Fimmel, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Fimmels · Nominativ Plural: Fimmel
Aussprache
WorttrennungFim-mel (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Fimmel‹ als Letztglied: ↗Abkürzungsfimmel · ↗Gerechtigkeitsfimmel · ↗Modefimmel · ↗Ordnungsfimmel · ↗Putzfimmel · ↗Reinlichkeitsfimmel · ↗Sauberkeitsfimmel · ↗Sportfimmel · ↗Verfolgungsfimmel · ↗Wettfimmel
eWDG, 1967

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend kleine Verrücktheit, Spleen
Beispiele:
er hat, du hast einen (richtigen) Fimmel
jmdm. seinen Fimmel austreiben
bloß wir Deutschen hätten den Fimmel, jeden Ausländer noch in seiner Muttersprache übertreffen zu wollen [M. WalserHalbzeit604]
Vor allen Dingen hat er zuerst den Fimmel (= die fixe Idee) gehabt, ein grauer Mann läuft ihm nach [FalladaKleiner Mann241]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fimmel1 · Fimmel2 · Fimmel3
Fimmel1 m. ‘Verrücktheit, Spleen’, im 20. Jh. allgemein gebräuchlich. Die Herkunft ist ungewiß. Eine Herleitung von lat. fēmella ‘männliche Hanfpflanze’ (eigentlich ‘Weibchen’, da die kleinere männliche Pflanze irrtümlich zunächst für weiblich gehalten wird), woraus die Entlehnung nhd. Fimmel2 m. (16. Jh.), Femel sowie Fimmel-, Femelhanf, ist unwahrscheinlich. Aber auch Anknüpfung an nhd. Fimmel3 m. ‘Spaltkeil, schwerer Hammer’ bleibt fragwürdig. Eher ist Anschluß an ↗fummeln (s. d.), fimmeln ‘suchend herumtasten’ denkbar. Fimmel könnte danach ein für andere ‘zweckloses, unverständliches Herumtappen’ bezeichnen und von daher die Bedeutung ‘Verrücktheit, Verschrobenheit, leidenschaftliche Besessenheit’ entwickeln.

Thesaurus

Synonymgruppe
Angewohnheit · ↗Caprice · ↗Eigenart · ↗Eigenheit · ↗Kaprice · ↗Marotte · ↗Schrulle · ↗Spleen · ↗Tick  ●  ↗Grille  veraltend · ↗Kaprize  österr. · Allüren  geh. · Fimmel  ugs. · ↗Macke  ugs. · ↗Tic  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Anfall · Fimmel · ↗Rappel
Assoziationen
  • Wahnidee · ↗Zwangsvorstellung  ●  fixe Idee  ugs.
  • (es sich) nicht verkneifen können (zu) · ↗(jemandem) einfallen · (jemandem) kommt der Gedanke · ↗(jemanden) anwandeln · ↗(sich) (etwas) überlegen · (sich) einfallen lassen · auf den Gedanken verfallen (zu) · auf die Idee kommen (zu) · in den Sinn kommen  ●  (auf einmal) ankommen mit  ugs. · (den) Einfall haben (...)  ugs. · (einen) Rappel kriegen (und...)  ugs. · (jemandem) belieben zu (es)  geh. · ↗(jemanden) anwehen  geh. · (jemanden) überkommen (es)  geh. · (plötzlich) die Idee haben (...)  ugs. · (sich etwas) denken (bei)  ugs. · (sich) bemüßigt fühlen (zu)  geh., ironisierend · auf die glorreiche Idee kommen (zu)  ugs., ironisch · auf etwas kommen  ugs. · es für eine gute Idee halten (zu / dass)  ugs., ironisch · um die Ecke kommen mit  ugs., fig. · verfallen auf  geh.
  • Gemütsschwankung(en) · ↗Laune · ↗Stimmung · vorübergehende Gemütsverfassung  ●  ↗Stimmungsschwankung  Hauptform · (ein) Anfall (von)  ugs. · ↗Anwandlung(en)  geh. · ↗Aufwallung  geh. · ↗Kaprice  geh. · ↗Kaprize  geh.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nicht mal in der Partei war er, aber er hatte einen nationalen Fimmel.
Süddeutsche Zeitung, 29.03.2001
Er hatte diesen Fimmel für Berühmtheiten, und er kroch jedem hinten rein, dabei war er doch selber wer.
Der Spiegel, 05.01.1998
Schon seit Jahren habe er „so einen Fimmel mit dem Knallen“.
Die Zeit, 16.07.1993, Nr. 29
Da ertrage ich lieber Mamas Fimmel für bescheuerte Deutschpopsülzheinis oder Papas verfressene Studenten.
Die Zeit, 09.10.2006, Nr. 41
Publizität, das war der neueste Fimmel, alle Welt drängte darauf.
Reger, Erik [d.i. Dannenberger, Hermann]: Union der festen Hand, Kronberg/Ts.: Scriptor 1976 [1931], S. 439
Zitationshilfe
„Fimmel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fimmel>, abgerufen am 20.04.2019.

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