Findelkind, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Findelkind(e)s · Nominativ Plural: Findelkinder
Aussprache
WorttrennungFin-del-kind
eWDG, 1967 und DWDS, 2018

Bedeutung

in hilfloser Lage aufgefundenes, meist ausgesetztes Kind
Beispiele:
Jane ist ein Findelkind, am Eingang eines Waisenhauses abgelegt, wo man ihr ihren […] Namen gibt und ein willkürliches Geburtsdatum. [Süddeutsche Zeitung, 17.06.2017]Quelle: DWDS, 2018
Für eine Aufnahme der Kinder [in Pflegefamilien] gebe es allgemeine Voraussetzungen: So z. B. müsste das zukünftige Lebensumfeld »positiv geeignet« sein, mögliche leibliche Kinder dürfen durch zusätzliche Findelkinder nicht benachteiligt werden und die finanzielle Situation müsse eine Aufnahme der Findelkinder zulassen. [Der Standard, 28.04.2008]Quelle: DWDS, 2018
Mich hat niemand getauft. lch war ein Findelkind. Genau wie Billy. Wir wuchsen in einem Waisenhaus in der Nähe von St. Louis auf. [Péché originel, 2001 (Filmuntertitel)]Quelle: DWDS, 2018
Kaspar Hauser, das berühmte Findelkind, war offenbar nicht der Erbprinz von Baden. Das ist in Untersuchungen zweier gerichtsmedizinischer Institute bei einer sogenannten DNA-Analyse herausgefunden worden. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.1996]Quelle: DWDS, 2018

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

finden · abfinden · Abfindung · erfinden · Erfindung · Erfinder · erfinderisch · unerfindlich · Fund · Fundgrube · Findelkind · Findling · findig · spitzfindig · ausfindig · fündig
finden Vb. ‘durch Zufall, durch Suchen, durch Nachdenken auf etw. stoßen’, ahd. findan (8. Jh.), mhd. vinden, asächs. fīðan, findan, mnd. mnl. nl. vinden, aengl. findan, engl. to find, anord. schwed. finna, got. finþan. Herkunft ungewiß. Vielleicht mit griech. paté͞in (πατεῖν) ‘auf etw. treten’ und lat. pōns (Genitiv pontis) ‘Knüppelweg, Brücke’ zur Wurzel ie. *pent(h)- ‘treten, gehen, worauf treten, antreffen, finden’ (s. auch ↗fahnden). abfinden Vb. ‘Ansprüche befriedigen’, reflexiv ‘sich zufriedengeben’ (16. Jh.); zuerst (14. Jh.) in der nd. Rechtssprache belegt mit der Bedeutung ‘durch Gerichtsurteil absprechen, aberkennen’. Abfindung f. ‘Befriedigung von Ansprüchen, Entschädigung’ (16. Jh.). erfinden Vb. ‘bisher noch nicht Vorhandenes ersinnen, erschaffen’, ahd. irfindan ‘erfahren, erkennen, erfassen’ (9. Jh.), mhd. ervinden ‘ausfindig machen, bemerken, erfahren’. Erfindung f. ‘das Ersonnene, Erschaffene’ (15. Jh.). Erfinder m. ‘wer bisher nicht Vorhandenes ersinnt, erschafft’ (15. Jh.), heute besonders im technischen Bereich. erfinderisch Adj. ‘einfallsreich’ (18. Jh.). unerfindlich Adj. ‘unerklärlich’, spätmhd. unervindelich. Fund m. ‘das Finden, das Gefundene’, in der Schwundstufe des Verbs, mhd. vunt, auch bergmannssprachlich ‘neuentdeckte Lagerstätte von Erzen’, dafür auch Fundgrube f. (14. Jh.), übertragen ‘Ort, wo eine Fülle von Erkenntnissen, Belehrungen anzutreffen ist’ (Ende 15. Jh.). Ursprünglich wohl zu ablautendem Fund gebildet und nachträglich (meist im 16. Jh.) an finden angelehnt sind: Findelkind n. ‘ausgesetztes, von Fremden gefundenes Kind’, vgl. mhd. vuntkint, dann auch frühnhd. vündelkint, zu frühnhd. vündel, vindel ‘Findelkind’, Deminutivum zu vunt. Findling m. ‘Findelkind’, mhd. vundelinc; seit dem 19. Jh. auch ‘ein durch Gletscher transportierter Gesteinsblock’. findig Adj. ‘erfinderisch, schlau’, mhd. vündec, vündic ‘erfinderisch, findbar’, seit dem 16. Jh. in der Form findig, s. aber unten fündig. spitzfindig Adj. älter spitzfündig, ‘listig, überklug’ (16. Jh.), vgl. auch spitzer Fund (Luther) und Spitzfund m. (16. Jh.) ‘überklug, trügerisch Erdachtes’. ausfindig Adj. älter ausfündig, meist in festen Wendungen ausfindig machen, werden ‘bekanntmachen, bekannt werden, herausfinden, erforschen’ (15. Jh.). fündig Adj. ‘Bodenschätze aufweisend, ergiebig’, seit dem 16. Jh. bedeutungsdifferenzierend die alte Form gegenüber findig (s. oben) bewahrend.

Thesaurus

Synonymgruppe
Findelkind · ↗Findling · Fundkind
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Heim Herkunft Mutter Schicksal Waise adoptieren arm aufwachsen ausgesetzt aussetzen berühmt süß tot

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Findelkind‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Neben dem tragbaren Drucker sah er wie ein Findelkind aus.
Riedel, Susanne: Eine Frau aus Amerika, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 64
So viele Findelkinder in einem Jahr hat es dort zuvor noch nie gegeben.
Süddeutsche Zeitung, 27.11.2001
Er schaut nach - und entdeckt erst ein blutiges Tuch, dann ein Findelkind.
Bild, 06.03.1998
In den Kirchen wurden Marmorschalen zur Aufnahme von Findelkindern aufgestellt.
Mahling, F. u. Erler, A.: Findelhäuser. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 5007
Für nicht eheliche Kinder minderjähriger Mütter oder Findelkinder ist automatisch das Jugendamt Amtsvormund.
Schaub, Horst u. Zenke, Karl G.: Vormundschaft. In: dtv-Wörterbuch Pädagogik [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1995], S. 24554
Zitationshilfe
„Findelkind“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Findelkind>, abgerufen am 10.12.2019.

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