Fräulein, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Fräuleins · Nominativ Plural: Fräulein
Nebenformen umgangssprachlich Fräulein · Substantiv · Nominativ Plural: Fräuleins
Abkürzung Frl.
Aussprache 
Worttrennung Fräu-lein
Wortzerlegung Frau -lein
Wortbildung  mit ›Fräulein‹ als Erstglied: Fräuleinstift · Fräuleinwunder  ·  mit ›Fräulein‹ als Letztglied: Buffetfräulein · Burgfräulein · Büfettfräulein · Büffetfräulein · Edelfräulein · Freifräulein · Hoffräulein · Kammerfräulein · Kinderfräulein · Klosterfräulein · Ladenfräulein · Landfräulein · Reichsfräulein · Servierfräulein · Stadtfräulein · Stiftsfräulein · Telefonfräulein
Mehrwortausdrücke  Fräulein vom Amt
eWDG

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich unverheiratete (jüngere) erwachsene Person weiblichen Geschlechts
Beispiele:
wer war denn das junge, hübsche Fräulein?
ein Fräulein wollte Sie sprechen
ein ältliches Fräulein
Zwei alte Fräuleins kamen aus dem Dom, zwei ledige Schwestern [ SeghersSiebtes Kreuz4,89]
veraltetMein schönes Fräulein, darf ich wagen, / Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen? (= Anrede nur für unverheiratete Adlige) [ GoetheFaustI 2605]
umgangssprachlich erwachsene Person weiblichen Geschlechts, gleichgültig, ob verheiratet oder unverheiratet
Beispiele:
historischdas Fräulein vom Amt (= die Vermittlerin vom Fernsprechamt) schaltete sich ein
Fräulein, können Sie mir sagen, wie ich zum Rathaus komme? (= Anrede)
[zu einer Serviererin:] Fräulein, ich möchte zahlen
[zu einer Verkäuferin:] Fräulein, können Sie mir noch mal diesen Stoff zeigen?
2.
Grammatik: tritt vor Namen, Titel unverheirateter (jüngerer) erwachsener Personen weiblichen Geschlechts
Beispiele:
guten Tag, Fräulein Müller!
Fräulein Doktor (N)
Fräulein Inge
liebes, sehr geehrtes Fräulein Müller (= Briefanfang)
»haben Sie Fräulein Müller gesehen?« »Nein, ich habe sie nicht gesehen«
gehoben im Gespräch über unverheiratete (jüngere) weibliche Verwandte des Gesprächspartners
Grammatik: vor Verwandtschaftsbezeichnungen
Beispiel:
Ihr Fräulein Tochter, Schwester
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Frau · Hausfrau2 · Fräulein · fraulich · frauenhaft · Frauentag · Frauenzimmer
Frau f. ‘erwachsener weiblicher Mensch, Ehefrau’, auch in der Anrede (dabei erst neuerdings nicht mehr auf Verheiratete beschränkt), ahd. frouwa ‘Herrin’ (9. Jh.), mhd. mnd. vrouwe, asächs. frūa (aus dem Dt. entlehnt mnl. vrouwe, nl. vrouw?) sowie der Name der Göttin anord. Freyja sind movierte Feminina zu ahd. frō ‘Herr’ und seinen Entsprechungen (s. Frone). In der mittelalterlichen Gesellschaftsordnung ist ahd. frouwa, mhd. vrouwe Standesbezeichnung und Anrede für die verheiratete Edeldame als Vorsteherin des Hauswesens. Demgegenüber steht mhd. wīp (s. Weib) als Geschlechtsbezeichnung, wird aber mit dem Aufkommen der bürgerlichen Literatur von Frau allmählich verdrängt. Jedoch erst im 18. Jh. wird durch die Emanzipation des Bürgertums Frau allgemein und beginnt zu Anfang des 19. Jhs. Madame in der Anrede für Bürgerfrauen abzulösen. Hausfrau2 f. ‘Hausherrin’, mhd. hūsvrouwe ‘Herrin im Hause, Gattin’. Fräulein n. ‘erwachsene weibliche unverheiratete Person’, mhd. vrouwelīn ‘Herrin, Gebieterin, junge unverheiratete Edeldame’ (vgl. ahd. jungfrouwilīn, Hs. 12. Jh.) bleibt wie Frau ursprünglich als Standesbezeichnung und Anrede dem Adel vorbehalten. Im 18. Jh. wird Fräulein allgemeine Bezeichnung für junge unverheiratete Mädchen und verdrängt zu Beginn des 19. Jhs. die Anrede Jungfer, Mademoiselle, Mamsell für Bürgermädchen. fraulich Adj. ‘weiblich, mütterlich’, mhd. vrouwelich ‘weiblich, einer Herrin entsprechend’. frauenhaft Adj. ‘einer Frau entsprechend’ (18. Jh.). Frauentag m. am 8. März begangener internationaler Gedenktag für die Rechte der Frauen (um 1910; ohne Zusammenhang mit spätmhd. vrouwentag ‘kirchlicher Festtag zu Ehren Marias’). Frauenzimmer n. ‘Frau’, ursprünglich (15. Jh.) ‘Gemach der Herrin, Aufenthaltsraum der Frauen’; seit dem 16. Jh. übertragen auf die sich dort aufhaltenden Frauen, das weibliche Hofgefolge, die weibliche Dienerschaft, seit dem 17. Jh. auch Bezeichnung für die ‘Frau’ als Einzelwesen. Noch im 18. Jh. in neutraler Verwendung üblich, später (19. Jh.) meist scherzhaft oder geringschätzig; vgl. Seebold Etymologie (1981) 15 ff.

