Freibrief, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungFrei-brief (computergeneriert)
WortzerlegungfreiBrief
eWDG, 1967

Bedeutungen

historisch Urkunde, in der Freiheiten garantiert werden
Beispiel:
manche der von Sulla einzelnen Gemeinden erteilten Freibriefe [MommsenRöm. Geschichte3,88]
übertragen Erlaubnis für etw. sonst Unerlaubtes
Beispiele:
jmdm. einen Freibrief ausstellen, etw. zu tun (= jmdm. in etw. völlig freie Hand geben)
du darfst nicht denken, dass deine Intelligenz ein Freibrief für Faulheit ist
Gilt Willensschwäche in deinen Augen als Freibrief für strafbare Handlungen? [R. BartschGeliebt515]
daß die Freiheit kein Freibrief sein darf für diejenigen, die nach ihrer Vernichtung trachten [Th. Mann11,447]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

frei · Freiheit · befreien · Befreiung · freilich · Freibank · Freibeuter · Freibrief · Freidenker · Freigeist · Freihafen · Freihandel · Freiherr · Freifrau · Freimaurer · freimütig · Freimütigkeit · Freimut · Freistaat · Freistatt · Freistätte · Freitod · freiwillig · Freiwilligkeit · Freizeit
frei Adj. ‘unabhängig, unbeschränkt’, ahd. frī (um 800), mhd. mnd. mnl. vrī, nl. vrij, asächs. frī- in frīlīk ‘frei’, aengl. frēo, engl. free, got. freis gehören mit kymr. rhydd ‘frei’ zur Wurzel ie. *prāi-, *prī- ‘gern haben, schonen, friedlich-frohe Gesinnung’ wie auch aind. priyáḥ ‘eigen, lieb’, prīṇā́ti ‘erfreut, ergötzt, ermuntert, findet Gefallen an etw., genießt’, (vielleicht) griech. prāÿ́s (πραΰς, aus *πραι̯υ-?) ‘sanft, gelinde, zahm’, aslaw. prịjati ‘hold sein, beistehen’, mruss. prijat’ (npuяmь) ‘begünstigen, wohlgesinnt sein’, aslaw. prịjatelь, russ. prijátel’ (приятель) ‘Freund’ sowie ↗freien, ↗Freitag, ↗Freund, ↗Friede, ↗Friedhof (s. d.). Vgl. dazu ahd. frīhelsī, aengl. frēols, got. freihals ‘Freiheit’, anord. frjāls ‘frei’, die wohl von der ‘Unantastbarkeit des Halses’ (eines freien Mannes im Gegensatz zum Unfreien) ausgehen. Die sich nur im Germ. und Kelt. vollziehende Entwicklung von ‘lieb’ zu ‘frei, unabhängig’ erklärt sich aus einer Vorstellung ‘zu denen gehörig, die man gern hat und schont’, also den Freunden, den Stammesgenossen (im Gegensatz zu den stammesfremden Unfreien und Kriegsgefangenen). Freiheit f. ‘Unabhängigkeit’, ahd. frīheit (um 1000, Notker), mhd. vrīheit, auch ‘Privileg, privilegierter Bezirk’, vgl. nhd. Schloß-, Baufreiheit. befreien Vb. ‘unabhängig machen, erlösen’, mhd. bevrīen; vgl. mhd. vrīen, nhd. (älter) freien ‘frei machen’ (s. ↗Gefreiter). Befreiung f. ‘Entledigung (von Verbindlichkeiten), Erlösung’ (15. Jh.). freilich Adv. ‘gewiß, bestimmt, allerdings’, mhd. vrīlīche(n) ‘unbehindert, freimütig, offenbar, unbekümmert, frischweg, ohne Zaudern’; vgl. ahd. frīlīh Adj. (9. Jh.), mhd. vrīlich ‘frei, schrankenlos, unbefangen’. Freibank f. ‘Verkaufsstand für wertgemindertes Fleisch’ (19. Jh.), älter ‘für alle Fleischer zur freien Benutzung stehender Verkaufsstand’ (16. Jh.). Freibeuter m. ‘Pirat, Seeräuber’ (16. Jh.), mnd. vrībǖter ‘mit Vollmacht zum Kapern feindlicher Schiffe ausgerüsteter Schiffsführer oder Seemann, Seeräuber’, nl. vrijbuiter. Freibrief m. ‘verbrieftes Privileg, Anrechtsurkunde’ (15. Jh.), heute meist übertragen ‘Erlaubnis’ (für sonst Unstatthaftes), älter ‘Freilassungsurkunde’ (für einen Unfreien). Freidenker m. ‘von Religion Unabhängiger, nur der Vernunft, den eigenen Anschauungen Verpflichteter’ (18. Jh.), Übersetzung von engl. freethinker, nach einer gleichnamigen englischen Wochenschrift; dazu