Fremde, die oder der

GrammatikSubstantiv (Femininum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Fremden · Nominativ Plural: Fremde(n)
Mit Pluralendung -n wird das Wort in der schwachen Flexion (bestimmter Artikel) und der gemischten Flexion (Indefinitpronomen, Possessivpronomen) gebildet, z. B. die, keine Fremden, in der starken Flexion ist die Endung unmarkiert, z. B. zwei, einige Fremde.
WorttrennungFrem-de
Grundformfremd
Wortbildung mit ›Fremde‹ als Erstglied: ↗Fremdenbesuch · ↗Fremdenbett · ↗Fremdenbuch · ↗Fremdenfang · ↗Fremdenführer · ↗Fremdenführerin · ↗Fremdenhass · ↗Fremdenheim · ↗Fremdenindustrie · ↗Fremdenlegion · ↗Fremdenlegionär · ↗Fremdenliste · ↗Fremdennächtigung · ↗Fremdenpass · ↗Fremdenpolizei · ↗Fremdenrecht · ↗Fremdensitzung · ↗Fremdenverkehr · ↗Fremdenzimmer · ↗fremdenfeindlich · ↗fremdenfreundlich
 ·  mit ›Fremde‹ als Letztglied: ↗Ortsfremde · ↗Schulfremde
eWDG, 1967

Bedeutung

entsprechend der Bedeutung von fremd (Lesart 1 u. 3)
1.
jmd., der aus einem anderen Ort, aus einer anderen Gegend stammt
Gegenwort zu Einheimische
Beispiele:
zur Messe halten sich viele Fremde in der Stadt auf
der Zustrom von Fremden nimmt in unserem Ort immer mehr zu
Sie kamen aus entlegenen Dörfern und Einödhöfen, die meist noch nie ein Fremder betreten hatte [O. M. GrafMitmenschen47]
2.
Unbekannte, Unbekannter
Beispiele:
Fremden gegenüber ist er sehr zurückhaltend
»Danke, ich weiß Bescheid!« Und schon ist die Fremde im Kinderzimmer verschwunden [KästnerLottchen139]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fremd · Fremder · Fremdling · Fremde · befremden · befremdlich · entfremden · Entfremdung · Fremdsprache · Fremdwort · Verfremdung · verfremden
fremd Adj. ‘von auswärts stammend, nicht heimisch, nicht zugehörig, unbekannt’. Das gemeingerm. Adjektiv ahd. fremidi (8. Jh.), mhd. vremede, vremde, vröm(e)de, asächs. fremiði, mnd. vrȫmede, mnl. vreemde, vremde, vreemt, nl. vreemd, aengl. frem(e)de, got. framaþeis ist mit dem (Bindevokal aufweisenden) Suffix germ. -iþja- / -iðja- (ie. -ti̯o-) gebildet zu (im Nhd. untergegangenem) germ. *fram, belegt in ahd. fram Adv. (8. Jh.), mhd. fram Adv. ‘vorwärts, fort, weiter, sogleich’, Präp. ‘fort von, von … her’, asächs. fram Adv. ‘hervor, weg, heraus’, aengl. fram, from Adv. ‘fort, vorwärts, weg’, Präp. ‘weg von, von … her’, anord. fram Adv. ‘vorwärts’, got. fram Adv. ‘weiter’, Präp. ‘von … her’, so daß eine Grundbedeutung ‘entfernt, fern’ angenommen werden kann. Germ. *fram ist wie anord. framr ‘tapfer, vorzüglich’, aengl. fram ‘stark, tüchtig, tapfer’ mit griech. prómos (πρόμος) ‘Vorderster, Vorkämpfer, Führer, Fürst’, umbr. promom ‘zuerst, anfangs’ eine m-Ableitung (s. auch verwandtes ↗fromm) von ie. *prō̌, einer der Varianten von ie. *per ‘das Hinausführen über’, womit vornehmlich Adverbien und Präpositionen gebildet werden (s. z. B. ↗für, ↗vor, ↗ver-). Aus dem Adjektiv substantiviert Fremder m. ‘Auswärtiger, Gast’, mhd. vremder. Dafür auch Fremdling m. mhd. vremdelinc. Fremde f. ‘Ort, wo man nicht heimisch ist’, mhd. vrem(e)de ‘Entfernung’. befremden Vb. ‘unangenehm berühren, fremdartig anmuten’ (15. Jh.); vgl. ahd. irfremiden ‘ausschließen, verstoßen’ (?; 8. Jh.), gifremiden ‘jmdm. etw. entziehen, sich von jmdm. abwenden’ (9. Jh.), mhd. vremeden ‘abfallen, meiden’; befremdlich Adj. ‘verwunderlich, unerfreulich’ (16. Jh.). entfremden Vb. ‘fremd machen, entziehen’, mhd. enphremden, entvremden; Entfremdung f. ‘Abkühlung, Lösung (einer Beziehung), Entfernung’ (15. Jh.). Fremdsprache f. (19. Jh.). Fremdwort n. (19. Jh.), älter dafür fremdes Wort (16. Jh.). Verfremdung f. Stilmittel des epischen Theaters (20. Jh., Brecht); dazu in entsprechendem Sinne verfremden Vb. zuvor ‘fremd machen, entfremden, enteignen’ (15. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Andersartige Aneignung Bekannter Eigen Einheimische Faszination Fremde Fremder Haß Heimat Heimkehr Mißtrauen Reiz Umgang Vertrauter Vorurteil Zustrom Zuzug ansprechen begegnen beäugen exotisch geheimnisvoll mustern mysteriös neugierig verirren vertraut willkommen zurechtfinden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fremde‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie sollen auch mal für Fremde kochen, nur ein paar Stunden lang.
Die Zeit, 06.12.2012, Nr. 49
Ich bin in die Fremde gegangen, jetzt fühle ich mich wieder zu Hause.
Die Welt, 14.12.2005
In Frankreich hat es der Fremde schon um vieles leichter.
Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 473
Es gibt denn auch, wie man auf den Straßen hört, allerlei Fremde.
Frisch, Max: Stiller, Rheda-Wiedenbrück: Bertelsmann 1997 [1954], S. 69
Von da ab behandelte er ihn wie einen Fremden, nicht wie sein Werk.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 606
Zitationshilfe
„Fremde“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fremde#1>, abgerufen am 22.03.2019.

