Fremdling, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Fremdlings · Nominativ Plural: Fremdlinge
Aussprache 
Worttrennung Fremd-ling
Wortzerlegung  fremd -ling
eWDG

Bedeutung

gehoben, veraltend jmd., der aus einem anderen Ort, einer anderen Gegend stammt, in seiner Umgebung (jmdm.) nicht vertraut, nicht bekannt ist
Beispiele:
Ich bin ein Fremdling in diesem Lande, aber Euch kenn' ich sehr gut [ SchillerRäuberII 2]
Der Wirt am Bierhahn musterte mit gefalteter Stirne den Fremdling [ KlugeKortüm273]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fremd · Fremder · Fremdling · Fremde · befremden · befremdlich · entfremden · Entfremdung · Fremdsprache · Fremdwort · Verfremdung · verfremden
fremd Adj. ‘von auswärts stammend, nicht heimisch, nicht zugehörig, unbekannt’. Das gemeingerm. Adjektiv ahd. fremidi (8. Jh.), mhd. vremede, vremde, vröm(e)de, asächs. fremiði, mnd. vrȫmede, mnl. vreemde, vremde, vreemt, nl. vreemd, aengl. frem(e)de, got. framaþeis ist mit dem (Bindevokal aufweisenden) Suffix germ. -iþja- / -iðja- (ie. -ti̯o-) gebildet zu (im Nhd. untergegangenem) germ. *fram, belegt in ahd. fram Adv. (8. Jh.), mhd. fram Adv. ‘vorwärts, fort, weiter, sogleich’, Präp. ‘fort von, von … her’, asächs. fram Adv. ‘hervor, weg, heraus’, aengl. fram, from Adv. ‘fort, vorwärts, weg’, Präp. ‘weg von, von … her’, anord. fram Adv. ‘vorwärts’, got. fram Adv. ‘weiter’, Präp. ‘von … her’, so daß eine Grundbedeutung ‘entfernt, fern’ angenommen werden kann. Germ. *fram ist wie anord. framr ‘tapfer, vorzüglich’, aengl. fram ‘stark, tüchtig, tapfer’ mit griech. prómos (πρόμος) ‘Vorderster, Vorkämpfer, Führer, Fürst’, umbr. promom ‘zuerst, anfangs’ eine m-Ableitung (s. auch verwandtes fromm) von ie. *prō̌, einer der Varianten von ie. *per ‘das Hinausführen über’, womit vornehmlich Adverbien und Präpositionen gebildet werden (s. z. B. für, vor, ver-). Aus dem Adjektiv substantiviert Fremder m. ‘Auswärtiger, Gast’, mhd. vremder. Dafür auch Fremdling m. mhd. vremdelinc. Fremde f. ‘Ort, wo man nicht heimisch ist’, mhd. vrem(e)de ‘Entfernung’. befremden Vb. ‘unangenehm berühren, fremdartig anmuten’ (15. Jh.); vgl. ahd. irfremiden ‘ausschließen, verstoßen’ (?; 8. Jh.), gifremiden ‘jmdm. etw. entziehen, sich von jmdm. abwenden’ (9. Jh.), mhd. vremeden ‘abfallen, meiden’; befremdlich Adj. ‘verwunderlich, unerfreulich’ (16. Jh.). entfremden Vb. ‘fremd machen, entziehen’, mhd. enphremden, entvremden; Entfremdung f. ‘Abkühlung, Lösung (einer Beziehung), Entfernung’ (15. Jh.). Fremdsprache f. (19. Jh.). Fremdwort n. (19. Jh.), älter dafür fremdes Wort (16. Jh.). Verfremdung f. Stilmittel des epischen Theaters (20. Jh., Brecht); dazu in entsprechendem Sinne verfremden Vb. zuvor ‘fremd machen, entfremden, enteignen’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Fremder · Fremdling · Unbekannter · Wesen (wie) von einem anderen Stern
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(Person) mit Migrationshintergrund · (Person) mit ausländischen Wurzeln · Ausländischer Mitbürger · Fremdling · Fremdstämmiger · Migrant  ●  Ausländer  Hauptform · Gastarbeiter  veraltet · Kanake  derb, beleidigend · Tschusch (meist abwertend)  ugs., österr.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Fremdling‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Fremdling‹.

Verwendungsbeispiele für ›Fremdling‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nein, ich bin mir eigentlich nicht fremd, ich bin kein Fremdling.
Der Tagesspiegel, 16.01.2002
Sie ziehen uns Fremdlinge sofort hinein in ihr Reich, wo wir uns dann augenreibend zurechtfinden müssen.
Süddeutsche Zeitung, 21.12.1994
Als ich aber einige Stunden später das Zimmer betrat, entdeckte ich im Bette neben dem blassen Mädchen einen kleinen Fremdling.
Bergg, Franz: Ein Proletarierleben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 8661
Man lud alle Freier zum Hochzeitsfest, rief aber auch die griechischen Fremdlinge hinzu.
Krämer, Walter: Geheimnis der Ferne, Leipzig u. a.: Urania-Verlag 1971, S. 154
Infolgedessen konnten die gewiß nicht bösartigen Kinder die Fremdlinge für Schausteller halten.
Gütersloh, Albert Paris: Sonne und Mond, München: Piper 1984 [1962], S. 1019
Zitationshilfe
„Fremdling“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Fremdling>, abgerufen am 15.10.2021.

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