Freidenkerei, freidenkerisch (18. Jh.). Freigeist m. ‘geistig unabhängiger Mensch’, zunächst ‘Ketzer, Religionsverächter’ (17. Jh.); früher bezeugt ist freier Geist ‘Ketzer, Sektierer’ (seit 14. Jh.); dazu Freigeisterei (18. Jh.). Freihafen m. ‘Hafen außerhalb des Zollgebietes’ (18. Jh.). Freihandel m. ‘von Zollschranken und anderen einzelstaatlichen Beschränkungen unbehinderter Handel’ (19. Jh.), Übersetzung von engl. free trade. Freiherr m. Freifrau f. dem Baron entsprechender Adelstitel, spätmhd. vrīherre ‘freier Edelmann’, vrīvrouwe. Freimaurer m. Angehöriger einer übernationalen Gemeinschaft mit humanitärer Zielstellung (18. Jh.). Der in England gegründete Geheimbund bedient sich der Symbole und Bräuche mittelalterlicher Bauhütten, aus denen sich der Name herleitet, engl. freemason, frz. franc-mac̦on (s. ↗Steinmetz); Freimaurerei f. (18. Jh.). freimütig Adj. ‘offen, unerschrocken’, mhd. vrīmüetic; Freimütigkeit f. ‘Unerschrockenheit’ (16. Jh.), auch Freimut m. (17. Jh.), vereinzelt bereits mhd. vrīmuot. Freistaat m. ‘Republik’ (1768 von der Schweizer Eidgenossenschaft; nach Abschaffung der Monarchie 1918 nennen sich die meisten deutschen Länder Freistaat, heute noch die ehemaligen Königreiche Sachsen und Bayern). Freistatt, Freistätte f. ‘Zufluchtsort, Asyl’, im 14. Jh. bereits als Flurname, allgemein gebräuchlich seit dem 17. Jh. Freitod m. euphemistisch für ‘Selbstmord’ (Ende 19. Jh.), nach Vom freien Tod (Nietzsche, Zarathustra, 1883). freiwillig Adj. ‘aus eigenem Antrieb’ (16. Jh.), älter Freiwilligkeit f. ‘eigener innerer Antrieb’ (15. Jh.). Freizeit f. ‘arbeitsfreie Zeit, Zeit der Erholung’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Befugnis · ↗Bevollmächtigung · ↗Ermächtigung · Freibrief · ↗Handlungsvollmacht · ↗Mandat · ↗Prokura · ↗Vollmacht · Vollziehungsbefehl  ●  ↗Pouvoir  österr. · Kommittiv  fachspr., lat., veraltet
Assoziationen
Synonymgruppe
Blankovollmacht · ↗Lizenz  ●  Freibrief  fig. · ↗Blankoscheck  ugs., fig. · Carte blanche  geh. · ↗Freifahrtschein  ugs., fig. · ↗Persilschein  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausbeutung Beleidigung Beliebigkeit Fachkräftemangel Folter Freispruch Gewalttat Invasion Menschenrechtsverletzung Missmanagement Raser Schuldenmachen Schuldenpolitik Töten Untätigkeit Verschwendung Willkür Zensur Zuwanderung ableiten auffassen ausgestellt auslegen ausstellen erteilen generell gleichkommen interpretieren mißbrauchen mißverstehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Freibrief‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Einen Freibrief für den Einsatz von Überwachungskameras dürfe es aber nicht geben.
Süddeutsche Zeitung, 27.09.2001
Das sei aber "kein Freibrief, neue Ausgaben zu erzeugen", sagt Finanzminister Aller.
Der Tagesspiegel, 27.10.1998
Das Fehlen internationaler Bestimmungen über Propaganda ist kein Freibrief für Lüge.
o. A.: Einhundertfünfundsechzigster Tag. Donnerstag, 27. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 11858
Der hat eigentlich notwendigerweise bei mir einen Freibrief all seines Gehabens!
Altenberg, Peter: Mein Lebensabend, Mein Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 9284
Und daß die Ehemänner Temperament haben, ist für die Frauen noch lange kein Freibrief.
Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 473
Zitationshilfe
„Freibrief“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Freibrief>, abgerufen am 13.12.2019.

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