Flucht, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Flucht · Nominativ Plural: Fluchten/Flüchte
Aussprache  [flʊχt]
Mehrwortausdrücke  Flucht nach vorn · Flucht nach vorne
eWDG

Bedeutungen

1.
das (eilige) Davonlaufen, Ausreißen
Grammatik: meist im Singular
Beispiele:
eine plötzliche, schnelle, eilige, überstürzte Flucht
hier half nur die Flucht
die Flucht aus dem Lager
seine Flucht ist gelungen, geglückt, vereitelt
jmds. Flucht decken
vor jmdm. die Flucht ergreifen
auf der Flucht sein
sich auf der Flucht befinden
er ist auf der Flucht erschossen worden
sich durch die Flucht in Sicherheit bringen
seine Rettung in der Flucht suchen
jmdn. in die Flucht schlagen
in heilloser Flucht davonjagen
jmdm. zur Flucht verhelfen
sich zur Flucht wenden
bildlich das Davoneilen
Beispiele:
die Flucht der schönen Tage
der Weise … / Sucht den ruhigen Pol in der Erscheinungen Flucht [ SchillerSpaziergang]
das Zurückweichen, Ausweichen
Beispiel:
eine Flucht aus der Wirklichkeit, Welt, vor der Entscheidung, Verantwortung, ins Schweigen, in die Krankheit, Illusion, Vergangenheit
2.
Jägersprache hoher und weiter Sprung des Wildes
Grammatik: Plural ‘Fluchten’
Beispiele:
eine Flucht machen
eine hohe Flucht
der Bock ging in hohen Fluchten ab
Als es dann so laut donnerte, hatte Schmalrehchen eine Flucht gemacht [ LönsMümmelmann4,55]
übertragen
Beispiel:
[Thea] ging, noch ehe sie erreicht worden war, in langen Fluchten mittendurch ab [ DodererStrudlhofstiege841]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Flucht1 · flüchten · flüchtig · Flüchtigkeit · verflüchtigen · Flüchtling · Zuflucht · Ausflucht
Flucht1 f. ‘das Fliehen’, ahd. fluht (9. Jh.), mhd. vluht, asächs. fluht, mnd. mnl. nl. vlucht, engl. flight (westgerm. *fluhti-) ist ein mit ti-Suffix und Ablaut gebildetes Abstraktum zu dem unter fliehen (s. d.) behandelten Verb. flüchten Vb. ‘sich oder etw. retten, in Sicherheit bringen, Schutz suchen, fliehen’, ahd. fluhten ‘vertreiben, austreiben’ (9. Jh.), mhd. vlühten, auch ‘fliehen’. flüchtig Adj. ‘auf der Flucht befindlich’, daher übertragen ‘schnell und ungenau, oberflächlich’, ahd. fluhtīg ‘fliehend’ (9. Jh.), mhd. vlühtec, vlühtic; Flüchtigkeit f. ‘Schnelligkeit’ (16. Jh.), dann ‘Oberflächlichkeit’; verflüchtigen Vb. ‘(sich) in seine Bestandteile, in Dampf auflösen, in gasförmigen Zustand übergehen bzw. überführen’ (18. Jh.), älter ‘fliehen’ (15. Jh.); vgl. mhd. vlühtegen ‘in die Flucht schlagen’ und vervlühtic ‘flüchtig’. Flüchtling m. ‘wer sich auf der Flucht befindet oder geflohen ist’ (17. Jh.). Zuflucht f. ‘Schutz(ort), Unterschlupf, Hilfe’; ahd. zuofluht (8. Jh.), mhd. zuovluht ist Übersetzung von lat. refugium der Bibel und verläßt erst im 14. Jh. den biblisch-religiösen Bereich. Ausflucht f. ‘Ausrede, Vorwand’, in dieser und anfangs noch in der eigentlichen Bedeutung ‘heimliches Entrinnen’ seit dem 15. Jh. belegt; doch vgl. schon ahd. ūʒfluht ‘Flucht, Ausweg zur Flucht, Gelegenheit, sich zu retten’ (8. Jh.) sowie spätmhd. ūʒvliehen ‘entfliehen, sich in Sicherheit bringen’ (14. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Flucht‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Flucht‹.