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Fremde, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Fremde · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungFrem-de
Grundformfremd
eWDG, 1967

Bedeutung

Gegend fern der Heimat
Beispiele:
in der Fremde leben
in die Fremde ziehen
Die […] Fremde ist nicht Vaterland [GoetheIphigenieI 2]
Das is reiner Zufall, daß man sich in der Fremde so trifft, nicht? [BrechtSchweyk4]
Wer in die Fremde will wandern, / Der muß mit der Liebsten gehn [EichendorffTaugenichts3,54]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fremd · Fremder · Fremdling · Fremde · befremden · befremdlich · entfremden · Entfremdung · Fremdsprache · Fremdwort · Verfremdung · verfremden
fremd Adj. ‘von auswärts stammend, nicht heimisch, nicht zugehörig, unbekannt’. Das gemeingerm. Adjektiv ahd. fremidi (8. Jh.), mhd. vremede, vremde, vröm(e)de, asächs. fremiði, mnd. vrȫmede, mnl. vreemde, vremde, vreemt, nl. vreemd, aengl. frem(e)de, got. framaþeis ist mit dem (Bindevokal aufweisenden) Suffix germ. -iþja- / -iðja- (ie. -ti̯o-) gebildet zu (im Nhd. untergegangenem) germ. *fram, belegt in ahd. fram Adv. (8. Jh.), mhd. fram Adv. ‘vorwärts, fort, weiter, sogleich’, Präp. ‘fort von, von … her’, asächs. fram Adv. ‘hervor, weg, heraus’, aengl. fram, from Adv. ‘fort, vorwärts, weg’, Präp. ‘weg von, von … her’, anord. fram Adv. ‘vorwärts’, got. fram Adv. ‘weiter’, Präp. ‘von … her’, so daß eine Grundbedeutung ‘entfernt, fern’ angenommen werden kann. Germ. *fram ist wie anord. framr ‘tapfer, vorzüglich’, aengl. fram ‘stark, tüchtig, tapfer’ mit griech. prómos (πρόμος) ‘Vorderster, Vorkämpfer, Führer, Fürst’, umbr. promom ‘zuerst, anfangs’ eine m-Ableitung (s. auch verwandtes ↗fromm) von ie. *prō̌, einer der Varianten von ie. *per ‘das Hinausführen über’, womit vornehmlich Adverbien und Präpositionen gebildet werden (s. z. B. ↗für, ↗vor, ↗ver-). Aus dem Adjektiv substantiviert Fremder m. ‘Auswärtiger, Gast’, mhd. vremder. Dafür auch Fremdling m. mhd. vremdelinc. Fremde f. ‘Ort, wo man nicht heimisch ist’, mhd. vrem(e)de ‘Entfernung’. befremden Vb. ‘unangenehm berühren, fremdartig anmuten’ (15. Jh.); vgl. ahd. irfremiden ‘ausschließen, verstoßen’ (?; 8. Jh.), gifremiden ‘jmdm. etw. entziehen, sich von jmdm. abwenden’ (9. Jh.), mhd. vremeden ‘abfallen, meiden’; befremdlich Adj. ‘verwunderlich, unerfreulich’ (16. Jh.). entfremden Vb. ‘fremd machen, entziehen’, mhd. enphremden, entvremden; Entfremdung f. ‘Abkühlung, Lösung (einer Beziehung), Entfernung’ (15. Jh.). Fremdsprache f. (19. Jh.). Fremdwort n. (19. Jh.), älter dafür fremdes Wort (16. Jh.). Verfremdung f. Stilmittel des epischen Theaters (20. Jh., Brecht); dazu in entsprechendem Sinne verfremden Vb. zuvor ‘fremd machen, entfremden, enteignen’ (15. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Andersartige Aneignung Bekannter Eigen Einheimische Faszination Fremde Fremder Haß Heimat Heimkehr Mißtrauen Reiz Umgang Vertrauter Vorurteil Zustrom Zuzug ansprechen begegnen beäugen exotisch geheimnisvoll mustern mysteriös neugierig verirren vertraut willkommen zurechtfinden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fremde‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich bin in die Fremde gegangen, jetzt fühle ich mich wieder zu Hause.
Die Welt, 14.12.2005
Sie sprechen in der Fremde immer lauter, als nötig wäre, sind auch schneller unterwürfig.
Der Tagesspiegel, 29.04.2005
Hier sind sie zwar nicht in der Fremde, aber doch außerhalb des Gewohnten.
Bruyn, Günter de: Unter den Linden, Berlin: Siedler 2002, S. 9
Er fürchtet sich vor der Fremde, auch vor den fremden Sprachen.
Der Spiegel, 28.08.1989
Die Fremde war immer gut für ihn gewesen, wenn auch nicht zu ihm.
Johnson, Uwe: Jahrestage, Bd. 1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1970, S. 401
Zitationshilfe
„Fremde“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fremde#2>, abgerufen am 22.03.2019.

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