Figur, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Figur · Nominativ Plural: Figuren
Aussprache  [fiˈguːɐ̯]
Worttrennung Fi-gur
Herkunft zu figūralat ‘Bildung, Gestalt, Gebilde, Beschaffenheit’
eWDG

Bedeutungen

1.
äußere menschliche Gestalt, Erscheinung
a)
Körperform
Beispiele:
sie hat eine gute, schlanke, stramme, schöne, hübsche, große, untersetzte Figur
seine Figur im Spiegel betrachten, prüfen
Nicht groß von Person, die Figur aber wohlerhalten [ Th. MannBetrogene9,935]
Es [das Bild] stellte den Amtsrat in ganzer Figur vor [ DodererStrudlhofstiege362]
b)
Person, Mensch
Beispiele:
jmd. ist eine interessante, dunkle Figur
umgangssprachlicheine traurige, lächerliche, komische Figur abgeben
umgangssprachlicher spielte in dem Prozess eine traurige Figur (= Rolle)
abwertendsich einer gekauften Figur bedienen
Miltitz war eine wichtige Figur im Regiment [ RennAdel145]
abwertendDenke ich an Schauspieler wie G. K. und solche Figuren [ LanggässerVergänglichkeit94]
c)
umgangssprachlich Figur machenetw. vorstellen
Beispiel:
Meine Frau wird auch im Kirchenstuhl unserer Dorfkirche Figur machen müssen [ BrechtGalilei9]
jmd., etw. macht eine gute, schlechte Figurjmd., etw. wirkt gut, schlecht
Beispiele:
er macht eine unglückliche, unvorteilhafte, klägliche, leidliche, ungeschickte, prachtvolle Figur
Wirklich eine prachtvolle Figur macht Ihre Frau Gemahlin [ O. M. GrafBolwieser62]
ich glaube, eine solche Klagerede müßte unter meinen übrigen Schriften gute Figur machen [ Feuchtw.Nero329]
2.
(künstlerische) Menschendarstellung, Tierdarstellung
a)
geformt
Beispiele:
eine Figur aus Holz, Stein, Bronze, Marmor
monumentale Figuren
steinerne, hölzerne Figuren betrachten
kleine Figuren aus Stroh, Knetmasse basteln, anfertigen
Am besten, so schien ihm, gelang ihm die Figur, der er die Züge des Abtes Daniel gab [ HesseNarziß5,297]
gemalt, gezeichnet
Beispiele:
die Figuren auf einem Gemälde
die gemalten Figuren auf einem Fächer, einer Vase
der Matrose hat sich Figuren auf Arme und Brust tätowieren lassen
ein blasser dunkler Junge, der müde auf einem Mauerrest hockte und Figuren in den weißlichen Staub zeichnete [ BöllWaage50]
[ich] ließ die Glut meiner Zigarette vor meinen Augen Figuren beschreiben [ HermlinGemeinsamkeit76]
b)
in Worten
Beispiele:
das ist eine blasse, pralle, lebendige Figur
M ist die positivste Figur des Stückes
es werden in diesem Buch keine großen Worte gemacht, vom Autor nicht, und nicht von seinen Figuren [ Weiskopf8,137]
3.
Spielstein, besonders beim Schach
Beispiele:
die Figuren aufstellen, ziehen, setzen, wegnehmen, weiterrücken
der König ist die wichtigste Figur im Schach
Spielkarte mit einer darauf abgebildeten Gestalt
Beispiel:
Mir willst du eine Figur anhängen und hast einen Vierer in der Hand [ Kisch1,131]
4.
Mathematik Gebilde aus Linien oder Flächen
Beispiel:
geometrische, mathematische Figuren
5.
kleine, geschlossene Bewegungsfolge beim Tanz und Eiskunstlauf
Beispiele:
Figuren tanzen
sie begeisterte mit ihren Sprüngen und Figuren auf der Eisbahn alle Zuschauer
[er wurde] von der Tanzmeisterin gesteuert und auf die jeweils nächste Figur eines … südamerikanischen Tango vorbereitet [ DodererStrudlhofstiege537]
6.
Musik Gruppe melodisch oder rhythmisch zusammengehöriger Töne
Beispiele:
kurze, schnelle Figuren singen, spielen
mitten in einer Figur abbrechen
unerbittlich wurde jeder Einsatz und jede Figur wiederholt [ Storm1,140]
7.
Sprachwissenschaft rhetorische Wendung
Beispiele:
rhetorische Figuren
Das mit den armen Worten war wiederkehrende Figur bei ihm [ Wasserm.Wahnschaffe2,212]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Figur · figürlich · figurieren
Figur f. ‘Gestalt, Erscheinung, plastische Menschen- oder Tierdarstellung, geometrisches oder künstlerisches Gebilde’. Mhd. figūre, figūr ‘Gestalt, Erscheinung’ wird, teilweise wohl über gleichbed. afrz. figure, aus lat. figūra ‘Bildung, Gestalt, Gebilde, Beschaffenheit’ entlehnt (zu lat. fingere, fictum, ‘bilden, formen, ersinnen, erdichten’; s. fingieren, Fiktion). figürlich Adj. ‘die Figur betreffend, bildlich’ (15. Jh.). figurieren Vb. ‘auftreten, eine Rolle spielen’, mhd. figūrieren ‘gestalten’, aus lat. figūrāre oder afrz. figurer ‘(ab)bilden, gestalten’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Synonymgruppe
Figur · geometrische Figur

Typische Verbindungen zu ›Figur‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Figur‹.

Verwendungsbeispiele für ›Figur‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber obwohl ich von meinen sechsundzwanzig Jahren nur ganze fünf Monate bei Dir verbracht habe, bist Du eine zentrale Figur in meinem bisherigen Leben gewesen. [Hasselbach, Ingo u. Bonengel, Winfried: Die Abrechnung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1993], S. 9]
Selbst die beste Figur wirkt nicht ästhetisch bei schlechter Haltung. [Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 14]
Gegenwärtig versucht man, beides in der Figur des »zivilen Ungehorsams« zu versöhnen. [Luhmann, Niklas: Soziale Systeme, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1984, S. 923]
Unabhängig von der Ordnung des Erwirkens schließt sich hier etwas zu einer eigenen Figur zusammen. [Gadamer, Hans-Georg: Wahrheit und Methode, Tübingen: Mohr 1960, S. 204]
Ich habe mir damals gewünscht, auch so eine Figur zu sein. [Der Spiegel, 23.04.2001]
Zitationshilfe
„Figur“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Figur>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Fighter
Fight
Figaro
Fifa
Fiesta
Figura
Figuralität
Figuralmusik
Figurant
Figurantin