Verwendungsbeispiele für ›Flucht‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der bei weitem häufigste Ausdruck von Opposition war die Flucht. [Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 23]
Hatte sie mich nicht damals auf der Flucht beschützt, für mich gekämpft? [Knop, Jürgen: Im Irrenhaus. In: Klee, Ernst (Hg.), Behinderten-Report, Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch-Verl. 1981 [1974], S. 64]
Auch die Flucht selbst wird erst im französischen Text dramatisch. [Auerbach, Erich: Mimesis, Bern: Francke 1959 [1946], S. 107]
In dieser Flucht bringt sich das Dasein doch gerade nicht vor es selbst. [Heidegger, Martin: Sein und Zeit, Tübingen: Niemeyer 1986 [1927], S. 176]
Das mit der geplanten Flucht stimmt auch, aber daß ich das angezeigt hätte, ist unwahr. [Der Spiegel, 12.01.1998]
Zitationshilfe
„Flucht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Flucht#1>.

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Flucht, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Flucht · Nominativ Plural: Fluchten
Aussprache  [flʊχt]
Wortbildung  mit ›Flucht‹ als Erstglied: Fluchtlinie · Fluchtpunkt  ·  mit ›Flucht‹ als Letztglied: Häuserflucht · Schaufensterflucht · Straßenflucht · Treppenflucht · Türflucht
eWDG

Bedeutung

ununterbrochene, gerade Linie, in der Gebäude, Innenräume, Fenster aneinandergereiht sind
Beispiele:
die Häuser stehen in einer Flucht, sind alle in einer Flucht gebaut worden
eine gläserne Flucht
eine Flucht von Zimmern
die vier Zimmer lagen in einer Flucht
man konnte durch eine ganze Flucht von Sälen sehen
das Krankenzimmer lag am Ende der Flucht
die Flucht war durch ein Vestibül unterbrochen
in der ganzen Flucht war Licht
die Flucht der Fenster, Dächer, Treppen, Arkaden
Wir durchquerten die ausgebrannten Fluchten der überdimensionalen Säle [ PutlitzUnterwegs348]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Flucht2 · Fluchtlinie
Flucht2 f. ‘Reihung in gerader Linie’, seit dem 18. Jh. verbreitet, besonders in der Sprache der Architektur, vgl. eine Flucht von Zimmern, Fenster-, Bauflucht, stammt aus dem Nd., ebenso wie Flucht ‘Vogelflug, in zusammenhängender Reihe fliegender Vogelschwarm’ (in der Literatursprache bei nordd. Schriftstellern, vereinzelt schon 16. Jh.). Zugrunde liegt mnd. vlucht ‘das Fliegen, Flug, Flügel, Geflügel’, nd. Flugt, Flucht ‘Flug, Vogelschwarm, Richtung einer geraden Linie (an einer Mauer)’, vgl. mnl. nl. vlucht ‘das Fliegen, schnelle Bewegung, Schwarm’, aengl. flyht, engl. flight ‘Flug, Schwarm’, ablautendes ti-Abstraktum zu dem unter fliegen (s. d.) dargestellten Verb. Fluchtlinie f. ‘gerade Linie, in der Gebäude nebeneinander stehen’ (19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Flucht‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Flucht‹.

Verwendungsbeispiele für ›Flucht‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der bei weitem häufigste Ausdruck von Opposition war die Flucht. [Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 23]
Hatte sie mich nicht damals auf der Flucht beschützt, für mich gekämpft? [Knop, Jürgen: Im Irrenhaus. In: Klee, Ernst (Hg.), Behinderten-Report, Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch-Verl. 1981 [1974], S. 64]
Auch die Flucht selbst wird erst im französischen Text dramatisch. [Auerbach, Erich: Mimesis, Bern: Francke 1959 [1946], S. 107]
In dieser Flucht bringt sich das Dasein doch gerade nicht vor es selbst. [Heidegger, Martin: Sein und Zeit, Tübingen: Niemeyer 1986 [1927], S. 176]
Das mit der geplanten Flucht stimmt auch, aber daß ich das angezeigt hätte, ist unwahr. [Der Spiegel, 12.01.1998]
Zitationshilfe
„Flucht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Flucht#2>.

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