Fratze, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Fratze · Nominativ Plural: Fratzen
Aussprache
WorttrennungFrat-ze
Wortbildung mit ›Fratze‹ als Erstglied: ↗Frätzchen · ↗fratzenhaft
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
verzerrtes, hässliches Gesicht
Beispiele:
salopp, abwertend er hat eine widerliche, widerwärtige, scheußliche Fratze
salopp, abwertend während der hier so eine platte flache Fratze hatte mit dicker Nase und aufgeworfenem Mund [SeghersSiebtes Kreuz4,52]
die wilde Fratze einer afrikanischen Tanzmaske [ZuckmayerTeufels GeneralII]
bildlich
Beispiel:
Das ist die Fratze (= das Zerrbild) der Macht [GoesBrandopfer55]
salopp, abwertend Gesicht
Beispiele:
seine Fratze kann ich nicht mehr sehen!
Hat Ihr Vater auch so eine schlaue Fratze wie Sie [RennAdel188]
umgangssprachlich, scherzhaft
Beispiele:
sie hat ein niedliches Frätzchen
Sie hatte ein dunkles Frätzchen mit schwarzen Haarfransen in der Stirn [Th. MannJoseph3,164]
2.
umgangssprachlich Grimasse
Beispiele:
(jmdm.) Fratzen schneiden, ziehen
Er verzog das Gesicht zu einer gelangweilten Fratze [WeiskopfAbschied v. Frieden1,233]
Ich ... blickte mich in der dunklen Fensterscheibe an und begann Fratzen zu schneiden [SchallückReineke29]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fratze · Fratz · fratzenhaft
Fratze f. ‘Grimasse, Larve, Posse’; im 16. Jh. (Luther 1521) wird Fratzen Plur. ‘Possen, albernes Gerede’ wohl aus ital. frasche Plur. ‘dürre Äste, dummes Zeug, unbedeutende, nichtige Dinge, Possen’ entlehnt. Für dieses Substantiv mit dem Sing. ital. frasca ‘belaubter Zweig’ fehlt eine sichere Herleitung; es läßt sich als Nominalbildung zu vlat. *fraxicāre ‘brechen’ erklären, doch setzt dieses Verb ein Part. Perf. lat. *fraxum neben lat. frāctum (von lat. frangere ‘brechen’) voraus. Battisti/Alessio 3, 1708 sehen dagegen das Etymon in mlat. frasca (9. Jh., Norditalien) und halten dieses für ein Reliktwort des Mittelmeerraumes. Zur Kennzeichnung einer Schenke wird ein Laubzweig (frasca) am Hause angebracht; die Späße in der Schankstube werden mit dem Plur. frasche bezeichnet. Die Verwendung im Sinne von ‘Grimasse, verzerrtes Gesicht’ geht auf Kürzung von Fratzengesicht im 18. Jh. zurück. Fratz m. ‘häßlicher, schlechter Mensch, ungezogenes Kind’ (16. Jh.), dann in abgeschwächtem Sinne ‘schelmisches kleines Kind, besonders Mädchen’ (19. Jh.) geht möglicherweise direkt auf ital. frasca zurück, das auch ‘leichtsinniger Mensch’ bedeutet. fratzenhaft Adj. ‘wie eine Fratze’ (18. Jh.).

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Angesicht · ↗Antlitz  ●  ↗Gesicht  Hauptform · Fratze  derb · ↗Fresse  derb · ↗Visage  derb
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Faxen · Fratze · ↗Grimasse
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Böse Dämon Grimasse Kapitalismus Maske abscheulich angrinsen bös dämonisch entgegengrinsen entstellen entstellt fies fürchterlich gespenstisch grell grinsen grinsend grotesk gräßlich häßlich höhnisch schneiden teuflisch unmenschlich verzerren verzerrt verziehen verzogen widerlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fratze‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was früher einmal ein Bild vollkommener Schönheit war, ist jetzt eine hässliche Fratze.
Süddeutsche Zeitung, 25.11.2000
Dann fange ich an, mich zu rasieren, und schneide Fratzen.
Bild, 23.07.1998
Greg versuchte zu grinsen, brachte aber nur eine Fratze zustande.
C't, 1994, Nr. 12
Sein Gesicht war zu einer Fratze verzerrt, er weinte vor sich hin.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 245
Hier aber schien ihn der Wahnwitz mit seiner entsetzlichsten Fratze anzugrinsen.
Hauptmann, Gerhart: Der Narr in Christo Emanuel Quint, Berlin: Aufbau-Verl. 1962 [1910], S. 186
Zitationshilfe
„Fratze“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fratze>, abgerufen am 17.06.2019.

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