Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Fimmel, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Fimmels · Nominativ Plural: Fimmel
Aussprache 
Worttrennung Fim-mel (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›Fimmel‹ als Letztglied: Abkürzungsfimmel · Gerechtigkeitsfimmel · Modefimmel · Ordnungsfimmel · Putzfimmel · Reinlichkeitsfimmel · Sauberkeitsfimmel · Sportfimmel · Verfolgungsfimmel · Wettfimmel
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend kleine Verrücktheit, Spleen
Beispiele:
er hat, du hast einen (richtigen) Fimmel
jmdm. seinen Fimmel austreiben
bloß wir Deutschen hätten den Fimmel, jeden Ausländer noch in seiner Muttersprache übertreffen zu wollen [ M. WalserHalbzeit604]
Vor allen Dingen hat er zuerst den Fimmel (= die fixe Idee) gehabt, ein grauer Mann läuft ihm nach [ FalladaKleiner Mann241]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fimmel1 · Fimmel2 · Fimmel3
Fimmel1 m. ‘Verrücktheit, Spleen’, im 20. Jh. allgemein gebräuchlich. Die Herkunft ist ungewiß. Eine Herleitung von lat. fēmella ‘männliche Hanfpflanze’ (eigentlich ‘Weibchen’, da die kleinere männliche Pflanze irrtümlich zunächst für weiblich gehalten wird), woraus die Entlehnung nhd. Fimmel2 m. (16. Jh.), Femel sowie Fimmel-, Femelhanf, ist unwahrscheinlich. Aber auch Anknüpfung an nhd. Fimmel3 m. ‘Spaltkeil, schwerer Hammer’ bleibt fragwürdig. Eher ist Anschluß an fummeln (s. d.), fimmeln ‘suchend herumtasten’ denkbar. Fimmel könnte danach ein für andere ‘zweckloses, unverständliches Herumtappen’ bezeichnen und von daher die Bedeutung ‘Verrücktheit, Verschrobenheit, leidenschaftliche Besessenheit’ entwickeln.

Thesaurus

Synonymgruppe
Angewohnheit · Caprice · Eigenart · Eigenheit · Kaprice · Marotte · Schrulle · Spleen · Tick  ●  Grille  veraltend · Kaprize  österr. · Allüren  geh. · Fimmel  ugs. · Macke  ugs. · Tic  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Anfall · Fimmel · Rappel
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Fimmel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er hatte diesen Fimmel für Berühmtheiten, und er kroch jedem hinten rein, dabei war er doch selber wer. [Der Spiegel, 05.01.1998]
Schon seit Jahren habe er »so einen Fimmel mit dem Knallen«. [Die Zeit, 16.07.1993, Nr. 29]
Nicht mal in der Partei war er, aber er hatte einen nationalen Fimmel. [Süddeutsche Zeitung, 29.03.2001]
Da ertrage ich lieber Mamas Fimmel für bescheuerte Deutschpopsülzheinis oder Papas verfressene Studenten. [Die Zeit, 09.10.2006, Nr. 41]
Niemand unter den Herstellern und Motorradfahrern versteht die Deutschen und ihren Fimmel mit dem ABS. [Die Welt, 02.10.2004]
Zitationshilfe
„Fimmel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fimmel>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Fimbulwinter
Fimbrie
Filüre
Filzunterlage
Filzteppich
Fin de Siècle
Final
Final Decay
Finalabschluss
Finaldecay