Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Flechte, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Flechte · Nominativ Plural: Flechten
Aussprache 
Worttrennung Flech-te (computergeneriert)
eWDG

Bedeutungen

1.
Biologie Pilz und Alge, die in Symbiose leben und als krustige oder laubförmige Körper auf dem Erdboden, auf Felsen und Baumrinden vorkommen
Beispiele:
die mit Flechten überzogene Tundra
der verwitterte Felsen war von Flechten und Moos überwachsen
Flechten hingen von den Zweigen der alten Fichte herab
die Rentiere rupften Flechten
2.
schuppiger oder krustiger Hautausschlag
Beispiele:
eine trockene, nasse, nässende, juckende Flechte
Eine ekelhafte Flechte hatte Lloyds Hals, Gesicht und Kopf zernagt [ Kellerm.Tunnel23]
3.
gehoben Zopf
Beispiele:
sie hatte dicke, braune Flechten
Ich selbst habe Frau Niebuhr mit aufgelösten Flechten aus dem Hause fliehen sehen [ RemarqueSchwarzer Obelisk87]
Kätti ließ das Köpfchen hängen, daß ihr die langen Flechten über die Brust herabfielen [ Storm5,269]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

flechten · Flechte · Geflecht · verflechten · Verflechtung · entflechten · Entflechtung
flechten Vb. ‘winden, ineinander verschlingen’, ahd. flehtan (9. Jh.), mhd. vlehten, asächs. flehtan, mnd. mnl. nl. vlechten, anord. fletta sind wie lat. plectere, aslaw. plesti, russ. plestí (плести) ‘flechten’ (ursprünglich wohl präsentische?) t-Erweiterungen und führen mit griech. plékein (πλέκειν) ‘flechten’ auf ie. *plek- ‘flechten, zusammenwickeln’ (wozu Flachs, s. d., und mit sk-Suffix germ. *flahskō bzw. *flahskōn, nhd. Flasche, s. d.). Verwandtes aind. prásnaḥ ‘Turban, Kopfbinde’ weist dagegen auf ie. *plek̑-. Beide Formen der Gutturalerweiterung sind wahrscheinlich Weiterbildungen der unter falten (s. d.) behandelten Wurzel ie. *pel-. Flechte f. ‘Zopf, Hautausschlag’, mhd. vlehte ‘Hautausschlag, Flechtwerk, Zopf’; vgl. got. flahta ‘Flechtwerk’; dann auch (an Flechtwerk erinnernde) ‘niedere Pflanze’ (18. Jh., doch bereits bei Bock 1539 Flechtenskraut). Geflecht n. ‘Flechtwerk’, ahd. gifleht (9. Jh.); vgl. auch ahd. giflehtida (9. Jh.). verflechten Vb. ‘ineinanderschlingen, fest verbinden’ (17. Jh.), im 20. Jh. besonders zu wirtschaftlichen Großunternehmen; Verflechtung f. ‘Zusammenhang, Verbindung’ (um 1800), auch in bezug auf Wirtschaftsunternehmen (20. Jh.); Gegensatz entflechten Vb. ‘auflösen, trennen’ (20. Jh.), Entflechtung f.

Thesaurus

Synonymgruppe
Flechte · Zopf
Botanik
Synonymgruppe
Flechte  ●  Lichen  fachspr.

Typische Verbindungen zu ›Flechte‹ (berechnet)

braun fressend gelb heilen nässend scherend trocken wachsen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Flechte‹.

Verwendungsbeispiele für ›Flechte‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Seit ungefähr vor einem Jahr litt ich an trockener Flechte. [o. A.: Heumann-Heilmittel, o. O.: [1936], S. 125]
Etwas Moos schmückt den ersten Stein auf der Platte, ein paar Flechten. [Süddeutsche Zeitung, 06.09.2003]
Die des Pop hingegen wuchern in die Breite, so wie die Flechten von Moos. [Süddeutsche Zeitung, 21.08.2000]
In langen grauen Flechten schaukeln sie schlapp über unseren Köpfen. [Der Tagesspiegel, 05.02.2005]
Die Flechte wurde immer größer, bald ging sie über das halbe Bein. [o. A.: Heumann-Heilmittel, o. O.: [1936], S. 126]
Zitationshilfe
„Flechte“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Flechte>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Flechtarbeit
Flechse
Flebbe
Flavon
Flaute
Flechtenbart
Flechter
Flechtware
Flechtweide
Flechtwerk