Fratz, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Fratzes/Fratzen · Nominativ Plural: Fratze(n)
Aussprache
eWDG, 1967

Bedeutung

umgangssprachlich, vertraulich niedliches, schelmisches, (eitles) kleines Kind, besonders Mädchen
Beispiele:
so ein Fratz!
ein süßer, niedlicher Fratz
Dein Töchterchen Marianne soll […] ein ganz entzückender kleiner Fratz sein [SeghersDie Toten6,513]
landschaftlich, (besonders) süddeutsch, (besonders) österreichisch, (besonders) schweizerisch, umgangssprachlich, abwertend (ungezogenes) Kind, besonders Mädchen
Beispiele:
Will nichts riskieren, vielleicht wegen dem Fratz da [SeghersSiebtes Kreuz4,255]
»[…] Naus zur Stuben, du Fratz, du gottvergessener! Oder ich vergreif mich an dir!« [GanghoferHubertus326]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fratze · Fratz · fratzenhaft
Fratze f. ‘Grimasse, Larve, Posse’; im 16. Jh. (Luther 1521) wird Fratzen Plur. ‘Possen, albernes Gerede’ wohl aus ital. frasche Plur. ‘dürre Äste, dummes Zeug, unbedeutende, nichtige Dinge, Possen’ entlehnt. Für dieses Substantiv mit dem Sing. ital. frasca ‘belaubter Zweig’ fehlt eine sichere Herleitung; es läßt sich als Nominalbildung zu vlat. *fraxicāre ‘brechen’ erklären, doch setzt dieses Verb ein Part. Perf. lat. *fraxum neben lat. frāctum (von lat. frangere ‘brechen’) voraus. Battisti/Alessio 3, 1708 sehen dagegen das Etymon in mlat. frasca (9. Jh., Norditalien) und halten dieses für ein Reliktwort des Mittelmeerraumes. Zur Kennzeichnung einer Schenke wird ein Laubzweig (frasca) am Hause angebracht; die Späße in der Schankstube werden mit dem Plur. frasche bezeichnet. Die Verwendung im Sinne von ‘Grimasse, verzerrtes Gesicht’ geht auf Kürzung von Fratzengesicht im 18. Jh. zurück. Fratz m. ‘häßlicher, schlechter Mensch, ungezogenes Kind’ (16. Jh.), dann in abgeschwächtem Sinne ‘schelmisches kleines Kind, besonders Mädchen’ (19. Jh.) geht möglicherweise direkt auf ital. frasca zurück, das auch ‘leichtsinniger Mensch’ bedeutet. fratzenhaft Adj. ‘wie eine Fratze’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bengel · ↗Flegel · ↗Frechling · ↗Lausbub · ↗Lausbube · ↗Lausebengel · ↗Schelm · ↗Schlingel · ↗Strolch  ●  Fratz  süddt. · ↗Lorbass  ostpreußisch · ↗Range  veraltet · ↗Bazi  ugs., österr., bair. · ↗Dreikäsehoch  ugs. · ↗Frechdachs  ugs. · Frechmops  ugs. · ↗Früchtchen  ugs. · ↗Knilch  ugs. · ↗Lauser  ugs. · ↗Lümmel  ugs., veraltend · ↗Pülcher  ugs., österr. · ↗Racker  ugs. · ↗Rotzbengel  ugs. · Rotzblag  ugs., ruhrdt. · Rotzbubi  ugs. · ↗Rotzgöre  ugs. · ↗Rotzjunge  ugs. · ↗Rotzlöffel  ugs. · ↗Rotznase  ugs. · Schliffel  ugs., veraltet, altbairisch
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Antlitz Böse Gesicht Grimasse Kapitalismus Maske Monster Terror Teufel Ungeheuer Vergangenheit dämonisch eitel erkennen frech grinsen häßlich malen niedlich schneiden schnitzen süß verwandeln verzerren verzerrt verziehen verzogen wild zeigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fratz‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Warum nur hat die Mutter diesen niedlichen Fratz in Stich gelassen?
Bild, 15.03.2000
Sie zeigt uns ein Kleinkind vor einem Computer, zweimal so groß wie der Fratz.
Süddeutsche Zeitung, 17.03.1995
Er darf strippen und Frauen betören wie der süße Fratz in der Cola-Light-Werbung.
Der Tagesspiegel, 17.02.2001
Kaum den Windeln entronnen, beginnt der Fratz zum Entzücken seiner protestantischen Schulmeisterfamilie das Lesen zu simulieren.
Die Zeit, 02.08.2012, Nr. 31
In letzter Zeit war Pedro auch so ein hartnäckiger kleiner Fratz aufgefallen, der immer wieder nach dem "echten Christkind" gefragt hatte.
Süddeutsche Zeitung, 20.12.1997
Zitationshilfe
„Fratz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fratz>, abgerufen am 24.07.2019.

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