Frühling, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Frühlings · Nominativ Plural: Frühlinge
Aussprache  [ˈfʀyːlɪŋ]
Worttrennung Früh-ling
Wortzerlegung  früh -ling
Mehrwortausdrücke  zweiter Frühling
eWDG und ZDL

Bedeutung

erste der vier Jahreszeiten, in der die Natur wieder zu neuem Leben erwacht
Beispiele:
ein warmer, milder, nasser, kalter, später Frühling
die wärmende Sonne, Luft des Frühlings
es ist, wird bald Frühling
der Frühling beginnt
gehobender Frühling zieht ein, geht ins Land
[…] tote begrabene Frühlinge fangen wieder an zu grünen und zu blühen […] [ RaabeSperlingsgasseI 1,7]
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / Durch des Frühlings holden, belebenden Blick […] [ GoetheFaustI 904]
a)
salopp, spöttisch, bildlich
Phrasem:
hasch(e) mich, ich bin der Frühling (= drückt ablehnende Kritik an einer zu auffällig jugendlichen Kleidung und Haltung aus)
Beispiele:
Und wenn einmal von jenen anderen Dingen der wilden Welt die Rede ist, dann mit einer so geschickt‑linkischen Unbeholfenheit, etwa wie die Kindersprache einer verheirateten Frau, die sich zur Abwechslung ein bißchen niedlich machen möchte, hasche mich, ich bin der Frühling … Selbst der Böse ist noch lackiert […]. [Tucholsky, Kurt: Ein Pyrenäenbuch. In: ders.: Kurt Tucholsky, Werke – Briefe – Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1927], S. 4979]ZDL
[…] handgroße Broschen aus Altsilber vorm Bauch und Feldblumen im Haar – hasch mich, ich bin der Frühling! [ BredelSöhne129]
b)
gehoben, übertragen Blütezeit
Beispiele:
der Frühling des Lebens, der Liebe
Des Minnesangs Frühling [Buchtitel]
in der Klassik erlebte die deutsche Dichtung einen neuen Frühling
c)
übertragen oft in Namensbezeichnungen für historische Ereignisse oder Entwicklungen   Zeit des Aufbruchs, Neuanfangs; durch Aufbruchbewegungen oder Reformanstrengungen geprägtes gesellschaftliches Klima, in dem sich starre bzw. repressive soziale oder staatliche Strukturen wandelnZDL
siehe auch Tauwetter (2)
Beispiele:
Ägypten hat nach dem »arabischen Frühling«, der im Dezember 2010 begann, mit harter Hand gezeigt, dass die alten Machthaber der arabischen Welt mit Geschick fähig sind, den Wunsch nach Freiheit mit neuer Willkürherrschaft zu parieren. [Die Welt, 13.03.2019]
Während des Arabischen Frühlings forderten die Demonstranten in Tunis oder auf dem Tahrir‑Platz in Kairo: »Brot, Freiheit und soziale Gerechtigkeit!« Brot gibt ihnen die Regierung, aber von sozialer Gerechtigkeit sehen sich viele heute weiter entfernt als damals. [Süddeutsche Zeitung, 19.06.2018]
Das Papstamt soll nicht überhöht werden: Franziskus nennt sich selbst einen »demütigen, der Barmherzigkeit Gottes bedürftigen Sünder«. Die Kurie soll umgewandelt werden in ein Dienstleistungsorgan an der Weltkirche[…]. Diese notwendigen Reformen, die einen »Frühling« im kirchlichen Leben herbeiführen sollen, stoßen leider bei den Nutznießern des bisherigen Kirchenmodells auf zum Teil erbitterten Widerstand. [Süddeutsche Zeitung, 23.03.2016]
Ob die jüngsten Proteste, die bisweilen als Vorboten eines »bosnischen Frühlings« gedeutet werden, die zerstrittenen Politiker endlich zu Reformen antreiben können, bleibt fraglich. [Neue Zürcher Zeitung, 10.02.2014]
Immer wieder taucht in afrikanischen Medien die Frage auf, wo wohl der erste politische Frühling südlich der Sahara ausbrechen könnte. [Die Zeit, 12.01.2012]
Am 21. August 1968 waren die Truppen des Warschauer Paktes unter Beteiligung Polens in die Tschechoslowakei einmarschiert und hatten der im Zuge des »Prager Frühlings« begonnenen Reform mit Gewalt ein Ende gesetzt. [Der Spiegel, 22.08.2005 (online)]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Frühling · Frühjahr
Frühling m. ‘Jahreszeit des beginnenden Wachstums und der Blüte’, auch im Sinne von ‘Frühzeit, Anfangszeit’ auf Lebensalter und Zeitepochen übertragen, frühnhd. früelinc (15. Jh.). In älterer Sprache auch Bezeichnung für ein im Frühjahr geborenes Tierjunges. Frühling (in der Lutherbibel verwendet) tritt in Konkurrenz zu älterem Lenz (s. d.); in einigen Landschaften gilt Frühjahr n. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Frühjahr · Frühling · Frühlingszeit  ●  Lenz  poetisch
Oberbegriffe
Assoziationen
Antonyme
  • Frühling

Typische Verbindungen zu ›Frühling‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Frühling‹.

Zitationshilfe
„Frühling“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fr%C3%BChling>, abgerufen am 25.10.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Frühlicht
Frühliberalismus
Frühlese
Frühkultur
Frühkonzert
Frühlingsadonisröschen
Frühlingsanfang
Frühlingsbeginn
Frühlingsblüher
Frühlingsblume