Thesaurus

Synonymgruppe
junge Dame · unverheiratete Frau  ●  Demoiselle  veraltet, franz. · Fräulein  veraltet · Mademoiselle  franz.
Assoziationen
Synonymgruppe
(junges) Ding · Mädchen · junge Dame  ●  Deern  norddeutsch · Dirn(e)  veraltet, regional · Fräulein  veraltet · Maid  veraltet, poetisch · junge Frau  Hauptform · Girl  ugs. · Mieze  ugs., sexualisiert · Mädel  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
(meine) Gnädigste (Anrede)  ●  Verehrteste  ironisch · gnä' Frau  veraltet · gnädige Frau (Anrede)  veraltet, förmlich · junge Frau (Anrede)  Hauptform · Baby (Anrede)  ugs., salopp · Frollein  ugs., salopp · Frolleinchen (familiär)  ugs., veraltend · Fräulein  ugs., veraltet · Kleine (Anrede, auch herablassend)  ugs. · Mädels (Anrede)  ugs. · Schätzchen (Anrede, leicht herablassend)  ugs. · Sie da  ugs. · Sweetie (Anrede)  ugs., salopp · gute Frau  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Fräulein‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fräulein‹.

Verwendungsbeispiele für ›Fräulein‹, ›Frl.‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich hatte gehofft, das Fräulein in einer besseren Verfassung vorzufinden. [Simmel, Johannes Mario: Der Stoff, aus dem die Träume sind, Güterlsoh: Bertelsmann u. a. [1973] [1971], S. 635]
Aber wie sollte sie es fertigbringen, ihrem Fräulein nichts zu erzählen? [Jens, Walter: Nein, München: Piper 1968 [1950], S. 219]
Ei, mein Fräulein, könnten Sie sich dazu verstehen, mich durch den Abend zu streifen? [Tucholsky, Kurt: Deutsch für Amerikaner. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1929], S. 21503]
Dort lernt er das Fräulein Eva Zink kennen, sie heiraten. [Die Zeit, 09.12.2013, Nr. 49]
Während wir über einen Pfad wanderten, schwärmte das Fräulein weiter. [Simmel, Johannes Mario: Der Stoff, aus dem die Träume sind, Güterlsoh: Bertelsmann u. a. [1973] [1971], S. 645]
Zitationshilfe
„Fräulein“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fr%C3%A4ulein>.

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