abwerfen, durchschneiden, durchfeilen
jmdn. in Fesseln legen
dichterisch jmdn. in Fesseln schlagen, werfen
da führen sie Franz Biberkopf durch die Tür raus mit ner Fessel am linken Arm [DöblinAlexanderpl.437]
bildlich zwanghafte Bindung
Beispiele:
die Fessel der Ehe, des Berufes
ein Land befreit sich von den Fesseln der Fremdherrschaft
sich aus den Fesseln des scholastischen Denkens befreien
die wirtschaftliche Entwicklung des zaristischen Russland wurde in Fesseln gehalten
eine Verpflichtung als Fessel empfinden, tragen
Wie konnte ich hoffen, die Fesseln zu zerreißen, die mich an Nina binden? [RinserMitte294]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fessel1 · fesseln · Fesselballon
Fessel1 f. ‘Strick, Kette um Füße oder Hände zur Behinderung freier Bewegung’, ahd. feʒʒil m. ‘Gürtel, Gurt’ (9. Jh.), mhd. veʒʒel m. f. ‘Schwert-, Schildgehenk’, mnd. vētel, aengl. fetel m., engl. fettle, anord. fetill m., germ. *fatila- sind Bildungen mit dem Suffix germ. -ila- zur Wurzel ie. *pē̌d-, *pō̌d- ‘fassen; Gefäß’ (s. ↗fassen); sie bezeichnen ein ‘Band, an dem etw. getragen wird, das etw. zusammenhält’, d. h. einen ‘Gurt, Gürtel’, ein ‘Schulterband’ u. dgl. Die heutige Bedeutung sowie das fem. Genus übernimmt das Wort im 15. Jh. nach Vermischung mit dem untergegangenen (vereinzelt noch im 18. Jh. belegten) ahd. feʒʒara f. ‘Fußschlinge, Fußfessel’ (9. Jh.), mhd. veʒʒer f. ‘Fessel’, das mit seinen Entsprechungen asächs. feteros (Plur.), mnl. vēter, nl. veter ‘Schnürriemen, Fessel’, aengl. feter, engl. fetter, anord. fjǫturr, schwed. fjättrar (Plur.) und ↗Fessel auf ie. *pē̌d-, *pō̌d- (s. ↗Fuß) zurückgeht, wozu auch lat. pedica ‘Fessel, Schlinge’ (zum Anbinden von Tieren am Fuß) und griech. pédē (πέδη) ‘Fessel’ gehören. fesseln Vb. ‘durch Anlegen einer Fessel an freier Bewegung hindern’ (15. Jh.); vorher (als Ableitung von ahd. feʒʒara, s. oben) ahd. feʒʒarōn (9. Jh.), mhd. veʒʒeren. Fesselballon m. ‘an einem Drahtseil oder Kabel befestigter Ballon’ (Ende 19. Jh.), s. auch ↗Ballon.

Fessel2 f. bei bestimmten Huftieren ‘unterer Teil des Beins zwischen Mittelfuß und Huf’, d. i. ursprünglich die Stelle, an der man das Pferd beim Weiden anbindet; danach auch (beim Menschen) ‘Teil des Unterschenkels über dem Knöchel’, mhd. veʒʒel, viʒʒel m., zur Wurzel von ↗Fuß (s. d.) gehörig, ebenso wie mhd. veʒʒer (s. ↗Fessel).

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Fessel · ↗Fußgelenk · ↗Fußknöchel · ↗Knöchel
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Fessel · ↗Handfessel · ↗Handschelle · ↗Kette

Typische Verbindungen
computergeneriert

Befreiung Dienstrecht Handgelenk Haushaltsrecht Kameralistik Knebel Kolonialismus Peitsche Reglementierung Strick abstreifen anlegen auferlegt beengend befreien bürokratisch dogmatisch drückend entledigen hemmend ideologisch irdisch kolonial lockern lähmend lästig seiden selbstangelegt sprengen ständisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fessel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

British Airways hofft, so einige der verschwundenen 255 Fesseln zurück zu erhalten.
Süddeutsche Zeitung, 07.05.2002
Es ist höchste Zeit, ihn von den Fesseln zu befreien.
Der Tagesspiegel, 03.07.2000
Deswegen wünschten sich einige Asketen die Befreiung von diesen Fesseln.
Khoury, Adel Theodor: Askese. In: Lexikon des Islam, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 149
Die Befreiung der Farbe aus den Fesseln der Linie bedeutete zugleich den Sieg der liberalen Idee.
Scholder, K.: Romantik. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 29165
Statt dessen hoffte er, die Fesseln durch eine betont friedfertige Politik allmählich abzustreifen.
Gatzke, Hans W.: Europa und der Völkerbund. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 14932
Zitationshilfe
„Fessel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fessel#1>, abgerufen am 19.10.2019.

