Folter, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Folter · Nominativ Plural: Foltern
Aussprache
WorttrennungFol-ter (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Folter‹ als Erstglied: ↗Folterbank · ↗Foltergefängnis · ↗Foltergerät · ↗Folterhölle · ↗Folterinstrument · ↗Folterkammer · ↗Folterkeller · ↗Folterknast · ↗Folterknecht · ↗Foltermethode · ↗Folteropfer · ↗Folterqual · ↗Folterverbot · ↗Folterwerkzeug
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
historisch Marterwerkzeug zur Erzwingung von Geständnissen
Beispiele:
auf der Folter liegen
Und wenn sie auf der Folter ihn befragen [SchillerWallenst. TodI 3]
umgangssprachlich, übertragen jmdn. (mit etw.) auf die Folter spannenjmdn. in qualvolle Erwartung versetzen
Beispiele:
er hat mich mit seinen Andeutungen, durch sein langes Schweigen auf die Folter gespannt
jmds. Neugier auf die Folter spannen
2.
meist im Singular
historisch das Foltern
Beispiele:
die mittelalterliche Folter
die Folter anwenden, abschaffen
die grausame Folter (nicht) ertragen
3.
gehoben, übertragen höchste Pein, Qual
Beispiele:
die unerträgliche Folter des bösen Gewissens
das lange Warten, diese schlechten Verse anzuhören ist eine wahre Folter für mich
alle nur erdenklichen Foltern der Reue erdulden
von der Folter der Angst getrieben
Zwei Tage, deren Folter uns noch in Gliedern und Nerven steckt [Kisch1,247]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Folter · foltern · Folterung
Folter f. ‘Gerät zur körperlichen Mißhandlung, um Geständnisse zu erpressen, körperliche, seelische Qual’. Die Herkunft des Wortes ist nicht völlig geklärt. Die Sache ist dem germanischen Recht ursprünglich fremd und wird erst unter römischem Einfluß eingeführt. Das von den Römern verwendete Foltergerät in der Gestalt eines Fohlens heißt lat. eculeus (eigentlich ‘Pferdchen’, Deminutivum zu lat. equus ‘Pferd’). Die zuerst Anfang des 15. Jhs. in der Form Föltrit belegte dt. Bezeichnung knüpft man dagegen an lat. pullitrus, eine ursprünglich adjektivische, dann substantivierte Ableitung von lat. pullus ‘jung (von Tieren), Tierjunges’ an (in der Antike nur in fem. Form als lat. pullitra ‘junges Huhn, Küken’ belegt), das in zahlreichen vlat. und mlat. Varianten weiterlebt, z. B. in mlat. pulletrus, poledrus, poletrus m. ‘Füllen, Fohlen’. Daraus entwickelt sich möglicherweise in volksetymologischer Anlehnung an Fohlen und unter lautlichem Einfluß von bedeutungsähnlichem ↗Marter (s. d.) die Form Folter (seit Ende des 15. Jhs. mit fem. Genus entsprechend Marter f.). Auch aus dem Vlat. entwickeltes span. potro ‘Fohlen’ ist auf ein Foltergerät übertragen worden. foltern Vb. ‘zur Geständniserpressung quälen, peinigen’ (Ende 14. Jh.), seit dem 17. Jh. auf den seelischen Bereich übertragen. Folterung f. (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Drangsal · Folter · ↗Folterung · ↗Höllenpein · ↗Höllenqual · ↗Marter · ↗Misshandlung · ↗Pein · ↗Peinigung · ↗Quälerei · ↗Tortur
Unterbegriffe
  • Auspeitschen · ↗Flagellation · ↗Geißelung
  • saubere Folter · weiße Folter
  • hochnotpeinliche Befragung · peinliche Befragung · scharfe Frage
Assoziationen
  • Generalinquisitor · ↗Großinquisitor
  • Stachelrolle · gespickter Hase
  • Spanischer Bock · Spanischer Reiter · Spanisches Pferd
  • Bogerschaukel · Papageienschaukel
  • Schreckung · ↗Territion
  • Beinschraube · Schraubstiefel · Spanischer Stiefel

Typische Verbindungen
computergeneriert

Androhung Entführung Exekution Gefängnis Geständnis Haft Hinrichtung Inhaftierung Menschenrechtsverletzung Misshandlunge Mißhandlung Mord Todesstrafe UN-Konvention UN-Sonderberichterstatter Unterdrückung Verbot Verfolgung Vergewaltigung Verhaftung Verhör Verschleppung Verschwindenlassen Vertreibung Völkermord Zwangsarbeit erpressen psychisch spannen systematisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Folter‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Ergebnis ist bescheiden - wann hätte Folter jemals viel gebracht?
Die Welt, 21.05.2004
Der Sinn der Folter besteht darin, das Opfer zu brechen.
Der Tagesspiegel, 25.06.2002
Am ersten Tag seiner Regierung schaffte er die Folter ab.
Schwanitz, Dietrich: Bildung, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 140
Aber nun will ich Sie nicht länger auf die Folter spannen.
Killian, Hans: Auf Leben und Tod, München: Wilhelm Heyne Verlag 1976, S. 121
Als dies mißlang, mußten sie ihr unbequemes Wissen in grauenvoller Folter büßen.
Altheim, Franz: Das alte Iran. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 21843
Zitationshilfe
„Folter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Folter>, abgerufen am 19.10.2019.

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