Frondienst, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Frondienst(e)s · Nominativ Plural: Frondienste
Aussprache
WorttrennungFron-dienst
WortzerlegungFron1Dienst
eWDG, 1967

Bedeutung

historisch Dienst, der in der Fron geleistet wurde
Beispiele:
den Bauern wurden vom Adel schwere Frondienste auferlegt
Frondienste leisten
die Landleute wurden zum Frondienst getrieben
[die Söhne] arbeiteten die Frondienste für den Grundherrn ab [PolenzBüttnerbauer1,43]
übertragen
Beispiele:
im Frondienst der täglichen Pflichten
im Frondienst des geschäftigen und geschäftlichen Alltags [AbendrothPfitzner268]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Fron · Frone · Fronleichnam · Frondienst · fronen · frönen
Fron, Frone f. ‘unentgeltliche Arbeit leibeigener und höriger Bauern für den Grund- oder Gutsherrn im Feudalismus’, in neuerer Zeit (19. Jh.) übertragen ‘unliebsame, erzwungene, harte, mühsame Arbeit, Plackerei’. Mhd. vrōn(e) ‘Gewaltherrschaft, Herrendienst, Zwingburg, Gefängnis’, neben der ursprünglichen Bedeutung ‘Herrschaft, Herrschaftlichkeit, Herrlichkeit, Heiligkeit’, ist eine Substantivierung des Adjektivs mhd. vrōn ‘was den (geistlichen oder weltlichen) Herrn betrifft, ihm gehört, heilig (von Gott, Christus), herrschaftlich, öffentlich’, ahd. frōno (indeklinabel und nachgestellt) ‘dem Herrn (Gott, Christus) gehörig, heilig, herrlich’ (vgl. krūzi frōno ‘heiliges Kreuz’), dann ‘öffentlich, dem Staate gehörig’ (9. Jh.). Dies ist eigentlich ein erstarrter Genitiv Plur. (‘der Götter’) von ahd. frō ‘Herr’ (9. Jh.), Anrede für heidnische Götter, dann für den christlichen Gott (später von ↗Herr, s. d., verdrängt); dazu ahd. frouwa f. (s. ↗Frau). Der n-Stamm germ. *frawan- in ahd. frō, asächs. frō in der Anrede, sonst frāho, frōho, aengl. frēa ‘Herrscher, Herr, König, Gott, Christus, Ehemann’ und der jan-Stamm germ. *fraujan- in asächs. frōio, aengl. frīgea, got. frauja ‘Herr’ lassen sich vergleichen mit aind. pravaṇáḥ ‘vorwärts geneigt, abschüssig’, pravaṇá- ‘Abhang, Halde’, griech. prēnḗs (πρηνής), prānḗs (πρανής) ‘vorwärts geneigt, kopfüber, abschüssig, steil’ und führen als Ableitung mit ie. -u̯o- auf ie. *prō̌ ‘vorwärts, vorn, voran’, wozu auch griech. prṓra (πρῷρα) ‘Schiffsvorderteil’, aslaw. pravъ, russ. právyj (правый) ‘recht, gerecht, richtig’, eigentlich ‘geradeaus’, gehören. Mit gleichem Suffix, aber von anderer Ablautstufe sind gebildet aind. pū́rvaḥ ‘der vordere, erste’, aslaw. prьvъ, russ. pérvyj (первый) ‘der erste’. Alle Formen führen auf ein vornehmlich Präpositionen und Adverbien bildendes ie. *per ‘das Hinausführen über’ (s. ↗für, ↗vor, ↗ver-, auch ↗fern, ↗fremd, ↗fromm). Der religiös-christliche Gebrauch des Adjektivs ist erhalten in Fronleichnam m. der Bezeichnung für das seit 1246 gefeierte Kirchenfest am 2. Donnerstag nach Pfingsten, eigentlich ‘der Leib des Herrn, der Leib Jesu Christi’, mhd. vrōnlīcham, vrōnlīchname, nach mhd. der vrōne līcham (s. ↗Leichnam). Zahlreichersind Komposita zur weltlichen Bedeutung des Adjektivs ‘den Herrn betreffend, ihm gehörend, herrschaftlich’, vgl. ahd. frōnohof ‘Herrenhof, Staatskasse’ (10. Jh.), mhd. vrōn(e)hof, auch ‘Kirchhof’; mhd. vrōn(e)bote ‘Amts-, Gerichtsbote, Büttel’; spätmhd. vrōnwalt ‘herrschaftlicher Wald’. Frondienst m. ‘erzwungene Dienstleistung für den Grundherrn’, mhd. vrōndienest. fronen Vb. ‘Frondienste, harte Arbeit leisten’, ahd. frōnen ‘(für den Herrn) in Beschlag nehmen’ (10. Jh.), mhd. vrōnen, vrœnen ‘als Abgabe überreichen, (für den Herrn) in Beschlag nehmen, pfänden, dienen, Frondienst leisten, zum Herrn erhöhen, heiligen, verherrlichen, schmücken’; daneben die umlautende Variante frönen Vb. (einem Laster, einer Leidenschaft) ‘sich rückhaltlos hingeben’, eigentlich ‘einem Laster, einer Leidenschaft wie einem Herrn dienen’ (1. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Fron · ↗Fronarbeit · Frondienst  ●  Robath  bair. · ↗Robot  österr. · Robote  österr.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgabe Bauer befreien leisten verrichten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Frondienst‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dazu kamen die Frondienste, zu denen die abhängigen Stände verpflichtet waren und die allein die großen Bauten ermöglicht haben.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. II,1. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1893], S. 20142
Viele sehen darin einen Frondienst, fühlen sich ausgebeutet oder erniedrigt.
Die Zeit, 15.09.2005, Nr. 38
Entlassen aus dem Frondienst sind die Spieler mit der Rückkehr nicht.
Süddeutsche Zeitung, 07.02.1997
L. berichtigt damit einseitige ältere Auffassungen über die »Frondienste« überhaupt.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1939, S. 602
Sie forderten also einfachen Frondienst von den kleinen Bauern, während die wohlhabenderen Spanndienste mit eigenen Tieren und Geräten leisten mußten.
Tapié, Victor-Lucien: Das Zeitalter Ludwigs XIV. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 2025
Zitationshilfe
„Frondienst“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Frondienst>, abgerufen am 19.04.2019.

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