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Fessel, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Fessel · Nominativ Plural: Fesseln
Aussprache
WorttrennungFes-sel (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Fessel‹ als Erstglied: ↗Fesselbandage · ↗Fesselgelenk
eWDG, 1967

Bedeutung

Teil des Fußes der Huftiere zwischen erstem Zehenglied und Mittelfuß
Beispiele:
die feinen, starken Fesseln eines Pferdes
eine zierliche Fuchsstute, goldbraun mit weißen Fesseln [A. ZweigEinsetzung153]
Wenn sie [die Rinder] bockig stehenbleiben wollten, faßte Wolf sie so schmerzhaft an den Fesseln, daß sie doch wieder weitergingen [ScharrerHirt101]
Teil des menschlichen Beines zwischen Wade und Fußgelenk
Beispiel:
sie hat schlanke, dicke Fesseln
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fessel1 · fesseln · Fesselballon
Fessel1 f. ‘Strick, Kette um Füße oder Hände zur Behinderung freier Bewegung’, ahd. feʒʒil m. ‘Gürtel, Gurt’ (9. Jh.), mhd. veʒʒel m. f. ‘Schwert-, Schildgehenk’, mnd. vētel, aengl. fetel m., engl. fettle, anord. fetill m., germ. *fatila- sind Bildungen mit dem Suffix germ. -ila- zur Wurzel ie. *pē̌d-, *pō̌d- ‘fassen; Gefäß’ (s. ↗fassen); sie bezeichnen ein ‘Band, an dem etw. getragen wird, das etw. zusammenhält’, d. h. einen ‘Gurt, Gürtel’, ein ‘Schulterband’ u. dgl. Die heutige Bedeutung sowie das fem. Genus übernimmt das Wort im 15. Jh. nach Vermischung mit dem untergegangenen (vereinzelt noch im 18. Jh. belegten) ahd. feʒʒara f. ‘Fußschlinge, Fußfessel’ (9. Jh.), mhd. veʒʒer f. ‘Fessel’, das mit seinen Entsprechungen asächs. feteros (Plur.), mnl. vēter, nl. veter ‘Schnürriemen, Fessel’, aengl. feter, engl. fetter, anord. fjǫturr, schwed. fjättrar (Plur.) und ↗Fessel auf ie. *pē̌d-, *pō̌d- (s. ↗Fuß) zurückgeht, wozu auch lat. pedica ‘Fessel, Schlinge’ (zum Anbinden von Tieren am Fuß) und griech. pédē (πέδη) ‘Fessel’ gehören. fesseln Vb. ‘durch Anlegen einer Fessel an freier Bewegung hindern’ (15. Jh.); vorher (als Ableitung von ahd. feʒʒara, s. oben) ahd. feʒʒarōn (9. Jh.), mhd. veʒʒeren. Fesselballon m. ‘an einem Drahtseil oder Kabel befestigter Ballon’ (Ende 19. Jh.), s. auch ↗Ballon.

Fessel2 f. bei bestimmten Huftieren ‘unterer Teil des Beins zwischen Mittelfuß und Huf’, d. i. ursprünglich die Stelle, an der man das Pferd beim Weiden anbindet; danach auch (beim Menschen) ‘Teil des Unterschenkels über dem Knöchel’, mhd. veʒʒel, viʒʒel m., zur Wurzel von ↗Fuß (s. d.) gehörig, ebenso wie mhd. veʒʒer (s. ↗Fessel).

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Fessel · ↗Fußgelenk · ↗Fußknöchel · ↗Knöchel
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Fessel · ↗Handfessel · ↗Handschelle · ↗Kette

Typische Verbindungen
computergeneriert

Befreiung Dienstrecht Handgelenk Haushaltsrecht Kameralistik Knebel Kolonialismus Peitsche Reglementierung Strick abstreifen anlegen auferlegt beengend befreien bürokratisch dogmatisch drückend entledigen hemmend ideologisch irdisch kolonial lockern lähmend lästig seiden selbstangelegt sprengen ständisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fessel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

British Airways hofft, so einige der verschwundenen 255 Fesseln zurück zu erhalten.
Süddeutsche Zeitung, 07.05.2002
Es ist höchste Zeit, ihn von den Fesseln zu befreien.
Der Tagesspiegel, 03.07.2000
Deswegen wünschten sich einige Asketen die Befreiung von diesen Fesseln.
Khoury, Adel Theodor: Askese. In: Lexikon des Islam, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 149
Die Befreiung der Farbe aus den Fesseln der Linie bedeutete zugleich den Sieg der liberalen Idee.
Scholder, K.: Romantik. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 29165
Statt dessen hoffte er, die Fesseln durch eine betont friedfertige Politik allmählich abzustreifen.
Gatzke, Hans W.: Europa und der Völkerbund. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 14932
Zitationshilfe
„Fessel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fessel#2>, abgerufen am 19.10.2019.

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