Formalismus, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Formalismus · Nominativ Plural: Formalismen · wird meist im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung For-ma-lis-mus
Wortzerlegung formal -ismus
Herkunft zu fōrmālislat ‘äußerlich, zur Form gehörig, an eine bestimmte Form gebunden’
eWDG

Bedeutung

Überbetonung des Formalen
Beispiele:
bloßer, reiner Formalismus
der Formalismus in der Kunst
die Gefahr, Überwindung des Formalismus
jeden Formalismus in der Verwaltung, im Unterricht vermeiden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

formal · formell · Formalie · formalisieren · Formalismus · formalistisch · Formalität
formal Adj. ‘die Form betreffend’, im 16. Jh. aus lat. formālis ‘äußerlich, zur Form gehörig, an eine bestimmte Form gebunden’ (zu lat. forma, s. Form) entlehnt. formell Adj. ‘die äußere Form genau beachtend, konventionell, steif’ (s. auch förmlich), Übernahme (18. Jh.) von (gleichfalls auf lat. formālis beruhendem) frz. formel, zunächst in dessen Bedeutung ‘in aller Form ausgesprochen, ausdrücklich, unmißverständlich’, in heutiger Verwendung seit dem 19. Jh. Formalie f. ‘Äußerliches, Vorschrift der Form’ (16. Jh.), meist im Plural gebraucht, aus lat. formālia, dem substantivierten neutralen Plural des Adjektivs formālis. formalisieren Vb. ‘in eine strenge, eine bestimmte Form bringen’. Dieser moderne Gebrauch (19. Jh.) entwickelt sich aus dem Adjektiv formal (s. oben). Älteres (bis ins 19. Jh. geltendes) sich formalisieren ‘Anstoß nehmen, sich über etw. aufhalten’ ist Entlehnung (17. Jh.) aus frz. se formaliser ‘sich ärgerlich über etw. aussprechen’, eigentlich ‘schockiert sein über das Fehlen jeder Form’, vgl. mfrz. formaliser ‘formgerecht abfassen, formulieren’. Formalismus m. Kunstrichtung, die die Form des Kunstwerks überbewertet und den Inhalt vernachlässigt, allgemein ‘nur auf Äußeres gerichtete Betrachtungsweise’, gelehrte nlat. Bildung des 19. Jhs. zu lat. formālis; dazu formalistisch Adj. (19. Jh.). Formalität f. ‘Äußerlichkeit, Vorschrift der Form’ (16. Jh.), mlat. formalitas (Genitiv formalitatis).

Typische Verbindungen zu ›Formalismus‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Formalismus‹.

Verwendungsbeispiele für ›Formalismus‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie wurde teils starrer Formalismus, teils mißglückte sie gänzlich, wie auf dem Gebiet der Sprache. [Blättner, Fritz: Geschichte der Pädagogik, Heidelberg: Quelle & Meyer 1961 [1951], S. 105]
Das Hineinhören literarischer Programme überschreitet das Gebiet der absoluten Musik, der Formalismus verengt es. [Wiora, Walter: Absolute Musik. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1951], S. 726]
In der Praxis wird sie sich kaum durchsetzen, denn solche Prüfungen werden erfahrungsgemäß schnell zu purem Formalismus. [C't, 1995, Nr. 4]
Nie hat jemand ihm klarmachen können, wie überflüssig dieser Formalismus war. [C't, 1994, Nr. 10]
Dies aber stellt den Formalismus des Rechts grundsätzlich in Frage. [Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 626]
Zitationshilfe
„Formalismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Formalismus>.

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